41550

Zwischen Ausbildung und Aufstieg

RB Leipzigs U20 will Talente nach oben bringen – und selbst den Sprung in die neue 3. Liga schaffen.

RB Leipzig II hat zwei Aufgaben, die sich nicht immer ohne Weiteres zusammenbringen lassen. Die U20 soll Spiele gewinnen und oben mitmischen. Vor allem aber soll sie Spielerinnen so weit bringen, dass sie den nächsten Schritt schaffen. In der vergangenen Saison ist genau das gelungen. Mehrere Talente schafften den Sprung in die 2. Bundesliga und gehören dort inzwischen zur Startelf. In diesem Jahr darf neben der Entwicklung auch die Tabelle eine ziemlich große Rolle spielen: RB will in die neue 3. Liga – möglichst über Platz eins oder zwei.

41547

Kurz & knapp

Trainerteam: Benjamin Eta (Trainer), Celine Hauk (Co-Trainerin), Barbara Brecht (Athletik), Tom Taubert (Torwarttrainer), Johanna Schnellhase (Physio), Milad Foladi (Teammanager).
Kadergröße: 20 Feldspielerinnen + 1 Torhüterin.
Spielstätte: Gontardweg, Rasenplatz 1.
Saisonziel: Qualifikation für die 3. Liga, möglichst auf Platz 1 oder 2 – und die Entwicklung der Spielerinnen.

Teamcheck

Zweimal brauchte RB Leipzig II in der vergangenen Saison ein bisschen Anlauf. Zum Saisonstart blieben Punkte liegen, nach der Winterpause passierte das noch einmal. Danach lief es jeweils. „Dann haben wir alle geschlagen“, sagt Benjamin Eta. Vor allem offensiv war seine Mannschaft stark, mit der Zeit wurde sie auch gegen den Ball immer besser.

41546

Noch wichtiger ist für Eta allerdings, was aus einzelnen Spielerinnen geworden ist. Mehrere schafften den Sprung in die 2. Bundesliga und gehören dort inzwischen zur Startelf. Gleichzeitig standen gegen Ende der Saison schon etliche U17-Spielerinnen für die U20 auf dem Platz. Für eine Ausbildungsmannschaft ist das wahrscheinlich die aussagekräftigere Bilanz als der reine Tabellenplatz.

Der nächste Jahrgang steht längst bereit. Jasmina Dietrich kommt aus Deisenhofen, wo sie bei den Jungen gespielt hat, Tania Komarovskiy von Hertha BSC und Paula Quintanero aus Elversberg. Aus der eigenen U17 rücken Lilly Westphal, Evita Kogel, Hannah Ringling, Michelle Moser, Johanna Güth und Larissa Eilenstein auf.

Auf der anderen Seite haben Alexandra Scheffler (1. FC Köln II), Lily Bettencourt (USA), Leonie Preußler (Turbine Potsdam), Sarah Dittrich (SV Meppen), Hanna Hohmann (Eintracht Leipzig Süd), Julie Groß und Leni Preuß (beide Chemnitzer FC) sowie Melina Bahs (Werder Bremen II) die Mannschaft verlassen. Ebony Madrid hat ihre Karriere beendet.

Was Eta mit dem neuen Kader vorhat, lässt sich ziemlich einfach zusammenfassen: Die Spielerinnen sollen besser werden – jede für sich und alle zusammen. Und sie sollen dabei mutigen, intensiven und attraktiven Fußball spielen.

Dass das funktionieren kann, hat RB gleich zum Auftakt gezeigt. Hansa Rostock war beim 4:0 in Leipzig praktisch chancenlos. Ein erster Fingerzeig, mehr nicht. Aber einer, der durchaus zur Ansage des Trainers passt.

Perlentaucher

Wie soll man RB Leipzig II erkennen? Chefcoach Benjamin Eta braucht für die Antwort keine komplizierte Fußballsprache. Seine Mannschaft soll den Ball haben. „Und wenn die andere Mannschaft mal kurz den Ball hat, dann wirklich kurz.“

41545
Benjamin Eta („Wenn die andere Mannschaft mal kurz den Ball hat, dann wirklich kurz.“) bringt Charlene Patzschke.

Dahinter steckt offensiver Kombinationsfußball mit hoher Intensität. RB will früh pressen und nach Ballverlust sofort gegenpressen, ohne dabei die Kontrolle über das eigene Spiel zu verlieren. Viel Ballbesitz, viel Bewegung und möglichst wenig Zeit für den Gegner.

41535
Teamwork ist Trumpf: Die Funktionärsbank von RB Leipzig II.

Warum diese Mannschaft zu seinem Trainerteam passt? Auch daraus macht Eta keine Wissenschaft: „Weil die Mädels wirklich wollen und wir gemeinsam einfach extrem viel Spaß haben.“

Eine Spielerin herauszuheben, fällt ihm bei den vielen jungen Neuzugängen schwer. Wenn es eine sein soll, nennt er Evita Kogel. Jahrgang 2010, inzwischen Juniorinnen-Nationalspielerin und mit ihren ersten Länderspielen in den Beinen. Zum Regionalliga-Auftakt ließ sie dann gleich noch eine Kostprobe da: Beim 4:0 gegen Hansa Rostock erzielte Kogel den letzten Treffer direkt per Ecke.

Darauf kommt es an

RB Leipzig II will einen interessanten Spagat hinlegen. Die besten Spielerinnen sollen irgendwann nicht mehr für diese Mannschaft spielen, weil sie den Sprung nach oben geschafft haben. Gleichzeitig soll genau diese U20 in der Regionalliga möglichst weit vorne landen.

41543
Für die weiße Weste Leipzigs ist in letzter Instanz Torhüterin Sophie Lindner zuständig.

In dieser Saison bekommt das zusätzliche Bedeutung. RB will sich für die neue 3. Liga qualifizieren, am liebsten über Platz eins oder zwei. Dafür muss aus den vielen jungen Einzelspielerinnen schnell wieder eine Mannschaft werden, die ihre Qualität nicht nur punktuell zeigt.

41565

Der Auftakt gegen Rostock spricht dafür, dass das ziemlich schnell gehen könnte. Ob RB diese Intensität und Dominanz über eine ganze Saison auf den Platz bekommt, wird die spannendere Frage. Und wenn wir Benjamin Eta in zehn Monaten noch einmal fragen? Dann möchte er vor allem einen Satz hören: „Die Mädels haben echt komplett durchgezogen.“


Fotos: RBL U20