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Wer macht den nächsten Schritt?

Im Berlin-Derby der Regionalliga Nordost will Hertha die Spitze zementieren und Hohen Neuendorf dem Keller Adieu sagen

Wenn am Sonntag um 14 Uhr im Hans-Braun-Stadion auf dem Hertha-Gelände angepfiffen wird, treffen zwei Welten aufeinander – und doch eint sie der Druck: Hertha BSC, Branchenführer der Regionalliga Nordost, empfängt den abstiegsbedrohten SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf. Eine Partie mit Derby-Charakter, in der ein Punkt fast zu wenig ist – an beiden Enden des Tableaus.

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Herthas Aurelia Haesler (r.) entwischt Yara Scheffler – das Hinspiel entschied der BSC für sich.

Hertha geht als klarer Favorit in die Begegnung. Der Start aus der Winterpause verlief souverän, mit Siegen bei RB Leipzig II (2:1) und Hansa Rostock (4:0) unterstrich das Team von Trainer Tobias Kurbjuweit seine Ambitionen im Aufstiegsrennen. Die Vorbereitung lief nach Plan und auch personell gibt es in Westend keinen Anlass zur Sorge. Entsprechend gelassen nimmt Kurbjuweit den Druck aus dem Kessel: „Wir müssen nicht, wir wollen dieses Spiel gewinnen.“

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Die Frage an diesem Sonntag: Kann Hohen Neuendorf den Hertha-Lauf stoppen?

Dass der Gegner im Winter personell nachgelegt hat, ist bei Hertha natürlich registriert worden. Hohen Neuendorf verstärkte sich mit einer ganzen Reihe von Spielerinnen des Ligakonkurrenten Türkiyemspor Berlin. Das Rezept von Kurbjuweit gegen eine Überraschung ist wohl eines, dass er seinem Team vor jedem Spiel nahelegt: „Intensität gegen und mit dem Ball.“

In der Niederheide hat sich die Lage zuletzt leicht entspannt – zumindest tabellarisch. Sechs Punkte aus drei Spielen, darunter zwei 3:1-Erfolge gegen Hansa Rostock und Turbine Potsdam II, haben dem Team neues Selbstvertrauen gegeben. Von Rückenwind im klassischen Sinne will Trainer Christian Liedtke dennoch nicht sprechen, wohl aber von wachsender Stabilität.

Allerdings zwingt ihn die personelle Situation zu Anpassungen: Die Innenverteidigung muss umgebaut werden, Zugang Elisa Schindler fällt aus. Ausgerechnet möchte man sagen, sorgte sie doch in diesen drei Spielen für merklich mehr Stabilität im Hohen Neuendorf Defensivverbund. Umso klarer setzt Trainer Christian Liedtke auf das jüngste Erfolgsrezept. „Wir wollen wieder kompakt stehen, die Räume eng halten und auf gezielte Nadelstiche setzen. Ziel ist es, das Spiel möglichst lange offen zu halten – auch mit Blick auf die Tordifferenz, die im Abstiegskampf noch eine Rolle spielen kann. Mal sehen, ob wir Hertha ärgern können.“

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Herthas Top-Torjägerin Elfie Wellhausen (r.), markierte beim 3:0-Hinspielsieg in Hohen Neuendorf zwei Treffer.

Die Rollen sind klar verteilt, doch genau darin liegt die Spannung. Hertha hat die Qualität und die Form, um das Spiel zu kontrollieren. Hohen Neuendorf bringt neue Widerstandsfähigkeit und den klaren Plan mit, um es unangenehm zu machen. Ein Derby mit ordentlich Fallhöhe auf beiden Seiten.


Fotos: Laura Timme