FSV erwischt vor heimischer Kulisse einen traumhaften Fußballnachmittag und demontiert Türkiyemspors U23 mit 7:1 (6:0)
Wer sich am Samstag eine halbe Stunde zu spät zum Kreuzberg-Derby in die Wrangelritze drückte und nach dem Spielstand erkundigte, dürfte seinen Ohren nicht getraut haben. Da lag Hansa nämlich schon mit 4:0 in Führung. Nach dem 15:1-Torfestival von Türkiyemspor beim Ligaauftakt und dem mühsamen 1:0 des FSV in Moabit war das wirklich nicht zu erwarten.



Dabei waren die Gäste nicht einmal schlecht gestartet, wirkten in der Abtastphase sogar dominanter. Bis…, ja bis die Elf von Trainer Philipp Palwelzik einen schönen Angriff über die rechte Seite fuhr und bei der Flanke von Sonja Laukemper einer Türkiyemspor-Verteidigerin der Ball in der Box an die Hand sprang. Den fälligen Elfmeter verwandelte Lea Berndorf sicher halbhoch halbrechts (9.). So weit, so gut oder schlecht – je nach Perspektive.

Die Schlüsselszene für den kompletten Untergang des Nachwuchsteams von der Blücherstraße ereignete sich aber nach einer Viertelstunde. Laukemper hatte sich im Zuge eines Konters auf den Weg in Richtung 2:0 gemacht und war an der Strafraumkante von Torhüterin Michelle Salomon von den Beinen geholt worden. Freistoß und rotes Plastik für Salomon. Gelbes für Türkiyemspor-Trainerin Sinem Solmaz, die ihre Torsteherin nicht als letzte Frau wahrgenommen hatte und ihrem Ärger lautstark Luft machte. Timi Villegas war das einerlei, flach trat sie den Ball rechts an der Mauer vorbei zum 2:0 in die Maschen.

In der Folge zerlegte Hansa das Gästeteam vollständig. Zwei Ecken von Berndorf wuchteten Villegas und Nina Fintzen per Kopf in die Maschen (25., 28.). Dann hatte die zusammen mit Laukemper überragende Berndorf ihre nächsten beiden Auftritte. Vorarbeit von Laukemper von rechts: 5:0 (43.). Vorarbeit von Laukemper über links: 6:0 (45.+4). Türkiyemspor hatte den Hansa-Kontern nichts entgegenzusetzen.
Sinem Solzmaz: „Glücksfaktor des Grauens“
Solmaz nannte nach der Partie die beiden herrlichen Kopfballtreffer des Gegners „Glücksfaktor des Grauens“. Dabei wollte sie nicht deren Qualität schmälern sondern eher darauf hinweisen, dass Hansa in dieser Halbzeit auch wirklich alles gelang. Auf der anderen Seite war sie auch absolut nicht einverstanden mit dem Abwehrverhalten ihrer Schützlinge. „Wenn man bei Ecken so alleine steht, ist es natürlich leichter.“

Die zweite Schicht ist schnell erzählt. Türkiyemspor fing sich im gleichen Maße, wie Hansa vom Gaspedal ging beziehungsweise etwas schlapper wurde. Aber eigentlich blieb alles beim Alten: Die Gäste bemüht, die Gastgeberinnen auf Konter aus. Daraus entstand auf jeder Seite ein Treffer. Sarah Wippig packte einen Flachschuss von halbrechter Position im Sechzehner zum Ehrentreffer in die lange Ecke (66.), Hansa schloss in der Nachspielzeit einen der Gegenstöße durch Villegas zum 7:1-Endstand ab.

Der FSV setzte sich zumindest über Nacht an die Tabellenspitze der Berlin-Liga – wer hätte das gedacht? Pawelzik war höchst zufrieden: „Wir machen es gut, aber natürlich spielen uns der frühe Elfmeter und der Platzverweis in die Karten. Und diese Kopfballtore erzielen wir auch nicht jeden Tag.“ Ob sein Team sich nun oben festsetzen könnte? „Zumindest ist es nicht leicht uns auf unserem Platz zu schlagen. Hier ist mehr Sand drauf als alles andere und wir sind das eben gewohnt.“

Auch Solzmaz haderte mit Untergrund und Spielverlauf, allerdings auch mit der Leistung ihrer jungen Mannschaft, vor allem mit der Zweikampfführung. „Das Gute war, dass wir uns nicht aufgegeben haben. Jede hat versucht, die andere mitzunehmen, aufzubauen. Das hat mir gut gefallen, aber das war’s dann auch. Ein absoluter Albtraum!“ Vom anderen Spielfeldrand schallte es im Chor: „Derby-Sieger! Derby-Sieger! Hey! Hey!“

