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Rasenperlen-Teamcheck: SV Lichtenberg 47

Neue Rollen, gleicher Weg: Nach einer überraschend starken Saison löst Sascha Roschig Martin Biermann als Trainer ab. Bei Lichtenberg 47 spricht trotzdem wenig für einen Neustart.

Als Martin Biermann im vergangenen Sommer bei den Frauen von Lichtenberg 47 übernahm, war schwer einzuschätzen, wohin die Reise gehen würde. Der Kader hatte zuvor ordentlich Substanz verloren. Biermann ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken und formulierte ambitionierte Ziele.

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Sara Mammadov (Mitte) steht symtomatisch für den Lichtenberger Weg, auf junge Spielerinnen aus der eigenen Jugend zu setzen.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. 47 fand sich erstaunlich schnell, hielt sich weit weg von den unteren Regionen und ärgerte auch Mannschaften, die vor der Saison höher gehandelt worden waren. Aus einem Team mit einigen Fragezeichen wurde im Laufe der Monate eine ziemlich stabile Angelegenheit.

Jetzt tritt Biermann erst einmal einen Schritt zurück. Nach 18 Jahren ohne wirkliche Unterbrechung als Trainer gönnt er sich eine Pause, bleibt aber Mannschaftsverantwortlicher bei Li47. Einen Bruch bedeutet das für Lichtenberg ohnehin nicht. Sascha Roschig und Ricci Kaduk waren bereits als Co-Trainer mittendrin. Nun übernimmt Roschig den Chefposten, Kaduk bleibt an seiner Seite.

Kurz & knapp

Saisonziel: Gesichertes Mittelfeld
Trainer: Sascha Roschig
Co-Trainer: Ricci Kaduk
Abgang: Elisa Gronau (berufliche Gründe)
Zugänge: Sarah Marten (Friedrichshagener SV), Leni Walsleben und Felicia Duckstein (2. bzw. 3. Mannschaft)

Teamcheck

Diesmal muss 47 keinen größeren Umbruch auffangen. Die tragenden Kräfte bleiben, lediglich Elisa Gronau geht aus beruflichen Gründen. Statt sich von außen groß zu bedienen, schaut Lichtenberg nach innen. Leni Walsleben und Feli Duckstein werden aus den beiden unteren Teams hochgezogen. Vielleicht trampeln sie den Pfad aus, den Kira Babiy und Sara Mammadov in der vergangenen Spielzeit angelegt haben. Beide spielten mit gerade einmal 17 Jahren ihre erste Saison in der Berlin-Liga und haben sich dabei nach Einschätzung ihrer Trainer sehr gut entwickelt.

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Maria Sapiatz im jüngsten Spiel gegen Viktorias U20. 0:7 hieß es am Ende aus Sicht von Li47.

Sportlich wissen Roschig und Kaduk ziemlich genau, wo sie ansetzen wollen. Ihre Mannschaft kam in der vergangenen Saison oft genug in gute Abschlusspositionen, machte daraus aber zu wenig. Mehr Konsequenz vor dem Tor soll deshalb ein Schwerpunkt werden.

Das Ziel: Im Mittelfeld etablieren

Das Ziel bleibt trotzdem bewusst überschaubar: Lichtenberg will sich im gesicherten Mittelfeld etablieren. An der Spitze erwarten die Trainer dagegen noch mehr Gedränge. Mit Hertha BSC II komme ein weiterer Kandidat hinzu. Aus dem bisherigen Fünfkampf zwischen Stern, Bero, Viktorias U23, Pankow und Inter könne so ein Sechskampf werden.

Perlentaucher

Für Sascha Roschig ist der Cheftrainerposten neu, die Mannschaft nicht. Gemeinsam mit Ricci Kaduk arbeitete er bereits unter Martin Biermann mit ihr. Beide kennen also die Spielerinnen und das, was im vergangenen Jahr entstanden ist.

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Sascha Roschig rückt vom Co- zum Cheftrainer auf. Foto: SV Lichtenberg 47

Roschig kam auf einem kleinen Umweg zum Fußball. Als Jugendlicher spielte er zunächst Handball, später wurde er Fußballer und Spielertrainer. Kaduk war dagegen schon mit zehn Jahren am Ball und spielte mehr als 19 Jahre in Berlin und Brandenburg.

Im Frauenfußball landeten beide schließlich durch Biermann. Als der sie fragte, ob sie Teil seines Trainerteams werden wollten, mussten sie nicht lange überlegen. Nun treten sie in seine Fußstapfen – mit eigenen Vorstellungen.

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Sascha Roschig und Co-Trainer Ricci Kaduk (r.). Foto: SV Lichtenberg 47

Teamgeist. Mut. Entwicklung – So bringen Roschig und Kaduk ihre Philosophie auf drei Begriffe. 47 soll nicht abwarten, sondern intensiv spielen, Verantwortung übernehmen und unabhängig vom Gegner versuchen, den eigenen Fußball durchzubringen.

Im Umgang mit den Spielerinnen setzen beide auf Ehrlichkeit, Respekt und offene Kommunikation. Sie wollen zuhören, aber ebenso fordern. Jede Spielerin soll wissen, was von ihr erwartet wird und welche Rolle sie innerhalb der Mannschaft hat.

Im Blick
Karolin Urbanski & Lara Risch

Zwei Spielerinnen aus der Stammelf hält das Trainerduo für wichtige Säulen des Lichtenberger Spiels. Karolin Urbanski dürfte vor allem wegen ihrer Vielseitigkeit wieder sehr wertvoll werden. Zentrales Mittelfeld oder Defensive – sie kann unterschiedliche Aufgaben übernehmen und habe sich dabei als verlässliche Größe erwiesen.

Lara Risch (Bild) bringt eine andere Qualität mit. Roschig und Kaduk beschreiben sie als Mentalitätsspielerin, die ihre Mitspielerinnen antreibt. Gleichzeitig hat sie zwischen den Pfosten gezeigt, wie wichtig sie sportlich sein kann. Mit ihren Paraden rettete sie 47 mehrfach Punkte.

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Rasenperlen-Einordnung

Vor einem Jahr musste Lichtenberg erst herausfinden, was nach dem großen personellen Umbruch möglich ist. Diesmal kennt die Mannschaft ihren eigenen Wert. Interessant wird deshalb, ob 47 die Lücke zu den Spitzenteams verkleinern kann. Dafür muss vor allem aus guten Angriffen häufiger Zählbares entstehen. Gelingt das, könnte das gesicherte Mittelfeld irgendwann zu tief gegriffen sein.


Fotos: Matthias Vogel/Titelbild: SV Lichtenberg 47