Grün-Weiß muss im Spiel der Woche bei Askania früh wechseln – und genau das verändert die Dynamik komplett.
Der BSV Grün-Weiß Neukölln Frauen hat das Kellerduell der Berlin-Liga beim SV Askania Coepenick mit 2:1 gewonnen und sich damit für eine deutliche Leistungssteigerung nach der Pause belohnt. Während Askania die erste Hälfte über weite Strecken kontrollierte, gehörte der zweite Durchgang klar den Gästen.

Lange spielte sich die Partie vor allem zwischen den Strafräumen ab. Askania hatte leichte Vorteile und ging in der 21. Minute in Führung. Nelly Kockejai – gerade erst eingewechselt für die verletzte Anne Bernsdorf – wurde über rechts geschickt und flankte präzise nach innen, wo Kapitänin Jasmin Hubach mitgelaufen war und per Kopf zum 1:0 traf (23.). Ein herrlicher Treffer, auch wenn er sich bis dahin nicht zwingend abzeichnete, weil klare Chancen auf beiden Seiten Mangelware waren. Unverdient fiel er aber auch keinesfalls. Askania war bis dato spielbestimmend, Neukölln fand in der Offensive so gut wie gar nicht statt.

Eine Minute später mussten dann auch die Gäste wechseln, Abwehrchefin Romina Schmalbein verließ hinkend den Platz, für sie kam Alina Gnadke. Was wie Not klingt, entwickelte sich zur Tugend. Zunächst aber hatte Jennifer Hösselbarth nach rund einer halben Stunde das 2:0 für Askania auf dem Fuß. Nach einem Steckpass hob sie den Ball zwar über die Torhüterin, allerdings auch über das Tor.



Ein bisschen Anlauf, genauer gesagt bis zur Pause, brauchte Gnadke dann noch. Dann aber: Drei Minuten nach Wiederbeginn schlug Emily Schlendermann einen Freistoß von der linken Seite, Höhe Grundlinie, in den Strafraum. Gnadke wurde am zweiten Pfosten sträflich allein gelassen und köpfte zum 1:1 ein. „Die Kleinste mach ein Kopfballtor, weil wir nicht dran sind. Das ärgert mich mehr als das Ergebnis“, sagte SV-Coach Marco Cappa nach der Partie. Neukölln ging jedenfalls nun deutlich spielfreudiger zur Werke. Auf einmal gab es Struktur, Spielzüge und Torgefahr. Fast an allen Offensivaktionen beteiligt: Gnadke.
Die Partie wurde in der zweiten Halbzeit sehr intensiv und ansehnlich
In der 77. Minute klärte eine Askania-Spielerin nach einem Abschluss von Lisa Funke aus rund elf Metern gerade noch auf der Linie zur Ecke – eine ganz dicke Chance. Die Partie blieb intensiv und offen, beide Teams wollten den Dreier. In der 80. Minute drehte Neukölln schließlich das Spiel komplett. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf von links durch Alina Gnadke leitete Laura Waibel die Kugel weiter ins Zentrum, wo Zuzanna Mroczko aus zehn Metern Askanias Schlussfrau Leah Kurz keine Chance ließ.

Kurz darauf hätte Neukölln nachlegen können. Wieder bereitete Gnadke stark vor, spielte Mroczko an der 16er-Kante genial blank, der Versuch der Angreiferin ging links am Kasten vorbei. In der Schlussphase hätten Gnadke mit einer Kopfballbogenlampe sowie Emily Schlendermann, ebenfalls per Kopf, jeweils nach Freistoßflanken von Nele Becker auf 1:3 stellen können.

„Ob der Sieg verdient war, ich weiß es nicht. Ich glaube, Askania hat in der zweiten Halbzeit nicht oft aufs Tor geschossen. Wir hatten die besseren Chancen, sagen wir es mal so“, sagte Neukölln-Trainer Helge Kapheim nach der Partie. Mit der ersten Hälfte sei er „überhaupt nicht zufrieden“ gewesen, „eine Katastrophe“.
Askanias Trainer Marco Cappa sah vor allem den Leistungsabfall nach der Pause als Knackpunkt: „Erste Hälfte haben wir im 4-4-2 gut gepresst und die Räume eng gehalten. In der zweiten Halbzeit ist uns das nicht mehr gelungen, wir waren viel zu weit weg und es hat uns wahrscheinlich dann auch die Kondition gefehlt.“
Beide Teams bleiben in der Berlin-Liga
Für beide Mannschaften ist der Klassenerhalt gesichert. Nach Angaben des Berliner Fußball-Verbandes werden definitiv nur zwei Teams absteigen. Wegen des offenen Nachholspiels des Tabellenletzten FFC Berlin 2004 hätte selbiger Askania noch einholen können, nach diesem Spieltag hat sich das aber erledigt, der FFC kam erwartungsgemäß bei Berolina unter die Räder.

Völlig überraschend kommt der Umschwung der Partie durch den Auftritt von Alina Gnadke nicht. Als geborene Kapheim war sie über eine gefühlte Ewigkeit Leistungsträgerin bei Grün-Weiß. Weil der Kader einfach zu dünn war, tauschte sie kurzerhand die heimische Couch mit der Ersatzbank. Wohl dem, der so ein Ass aus dem Ärmel zaubern kann.
Fotos: Matthias Vogel

