Spiel der Woche: Der Meister empfängt Viktorias U23 – zum Auftakt wartet in Steglitz ein Bezirksderby und die Neuauflage zweier packender Duelle aus der vergangenen Saison.
Viel besser kann eine neue Saison eigentlich nicht anfangen. Zumindest nicht für alle, die es diejenigen, die es mit der Berlin-Liga halten. Stern 1900 gegen Viktoria 1889, Steglitz gegen Lichterfelde, Meister gegen einen Gegner, mit dem sich die Sternerinnen schon in der vergangenen Saison zwei ausgesprochen enge Duelle geliefert haben.

Nur mit dem Ausschlafen wird es schwierig. Bereits um 9 Uhr rollt am Sonntag an der Kreuznacher Straße der Ball. Und auch wenn nach einem Spiel noch niemand weiß, wohin die Reise geht: Einen ersten Fingerzeig dürfte dieses Bezirksderby durchaus liefern.
Das Hinspiel in der vergangenen Saison hätte auch an Himmelblau gehen können
Wie eng es zwischen beiden Mannschaften werden kann, zeigte schon das Hinspiel der vergangenen Saison. Stern gewann 1:0, Alina Lindemann köpfte nach einer Standardsituation das Tor des Tages. Roman Rießler erinnert sich aber mindestens genauso gut an eine Szene auf der anderen Seite. Viktoria hatte eine riesige Doppelchance, Torhüterin Antonia Haertel hielt Stern im Spiel. Der Sieg sei am Ende nicht unverdient gewesen, sagt Rießler. Andersherum hätte die Partie aber genauso gut ausgehen können.

Das Rückspiel hatte noch mehr Brisanz. Viktoria brauchte einen Sieg, um noch einmal ins Meisterschaftsrennen einzugreifen. Wieder war es eng. Und dann reichte Stern im Grunde ein Umschaltmoment: Diana Steinmeyer traf nach einem Konter. Sophie Roll machte später mit dem 2:0 alles klar.
Darien Hoffmann will die Torflaute gegen Stern beendet haben
Auch Darien Hoffmann erinnert sich ziemlich genau daran. Viktorias Trainer weiß, was am Sonntag auf seine Mannschaft zukommt. Stern sei erfahren und kompakt, habe in der vergangenen Saison zu Hause nichts liegen gelassen und ohnehin kaum Gegentore kassiert. Das soll seine Mannschaft aber nicht davon abhalten, selbst den Ton anzugeben. Man kenne Stern, kenne auch die Stellen, an denen der Meister verwundbar sei. Dort will Viktoria ansetzen.

Und dann wäre da noch eine ziemlich naheliegende Aufgabe. „Am Ende müssen wir gegen Stern halt endlich mal das Tor treffen“, sagt Hoffmann. Leichter gesagt als getan – zumal Viktoria einige Lücken schließen muss. Torhüterin Lena Orywall, Nora Krehnke und Emily Zill haben Berlin wegen ihres Studiums und damit auch die Himmelblauen verlassen. Besonders bitter ist der Ausfall von Kuni Steinbock. Wegen eines Knorpelschadens ist derzeit völlig offen, wann sie zurückkehren kann. Aktuell befindet sie sich in ihrer kanadischen Heimat.
Und dann ist da noch Deborah Chmieleski. Die Torschützenkönigin der vergangenen Berlin-Liga-Saison (27 Treffer) wird Viktoria in Richtung Argentinien verlassen. Am Sonntag soll sie allerdings noch einmal dabei sein.

Das alles aufzufangen sei alles andere als einfach, sagt Hoffmann. Neue Spielerinnen sind zwar da, endgültig sortiert ist der Kader aber noch nicht. Auch die Vorbereitung lieferte kein klares Bild. Grundsätzlich ist Hoffmann zufrieden, die Testspiele beschreibt er jedoch als durchwachsen: mal gut, mal weniger gut.
Bei Stern sieht es nicht völlig anders aus. Auch Rießler rätselt noch ein wenig, wo seine Mannschaft nach der Vorbereitung tatsächlich steht. Dazu gibt es personelle Fragezeichen. Ausgerechnet Sofie Roll, die eine überragende Vorbereitung gespielt hat, laboriert an einer Verletzung. Rießler ist allerdings zuversichtlich, dass sie es bis Sonntag schafft.

Auch hinter weiteren Spielerinnen steht noch ein Fragezeichen. Emina Wacker etwa war zuletzt – und damit etwas „zur Unzeit“ wie ihr Coach es nennt – im Urlaub und hat dadurch etwas Trainingsrückstand. Rießler hofft trotzdem, dass am Sonntag alle zur Verfügung stehen. Bis dahin ist vor allem die medizinische Abteilung gefragt.
Mit den Testspielen ist Rießler durchaus zufrieden. Kein Wunder, schließlich ging keines der vier Testspiele gegen Regionalligisten verloren, dazu hielt man bei der Generalprobe am vergangenen Wochenende Ligakonkurrenten Borussia Pankow mit 3:0 in Schach. „Es gab auch Anlass zur Kritik, aber ich denke, das gehört zur Kategorie ,Jammern auf hohem Niveau'“, sagte er in Anspielung auf die erste Halbzeit gegen Pankow, als sein Team ab und an in die alte Muster verfiel, die er schon für ausgetrieben hielt.

Richtig happy ist der Sterner Coach mit den beiden Transfers von Inter. Lena Hegnal und Cindy Hagen hätten sich gut integriert und eine starke Vorbereitung hingelegt. Man darf also gespannt sein, wie sich die beiden ehemaligen Leistungsträgerinnen des Ligakonkurrenten beim Berliner Meister entwickeln.

Was das alles für den Sonntag bedeutet? Schwer zu sagen. Und genau das macht diesen Auftakt interessant. Hoffmann hält die drei Punkte für wichtig, will daraus aber keine „Big Points“ machen. Dafür lägen nach dem ersten Spieltag noch viel zu viele Wochen und Spiele vor beiden Mannschaften.

Also keine Vorentscheidung, kein Fingerzeig für die Meisterschaft. Aber ein Bezirksderby zwischen zwei Mannschaften, die sich schon im vergangenen Jahr im Kampf um die Tabellenspitze nichts geschenkt haben. Für einen ersten Eindruck davon, was Stern und Viktoria in dieser Saison zuzutrauen ist, dürfte das reichen.
Fotos: Matthias Vogel
SFC Stern 1900 – FC Viktoria 1889 Berlin U23
Sonntag, 30. August 2026, 9 Uhr
Kreuznacher Straße 29, Berlin-Steglitz
