Neukölln hat es schon wieder getan: Elf von Trainer Helge Kapheim stellt nach Bero auch Inter ein Bein
Am Ende stand da ein einigermaßen gerechtes 1:1 auf der imaginären Anzeigetafel am Geläuf an der Haarlemer Straße – dort wo sich Schafe und verwirrte Platzwarte gute Nacht sagen. „Einigermaßen“ deshalb, weil es natürlich für Fußballästheten nicht schön war, wie sich die Gastgeberinnen auf dem glitschigen Untergrund den Punkt eroberten und einem der verzweifelt und unaufhörlich um spielerische Lösungen bemühte FC Inter fast schon leidtun konnte, weil er eben selbige nicht fand. „Gerecht“ aber deshalb, weil Neukölln mit großer Leidenschaft und enormem Kampfgeist sein Ziel verfolgte, erreichte und den Zähler einfach verdient hatte.

Der olle Teppichplatz, der den Grün-Weißen als Ausweichspielstätte dient, bis die Plätze an der Johannisthaler Chaussee endlich fertig saniert sind, kommt Neukölln gegen die Schwergewichte der Liga natürlich entgegen. Kapitänin Laura Lück beschrieb es so: „Glaub mir, wir wollen selbst nicht hier kicken. Wir haben gute Sechser, gute Achter und schnelle Außen. Das Mauern ist nicht unser Spiel und wir warten sehnsüchtig darauf, dass unser Platz endlich fertig wird. Aber unsere Personalsituation ist angespannt und wenn dann aktuell bessere Teams kommen, versuchen wir eben, so zum Erfolg zu kommen.“
„So“ bedeutet: Nadelstich erfolgreich setzen und dann zwischen Mittellinie und Box zurückziehen – und mal warten, was da kommt. Gegen Bero – das Spiel endete ebenfalls 1:1 – war der Stich ein fulminantes Freistoßtor von Abwehrchefin Romina Schmalbein, nun ein herrliches Heber-Tor von Aylin-Kimberley Jüterbock. Per Steckpass über halbrechts auf die Reise geschickt, überlistete sie aus 20 Metern Entfernung Inters Torfrau Lamis Tiehen sehr sehenswert. 12 Minuten waren gespielt, da war sie, die wichtige Führung für Grün-Weiß.

Gästetrainer Oliver Thomaschewski sprach nachher von einem glücklichen Treffer. Dabei wollte er weniger der Torschützin etwas wegnehmen, als auf unübliche Unzulänglichkeiten seines Teams hinweisen. „Die Frage ist, warum wir in der Szene so weit aufgerückt waren und Tiehen so weit vor dem Kasten stand.“
Jedenfalls waren nun die besagten Lösungen im letzten Drittel für Inter gefragt, und der Tabellenführer suchte intensiv nach Antworten. Immer größer wurde der Druck auf das von Lisa Schrama erneut sehr abgeklärt gehütete Neuköllner Tor. Bald zeichnete sich ab: Einfach wird das nicht. Immer ein Abwehrbein im Weg, Adressaten von Zuspielen in die Box häufig einen Schritt zu spät und die wenigen Möglichkeiten zu zentral auf Schrama.




So etwa nach einer halben Stunde, als Julia Kaiser an der Strafraumkante frei zum Schuss kam, Schrama mit dem Fuß abwehrte und der schöne Drehschuss der starken Lena Hegnal direkt im Anschluss in den Armen der Torhüterin landete. Kurz vor der Pause fiel dann doch der Ausgleich. Nach einer unübersichtlichen Szene im Strafraum sprang der Ball mehrfach hin und her, bis Hegnal zur Stelle war und zum 1:1 einschob (45.+3).
Was war noch? Bereits vor der Doppelchance scheiterte Inter mit zwei schönen Kopfbällen von Hegnal nach Ecke beziehungsweise Freistoß knapp am Ausgleich. Und Neukölln konterte noch einmal über Jüterbock, deren Zuspiel aber einen Tick zu weit für die mitgelaufene Laura Waibel geriet.
Andere Halbzeit, gleiches Bild. Inter schob an, kam aber außer durch einen tollen Volley der eingewechselten Gina-Marie Ziegelt – natürlich zu zentral platziert mochte man fast sagen – zu keiner nennenswerten Torchance. Neukölln hätte durch eine scharfe Ecke von Nele Becker, die Tiehen in höchster Not gerade noch an die Latte lenkte, und erneut Jüterbock nach einem Konter den Spielverlauf sogar noch völlig auf den Kopf stellen können. Das, da waren sich Kapheim und Lück einig, wäre dann aber doch des Guten zu viel gewesen.

Thomaschewski war bedient, akzeptierte aber den Punkt auf dem schwierigen Geläuf. Nicht einverstanden war er mit dem Drumherum. Die Partie konnte erst mit halbstündiger Verspätung angepfiffen werden, weil der Platzwart zwei Herrenmannschaften die falschen Kabinen zugeteilt hatte. „Da kommst du nicht in den Tunnel“, klagte der Inter-Coach. Auch die Gangart des Gegners missfiel ihm – auf und neben dem Platz. „Viele Nicklichkeiten, unsportliches Verhalten“, fasste er zusammen.
Neukölln feierte dennoch. Punkt ergattert, Klassenprimus degradiert. „Wie gegen Bero können wir uns auch dieses Mal nicht beschweren, wenn wir verlieren. Aber wie sich die Mädels hier heute reingehauen haben, war schon einen Zähler wert“, freute sich Maurermeister Kapheim.

