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Stern ist Meister

Furiose Steglitzerinnen machen beim FSV vorzeitig alles klar +++ Moabit und Pankow personell auf dem Zahnfleisch +++ Bero schießt sich für Pokal warm +++ Vikis U20 nach Meisterschafts-Aus mit großer Moral

Der erste Matchball sitzt: Die Frauen des SFC Stern 1900 sind Berliner Meister. Mit einem auch in der Höhe verdienten 6:1-Erfolg beim Friedrichshagener SV machte die Mannschaft von Trainer Roman Rießler den Titel vorzeitig perfekt und darf nun von der Regionalliga träumen. In den Aufstiegsspielen wartet jetzt Chemnitz.

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Diana Steinmeyer auf dem Weg zu ihrem 21. Saisontreffer.

Stern ließ zu keiner Sekunde Zweifel an den Ambitionen aufkommen. Bereits in der 3. Minute brachte Alina Lindemann den Favoriten in Führung. Nach einer Ecke von Jenny Kandetzki stieg Lindemann am höchsten und köpfte zum frühen 1:0 ein. Die Gäste blieben dominant und erhöhten nur elf Minuten später. Wieder war eine Ecke von Kandetzki der Ausgangspunkt. Im Strafraum entstand Chaos, ehe Amelie Großgebauer aus spitzem halbrechtem Winkel unter die Latte traf (14.).

Der Konter des FSV: ein Signature Move

Doch Friedrichshagen antwortete prompt. Stella Kränig setzte sich stark über die rechte Seite gegen zwei Stern-Spielerinnen durch und legte quer. Leni Hänel verwertete freistehend zum 1:2-Anschluss (16.). Es war zugleich ein Hinweis auf die Offensivqualität, die Friedrichshagen in dieser Saison mehrfach ausgezeichnet hatte.

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Bei den Sterner Ecken musste sich der FSV ordentlich strecken – oftmals vergeblich.

Lange hielt die Hoffnung der Gastgeberinnen allerdings nicht. Nur vier Minuten später stellte Stern den alten Abstand wieder her. Diana Steinmeyer brachte einen Einwurf von der rechten Seite scharf in den Fuß von Hanna Schmitz, die sich zwischen Torraum und Strafraumkante stark nach innen drehte und den Ball technisch fein aus spitzem Winkel über Ronja Kessel hinweg in die lange Ecke schlenzte – 1:3 (20.).

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Gina-Maria Ziegelt war im FSV-Zentrum um Ordnung bemüht, viel Zeit dafür blieb ihr kaum.

Stern kontrollierte die Begegnung nun wieder klar. Als die Partie etwas zu verflachen drohte, schlug der designierte Meister erneut eiskalt zu. Katharina Herber eroberte den Ball auf der linken Seite aggressiv, der Ball gelangte ins Zentrum bei Sterns Top-Torschützin Diana Steinmeyer, die mit der Kugel beherzt in den FSV-Strafraum eindrang. Ihr erster Flachschuss wurde von Ronja Kessel noch stark pariert, im Nachsetzen traf sie dann aber zum 4:1 (38.).

Kurz vor der Pause folgte die endgültige Entscheidung. Nach einer Ecke brachte Alina Lindemann den Ball erneut scharf von rechts in die Gefahrenzone. Amelie Großgebauer leitete weiter, Katharina Herber scheiterte zunächst noch an Kessel, doch Hanna Schmitz reagierte am schnellsten und staubte zum 5:1 ab (40.). Nach der furiosen ersten Schicht war Friedrichshagen damit gut bedient, Amelie Großgebauer hatte den Ball zwischendurch wuchtig ans Lattenkreuz gedonnert.

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Sterns Schaltzentrale war mit Jennifer Kandetzki vor allem in der ersten Hälfte hervorragend besetzt.

Nach dem Seitenwechsel verlor die Partie etwas an Tempo. Friedrichshagen verteidigte nun besser, entwickelte offensiv aber kaum Gefahr, Stern wiederum schaltete in den Verwaltungsmodus – sehr zum Missfallen von Trainer Roman Rießler. Erst in der 77. Minute setzte der Meister wieder einen offensiven Höhepunkt: Aldiana Ibrisevic kam über die linke Seite durch und legte präzise ins Zentrum. Die inzwischen offensiver postierte Lindemann vollendete direkt und sehenswert in die lange Ecke zum 6:1.

Dann war Schluss – und die Meisterschaft perfekt. Drei Spieltage vor Saisonende steht fest: Stern ist das Maß aller Dinge in der Berlin-Liga der Frauen. Nun wartet mit den Aufstiegsspielen gegen Chemnitz (Hinspiel 7. Juni auswärts, Rückspiel 14. Juni) die Chance auf den Sprung in die Regionalliga.

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Celina Bakowski läuft Emina Wacker ab, Torhüterin Ronja Kessel kommt zur Hilfe.

FSV-Co-Trainer Dustin Lefevre gratulierte Stern zum Titel und scherzte: „Die können gerne aufsteigen, dann müssen wir wenigstens nicht mehr gegen sie spielen.“ Und zum Spiel: „Man merkt, das sie öfter trainieren als wir. Und Standards können sie.“ Meister-Coach Roman Rießler wirkte nicht einmal sonderlich erleichtert: „Das ist schon eine Bestätigung unserer Arbeit und Berliner Meister wird man ja auch nicht jeden Tag. Aber zum einen glaube ich, dass das erst einmal sacken muss und zum anderen ist ja erst das Teilziel erreicht.“


Moabit hält lange dagegen

Der Moabiter FSV hat in der Berlin-Liga auch aufgrund großer Personalprobleme eine deutliche 0:7 (0:3)-Niederlage gegen Borussia Pankow hinnehmen müssen. Trainer Martin Meyer sprach dennoch von einer „sehr, sehr guten ersten Halbzeit“ seiner Mannschaft.

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Gar nicht so selten auf dem Vormarsch, wie es das Ergebnis vermuten ließe: Moabits Jule Klandt (hinten) und Annika Zoschke.

Moabit war personell erneut stark angeschlagen, trat teils mit Spielerinnen aus der Bezirksliga an und musste sogar die Torhüterposition nach der Pause umbauen. Dennoch hielten die Gastgeberinnen die Partie zunächst offen. Vor allem in den ersten 20 Minuten gelang es dem FSV immer wieder, nach Ballgewinnen gefährlich umzuschalten. Die größte Möglichkeit vergab Malou Linke, die frei vor dem Tor auftauchte, den Ball aber über das Gehäuse setzte.

Mit zunehmender Spielzeit übernahm Pankow jedoch immer stärker die Kontrolle. Die Gäste nutzten mehrere Druckphasen konsequent aus und führten zur Pause bereits 3:0. „Pankow macht das dann auch eiskalt“, sagte Meyer. Die Treffer bis dahin erzielten Marlene Schmitt (10.), Angelina Säwe (31.) und Sina Krüger (45.).

Auch nach dem Seitenwechsel blieb Borussia spielbestimmend, profitierte aber zusätzlich von einigen unglücklichen Szenen auf Moabiter Seite. Ein Gegentor fiel nach einer Flanke aus dem Toraus, später kamen ein aus Moabiter Sicht zweifelhafter Strafstoß sowie einfache individuelle Fehler hinzu. Meyer empfand das Resultat als etwas zu deutlich: „So ein 3:1 oder 4:1 wäre der Leistung und Moral eher angemessen gewesen.“

Bemerkenswert: Selbst als Pankow in der Schlussphase in Unterzahl agierte – die Ruß-Elf ist auf der Zielgeraden der Saison in arge Personalnot geraten –, trafen die Gäste munter weiter. Schmitt mit ihrem zweiten Tor (74.), Charlotte Lemke (75.), Anna Zick (84.) und Michelle Juras (85.) trugen sich in die Torschützinnenliste ein. Meyer erkannte die Qualität des Gegners dennoch ausdrücklich an: „Pankow ist heute so hoch gesprungen, wie sie mussten.“ Fotos: Moabiter FSV


Viktorias U20 meldet sich starkem Auftritt zurück

Die U20 von FC Viktoria 1889 Berlin U20 hat nach dem Dämpfer im Topspiel gegen SFC Stern 1900 die richtige Antwort geliefert. Gegen FC Inter Berlin gewann Viktoria das Duell zwischen Tabellen-Drittem und Tabellen-Fünftem klar mit 4:0 (1:0).

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Wieder einmal die prägende Figur bei Vikis U20: Lea Hahn.

Trainer Darien Hoffmann zeigte sich entsprechend zufrieden und sprach von einem „überragenden Auftritt“. Nach seiner Einschätzung hätte der Sieg sogar noch deutlich höher ausfallen können. Vor allem in der ersten Halbzeit vergab Viktoria mehrere Großchancen im Eins-gegen-eins gegen Inter-Torhüterin Lamis Tiehen, die Hoffmann ausdrücklich lobte: „Diese Torhüterin ist unfassbar gut. Ein klarer Fall für die Perlen-Elf der Woche.“

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Torhüterin Lamis Tiehen bewahrte den FC Inter vor Schlimmerem.

Das 1:0 leitete erneut die seit Wochen in bestechender Form aufdribbelnde Lea Hahn ein. Die offensive Außenverteidigerin setzte sich über links durch und legte in den Rückraum auf Emily Zill, die zur Führung traf (12.). Das 2:0 markierte sie selber. Der dritte Treffer fand ohne ihre Beteiligung statt: Anastasia Buryakin drehte sich nach Zuspiel an der Strafraumkante flink auf und versenkte die Kugel laut Hoffmann via „Strahl“ flach in die Ecke.

Der Schlusspunkt war wieder Hahn vorbehalten: In der 88. Minute zirkelte sie einen Freistoß aus halbrechter Position in die Torwartecke – Prädikat „Sehenswert“. „Es ist unglaublich“, sagte Hoffmann über seine Defensivspielerin, die inzwischen bei 18 Saisontoren steht. „Ich glaube, sie schielt auch ein bisschen auf die Torjägerkrone.“

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Auch Inters Cindy Hagen (am Ball) gelangen gegen die hungrige U20 kaum Akzente.

Viktoria blieb über die gesamte Spielzeit die klar bessere Mannschaft hatte auf die wechselnden taktischen Marschrouten des FC Inter stets die passende Antwort und ließ defensiv kaum etwas zu. So stand am Ende ein souveräner 4:0-Erfolg als gelungene Reaktion auf die Niederlage gegen Stern. Fotos: Jessika Ekinci


Bero knackt die 100-Tore-Marke

Mit einem 15:0 gegen den Tabellenletzten FFC Berlin 2004 hat Berolina Mitte seine starke Saison eindrucksvoll fortgesetzt. Der Tabellenzweite knackte damit ebenso wie Stern und die U20 von Viktoria die Marke von 100 Saisontoren.

Trainer Frank Krug zeigte sich vor allem mit der spielerischen Umsetzung zufrieden. Seine Mannschaft habe „eigentlich alles gezeigt, was wir trainiert haben“. Besonders gefielen ihm die vielen Rochaden, passende Laufwege und das konsequente Tief-klatsch-tief-Spiel. Auch auf die Umstellung des FFC auf eine Fünferkette nach der Pause reagierte Bero laut Krug stark und zog die Defensive immer wieder auseinander. Die Treffer markierten Finja Bruns, Arzum Eren, Maiken Ueberschär (je 3), Amelie Schlüter (2), Charlotte Wagner, Emma Lamprecht, Kim Nenninger und Irina Von Schorlemer.

Trotz des klaren Ergebnisses fand Krug ausdrücklich lobende Worte für den Tabellenletzten. Er zollte dem FFC „höchsten Respekt“, weil die Mannschaft trotz vieler deutlicher Niederlagen Woche für Woche antrete und weiterhin versuche, mutig Fußball zu spielen. Für die Zukunft in der Landesliga traue er dem Verein zu, in der Landesliga eine stabile Mannschaft etablieren.


Baldauf trifft dreimal bei Türkiyemspor-Show

Die U23 von Türkiyemspor Berlin hat beim 4:0 gegen SV Lichtenberg 47 eines ihrer stärksten Saisonspiele gezeigt. Vor allem Hanna Baldauf drückte der Partie mit einem Hattrick eindrucksvoll ihren Stempel auf.

Trainerin Sinem Solmaz zeigte sich entsprechend zufrieden. „Gestern gegen Lichtenberg lief endlich mal vieles so, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagte sie. Die eigenen Spielideen seien sichtbar geworden, viele Kombinationen und Laufwege hätten funktioniert – „und diesmal auch mit Torerfolg“.

Bereits in der ersten Halbzeit nutzte Türkiyemspor konsequent die rechte Seite für gefährliche Vorstöße. Erst setzte sich Nika von Brühl stark durch, später Mayumi Loredo Ahoki. Beide brachten gefährliche Flanken vors Tor, die Baldauf dank starker Laufwege zum 1:0 (5.) und 2:0 (45.) verwertete.

Nach der Pause verlagerte sich das Spiel zunehmend auf Baldaufs linke Seite. Beim 3:0 zeigte die Offensivspielerin laut Solmaz nicht nur gutes Zusammenspiel mit ihren Mitspielerinnen, sondern auch starkes eigenes Durchsetzungsvermögen (78.). Den Schlusspunkt setzte Karla Wiegmann per Kopf nach einer Ecke zum 4:0-Endstand (89.).

Türkiyemspor hätte sogar noch höher gewinnen können. Ein Elfmeter wurde vergeben, zudem verhinderte Lichtenbergs Schlussfrau Lara Risch mit mehreren starken Paraden weitere Gegentreffer. „Großes Lob auch an die Torhüterin von Lichtenberg“, sagte Solmaz. „Sonst hätte das Ergebnis auch noch deutlich höher ausfallen können.“

Für die Trainerin war es insgesamt eines der besten Saisonspiele ihrer Mannschaft. Besonders freute sie, dass auch Zuschauerinnen und Zuschauer die Qualität der Kombinationen hervorhoben. Bezüglich Hanna Baldauf sagte Solmaz: „Sie war komplett on fire.“