Rückkehr in die Berlin-Liga: Concordia setzt auf Zusammenhalt und Erfahrung.
Zwei Jahre nach dem Abstieg kehrt der Wittenauer SC Concordia in die Berlin-Liga zurück. Der Aufstieg als Vizemeister der Landesliga kam dabei nicht völlig überraschend, wohl aber zu einem Zeitpunkt, an dem der Verein noch einige Herausforderungen zu bewältigen hat. Der Kader ist überschaubar, die Trainerfrage noch offen. Trotzdem blickt man in Wittenau mit Zuversicht auf die neue Saison. Denn die Mannschaft hat sich ihren Platz in Berlins höchster Spielklasse sportlich verdient.

Dabei ist die Berlin-Liga kein Neuland für Concordia. Bereits 2021 gelang der Aufstieg, ein Jahr später erreichte die Mannschaft als Aufsteiger einen starken achten Tabellenplatz im Oberhaus der Stadt – bis heute die beste Platzierung der Vereinsgeschichte. Nach dem Abstieg 2024 verzichtete Concordia als Landesliga-Meister sogar freiwillig auf die sofortige Rückkehr. Zweimal abdanken kommt nach den Statuten des Berliner Fußball-Verbandes nicht mehr in Frage, deshalb führte am Aufstieg kein Weg mehr vorbei.
Teamcheck
Sportlich betrachtet bringt Concordia vieles mit, was ein Aufsteiger benötigt. Die Mannschaft verfügt über eine eingespielte Achse, besitzt Erfahrung aus früheren Berlin-Liga-Jahren und hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen konkurrenzfähig sein kann. Jaqueline Behrends spielte eins sogar für Lübars in der Zweiten Liga und sammelte zusammen mit Tamara Schwabe beim SFC Stern 1900 reichlich Regionalliga-Erfahrung.



Die größte Stärke sehen mehrere Spielerinnen im Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Auf und neben dem Platz hält die Gruppe zusammen, spricht Probleme offen an und zieht in schwierigen Phasen gemeinsam an einem Strang. Genau diese Mentalität half Concordia in den vergangenen Jahren immer wieder durch personell schwierige Situationen.
Sportlich bildet die Defensive das Fundament. Mit Sophie Hildebrand und Lucienne Gosemann verfügt Concordia über ein eingespieltes Innenverteidiger-Duo, das von Mitspielerinnen mehrfach hervorgehoben wird. Offensiv ruhen viele Hoffnungen auf Michelle Michaelis, die nach ihrer Verletzung wieder eine wichtige Rolle einnehmen soll.

Gleichzeitig wissen alle Beteiligten, dass die Berlin-Liga neue Anforderungen mit sich bringt. Entscheidend wird sein, den Kader breiter aufzustellen und die vorhandene Qualität möglichst regelmäßig auf den Trainingsplatz zu bekommen. Weitere Verstärkungen würden die Ausgangslage deutlich verbessern. „Ansonsten wird das schwierig für uns“, sagt Behrends.


Dass Concordia grundsätzlich das Niveau für die Berlin-Liga mitbringt, zeigte auch die vergangene Pokalsaison. Gegen den späteren Finalisten FSV Hansa 07 hielt die Mannschaft lange mit und schied nur knapp aus. Für viele im Verein ein Hinweis darauf, dass der Abstand zur Berlin-Liga kleiner ist, als mancher vermuten würde. „Das war schon das Highlight und hat uns gezeigt, dass wir mithalten können“, sagt Mittelfeldspielerin Lara Hieber.
Perlentaucher
Harald Wenger gehört seit rund zehn Jahren zum Umfeld der Mannschaft. Bisher arbeitete er überwiegend im Hintergrund als Co-Trainer und organisatorischer Ansprechpartner. Nun übernimmt er zunächst die Verantwortung an der Seitenlinie.

Der langjährige Wegbegleiter sorgt damit nach dem Rücktritt von Rene Behrends nach der abgelaufenen Saison für Kontinuität in einer Phase des Umbruchs. Gleichzeitig macht der Verein kein Geheimnis daraus, dass die Trainerfrage perspektivisch noch nicht endgültig geklärt ist. Wenger selbst möchte dem Team jedoch unabhängig von seiner genauen Rolle erhalten bleiben und seine Erfahrung weiter einbringen.
Gerade diese Verlässlichkeit passt zur Identität der Mannschaft: Viele Dinge entstehen bei Concordia nicht durch große Strukturen, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, wenn sie gebraucht werden.


Rasenperlen-Einschätzung
Concordia geht als Aufsteiger in die Saison, bringt aber deutlich mehr Berlin-Liga-Erfahrung mit als viele andere Neulinge. Die Mannschaft kennt die Liga, verfügt über Qualität auf zentralen Positionen und lebt von ihrem außergewöhnlichen Zusammenhalt.
Die größte Herausforderung liegt weniger auf dem Platz als daneben: Der Kader könnte zusätzliche Breite vertragen, ebenso würden weitere regelmäßige Trainingsbeteiligung helfen, die Belastung über eine lange Saison aufzufangen. Genau darin könnte aber auch eine Chance liegen. Wer als Spielerin eine ambitionierte Mannschaft mit Berlin-Liga-Perspektive sucht oder als Trainer ein entwicklungsfähiges Umfeld übernehmen möchte, findet in Wittenau eine Mannschaft vor, die sportlich bereits bewiesen hat, dass sie in diese Liga gehört.
Fotos: Matthias Vogel
