Im Rückspiel der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga gegen den Chemnitzer FC müssen sich die Fußballerinnen des SFC Stern 1900 vor allem auf ihre eigenen Stärken besinnen.
Da legen die Steglitzerinnen eine Bilderbuch-Rückrunde hin, werden überzeugend Stadtmeister, und dann fehlt ihnen im ersten Aufstiegsspiel urplötzlich der Zugriff auf den eigenen Instrumentenkasten – und auch der Mumm. Ab dem Zeitpunkt, als der Chemnitzer FC den Führungstreffer zum 2:1-Endstand erzielt (44.) und damit die Partie etwas überraschend gedreht hatte, war der Stecker gezogen. Die Gastgeberinnen verlegten sich in der Folge auf vereinzelte und nicht ungefährliche Konter aus dem geparkten Bus heraus und der Rießler-Elf fiel bei der Hatz auf den Ausgleich nichts Entscheidendes ein.

„Das ist dann eben zu wenig“, konstatierte Trainer Roman Rießler nach dem Spiel vor zwei Wochen. Er ärgerte sich, weil den beiden Gegentreffern haarsträubende Abwehrfehler vorausgegangen und die Trainingseinheiten aus der gesamten Saison überwiegend darauf ausgelegt waren, besagten Instrumentenkasten mit Mitteln gegen tiefstehende Abwehrblöcke zu füllen.

Was gleichermaßen Trainer wie Team zusätzlich schwer im Magen liegen muss: Erstmals seit langem, genauer gesagt seit dem Liga-Hinspiel gegen Berolina Mitte, wurde in einem großen Spiel nicht performt. In dieser Saison eigentlich eine neu hinzugewonnene und für die Meisterschaft entscheidende Qualität. Und vor dem Rückspiel an diesem Sonntag vor heimischer Kulisse (Anpfiff 16 Uhr) stellt sich nun die Frage: War das ein Rückfall in alte Zeiten oder trifft eher das zu, was Führungsspielerin und Innenverteidigerin Roxi Nowak am Rande der Trainingseinheiten der vergangenen Woche sagte: „Es sollte an diesem Tag einfach nicht sein“?

Wenn es nun im Rückspiel noch sein soll, dass Stern in die Regionalliga aufrückt und damit eine enorm wichtige Basis für die Pläne des Vereins legt, den Frauen- und Mädchenfußball nach vorne zu bringen, muss sich das Team auf seine Stärken besinnen. Es muss vor dem Kasten der Gegnerinnen diese gnadenlose Effektivität an den Tag legen, die während der Saison zu mehr als 130 Torerfolgen führte. Es muss die Handlungsschnelligkeit zeigen, die etwa in der Rückrunde beim Friedrichshagener SV zum Gewinn sämtlicher „zweiten Bälle“ und damit zu schnellen Buden und zur frühzeitigen Entscheidung führte.
Rießler: „Es braucht das Urvertrauen in unsere Fähigkeiten.“
Und es muss die für „Big Points“ unabdingbare Resilienz zeigen sowie wieder jenes „Urvertrauen in die eigene Fähigkeit haben, zu jeder Zeit einen Treffer erzielen zu können“, wie es Rießler formulierte. Beides bescherte Stern die wichtigen Siege gegen Viktorias U20 und Bero.

Was sich nach großen Anforderungen anhört, ist durchaus machbar. Viel spricht für den Berliner Meister. Der Gegner ist nicht übermächtig, Stern hätte ihn in der ersten halben Stunde so gut wie aus dem Rennen schießen können. Der Kader ist prall gefüllt, lediglich Katharina Herber wird wohl wegen ihres Zehs nicht dabei sein. Der Untergrund ist Kunstrasen und somit für den Chemnitzer FC so ungewohnt, wie der Naturrasen für die Steglitzerinnen im Hinspiel. Dazu ist das Terrain deutlich größer als das in Chemnitz – Advantage Stern. Und: Die Gelb-Blauen spielten in dieser Spielzeit ohnehin stets auf Sieg, so viel hat sich an der Ausgangslage also gar nicht verändert.

Coach Rießler macht beides. Er hebt mahnend den Zeigefinger, wenn er sagt: „Chemnitz hat das Spiel nicht umsonst gezogen, das wird auch zuhause eine schwere Aufgabe. Wer denkt, da geht etwas von alleine, ist schief gewickelt.“ Und er ermutigt: „Es sind die Spiele, für die man Fußball spielt, die Mädels sollen das genießen. Und ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen.“
Zu wünschen wäre es nicht nur dem SFC Stern 1900, der generell als Meister und im Speziellen als überragender Meister den Aufstieg verdient hätte. Sondern auch dem Berliner Frauenfußball, dem ein weiterer Regionalligist gut zu Gesicht stehen würde.

Den Druck kann den Sterner Frauen keiner nehmen, ihre Skills aber auch nicht. Es ist angerichtet, es wird spannend, ein großes Spiel wird um 16 Uhr auf dem Sterner angepfiffen.
Fotos: Ralf Seedorff, Titelbild: Sofie Roll

