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Berlin-Liga kompakt: Hertha II erklimmt Spitze

Draesel-Elf verbessert Torquote: Kantersieg +++ Stern und Bero siegen – und sind unzufrieden +++ Friedrichshagen verschont Neukölln +++ Hansa holt Dreier in Pankow +++ Erster Nichtantritt der Saison.

Stern gewinnt hoch – und Rießler ärgert sich trotzdem

Ein 6:1 (3:0), drei Punkte und trotzdem ein ziemlich unzufriedener Trainer: Beim SFC Stern 1900 passten gegen den FC Internationale Ergebnis und Auftritt nur bedingt zusammen.

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Lena Hegnal erzielte ihre Saisontreffer 6 und 7.

Das zeigte sich schon in der Anfangsphase. Stern wirkte nicht richtig wach, Roman Rießler forderte lautstark mehr Kontrolle. Die erste Gelegenheit hatte sogar Inter, nachdem Roxi Nowak der Ball im Aufbau von Isabell Höntze abgenommen worden war. Toni Härtel hatte mit ihrem Abschluss von der Strafraumkante aber keine Mühe.

Nach zehn Minuten meldete sich Stern erstmals offensiv. Lena Hegnal zog von links nach innen und kam halblinks zum Abschluss, traf den Ball aber zu zentral. Sechs Minuten später machte es der Berliner Meister besser. Hegnal bekam den Ball zentral am Strafraum, nahm ein, zwei Kontakte und schickte Maggie Lorenz diagonal in die Tiefe. Die schob zum 1:0 ein.

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Sofie Roll im Zweikampf mit Inters Julie Ram (r.).

Inter blieb bei Ballverlusten der Gastgeberinnen gefährlich und verpasste nach einem Konter das 1:1 – Janine Adrian hatte den Schuss aus 18 Metern halbrechter Position zu hoch angesetzt. Praktisch im Gegenzug schlug Stern wieder zu. Nach einer Ecke fiel der Ball Hegnal vor die Füße. Sterns Neuzugang wuchtete den Ball zum 2:0 ins linke obere Eck. Ein Abschluss, der zu ihrer derzeitigen Form passt.

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Solide Partie gegen ihren Ex-Club: Sterns Innenverteidigerin Cindy Hagen.

Noch vor der Pause erhöhte Elena Gabler. Nach einem langen Ball und Cindy Hagens Kopfball zurück in die Gefahrenzone landete der Ball schließlich bei Gabler. Inters Torhüterin Lamis Tihen stand weit vor ihrem Tor, Gabler erkannte die Situation sofort und hob den Ball zum 3:0 hinein.

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Sterns Coaches Roman Rießler (v. li.), Marc Hausen und Sina Gierig waren nur mit dem Ergebnis zufrieden. Mit dem Spiel ihrer Schützlinge nicht.

Das 4:0 nach 58 Minuten war dann richtig sauber herausgespielt. Jenny Kandetzki verlagerte aus dem Zentrum nach rechts auf Diana Steinmeyer, deren Ball scharf vor das Tor kam. Tihen erreichte ihn nicht mehr, dahinter musste Hegnal nur noch einschieben.

Trotzdem blieb es ein zerfahrenes Berlin-Liga-Spiel mit erstaunlich vielen einfachen Ballverlusten. Inter kam in der 73. Minute durch einen von Aliya Türker verwandelten Elfmeter zum 1:4 und bejubelte kurz darauf sogar den nächsten Treffer durch Lena Ghebreselasie, der wegen Abseits aber nicht zählte. Stern antwortete in der 80. Minute. Hegnal setzte sich links durch, brachte den Ball nach innen und Lorenz hielt zum 5:1 den Fuß hin. In der Nachspielzeit setzte Steinmeyer mit dem 6:1 den Schlusspunkt.

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Lena Ghebraselasies (am Ball) Treffer für Inter wurde wegen Abseitsstellung nicht gegeben.

Wer nur das Ergebnis sieht, könnte einen rundum gelungenen Nachmittag vermuten. Rießler sah das komplett anders. Zu viele unnötige Ballverluste, falsche Entscheidungen, Bälle prallen gelassen, obwohl Raum zum Aufdrehen da war – vieles von dem, was seine Mannschaft unter der Woche trainiert hatte, erkannte er nicht wieder. Sein Urteil fiel entsprechend deutlich aus: Das sei nicht der Anspruch seiner Mannschaft.

Es gibt unangenehmere Probleme: Stern gewinnt 6:1 und hat trotzdem reichlich Gesprächsstoff für die Trainingswoche. Fotos: Matthias Vogel


Friedrichshagen lässt Neukölln noch gut davonkommen

3:1 (2:1) gewonnen – und trotzdem war für Roman Kassarnig ziemlich klar, worüber anschließend gesprochen werden musste. Nicht über die drei Punkte des Friedrichshagener SV gegen Grün-Weiß Neukölln, sondern über die vielen Tore, die seine Mannschaft nicht gemacht hatte.

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Ungefährdeter Sieg: Friedrichshagen darf jubeln.

Friedrichshagen bestimmte die Partie fast durchgehend und erspielte sich schon vor der Pause eine ganze Reihe guter Möglichkeiten. Nach 25 Minuten schlug sich die Überlegenheit endlich im Ergebnis nieder. Über Ronja Lange und Josefine Prahl lief die Kombination über die linke Seite, Sandra Weihmann brachte den Ball nach innen und Sarah Weihmann schob zum 1:0 ein.

Kurz darauf folgte das 2:0 nach einem ähnlich schön ausgespielten Angriff, diesmal über rechts. Über Celina Bakowski und Letizia Gattner kam Friedrichshagen in die Tiefe, Sarah Weihmann legte vor und Sandra Weihmann vollendete – Sister Act, Teil 2.

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FSV-Stürmerin Sarah Weihmann beim Torabschluss.

Eigentlich schien die Partie früh in die erwartete Richtung zu laufen. Neukölln kam in der 37. Minute trotzdem zurück. Nach einem hohen Ball in den Fünfmeterraum hatte Friedrichshagens Torhüterin Ronja Kessel den Ball nach Darstellung der Gastgeberinnen bereits in den Händen, ehe es zum Kontakt mit einer Neuköllner Spielerin kam. Der Ball löste sich wieder und trudelte über die Linie. Der Treffer zum 1:2 wurde gegeben, Torschützin war Alina Schrama.

Das trübte Kassarnigs Laune, an den Kräfteverhältnissen änderte das aber wenig. Friedrichshagen blieb klar überlegen, ließ aber weiter beste Möglichkeiten liegen. Auch ein Treffer wurde wegen Abseits aberkannt – eine Entscheidung, die beim FSV für einiges Kopfschütteln sorgte.

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Erst in der 71. Minute fiel das 3:1. Alina Lindemann spielte Sandra Weihmann tief frei, die sich zunächst gegen ihre Gegenspielerin durchsetzte und anschließend auch das Duell mit der Torhüterin für sich entschied.

Dass es dabei blieb, lag auch an Neuköllns Keeperin, die mehrfach stark parierte. Kassarnigs Fazit fiel deshalb ungewöhnlich für einen 3:1-Sieg aus: Über 90 Minuten habe seine Mannschaft das Spiel klar beherrscht, das Ergebnis sei für Neukölln ausgesprochen schmeichelhaft. Viel zu kritisieren hatte er trotzdem nicht. Bis auf einen Punkt: die Chancenverwertung. Fotos: Friedrichshagener SV


Hertha II braucht 40 Minuten – dann wird es deutlich

40 Minuten lang machte der Moabiter FSV vieles richtig. Am Ende stand trotzdem ein 0:8 (0:2) gegen Hertha BSC II auf dem Blatt. Moabit verteidigte zunächst diszipliniert und kompakt und hielt den Favoriten lange vom eigenen Tor fern. Trainer Vishal Khanna sah seine Mannschaft in dieser Phase gut im Spiel. Hertha hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz und spielte fast ausschließlich in der gegnerischen Hälfte, fand zunächst aber kaum den entscheidenden Weg durch die Moabiter Defensive.

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40 Minuten hielten Jana Heyde (l.) und der Rest des Moabiter FSV gut mit, danach brachen gegen Hertha II alle Dämme.

Das änderte sich unmittelbar vor der Pause. Amelie König brachte das Team von Trainer Bengt Draesel in der 42. Minute in Führung, Lizete Dumina legte in der 45. Minute das 2:0 nach. Zwei späte Gegentreffer, die Moabits bis dahin ordentliche Arbeit innerhalb weniger Minuten ziemlich entwerteten.

Nach der Pause wurde der Unterschied dann deutlich. Aliki Röttgen erhöhte in der 65. Minute auf 3:0, anschließend traf Isabella Trincia dreimal, dazu war Mara Bähr zweimal erfolgreich. Besonders Trincia prägte das Hertha-Spiel nicht nur mit ihren Toren. Sie arbeitete viel für die Mannschaft, bereitete vor und sorgte mit ihren Tiefenläufen immer wieder für Probleme.

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Herthas Anouk Westphal (20) hat Annika Zoschke vor sich.

Moabit konnte dem mit zunehmender Spieldauer immer weniger entgegensetzen. Dazu kam eine sehr dünn besetzte Bank. Einige Spielerinnen mussten trotz Blessuren weitermachen, weil schlicht die Alternativen fehlten.

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Das 0:8 klingt deshalb nach einer Partie ohne jeden Lichtblick. Ganz so einfach war es nicht. Moabit zeigte gerade in den ersten 40 Minuten, dass die Mannschaft auch gegen eines der stärksten Teams der Liga kompakt verteidigen kann. Hertha wiederum brauchte Geduld – und lieferte nach dem 4:0 zum Auftakt gegen Askania Köpenick diesmal den reiferen Auftritt. Macht unterm Strich die Tabellenführung für den Aufsteiger. Fotos: Moabiter FSV


Berolina knackt Lichtenbergs tiefen Block

Berolina Mitte hat auch das zweite Saisonspiel gewonnen. Beim 2:0 (2:0) gegen Lichtenberg 47 war der Vizemeister über 90 Minuten die bessere Mannschaft – leicht machte es ihm der Gegner allerdings nicht.

Lichtenberg zog sich weit zurück, machte die Räume eng und überließ Berolina weitgehend den Ball. Genau darin lag die Aufgabe für die Gastgeberinnen: Wie findet man gegen einen tiefen und gut organisierten Block überhaupt Platz?

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Abrackern …

Die erste Antwort gab es schon in der achten Minute – und die war sehenswert. Innenverteidigerin Kim Nenninger spielte einen langen Diagonalball über die Lichtenberger Kette. Emma Lamprecht nahm ihn sauber mit und schloss zum 1:0 ab.

Nenninger, ohnehin eine der auffälligsten Spielerinnen auf dem Platz, erledigte den zweiten Treffer anschließend selbst. In der 35. Minute nahm sie aus der Distanz Maß und jagte den Ball zum 2:0 in den Winkel.

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… jubeln …

Eigentlich war die Partie damit auf Kurs. Nur erledigt war sie eben noch nicht. Berolina spielte zwar auch nach der Pause gefällig und kam immer wieder ins letzte Drittel. Dort fehlte aber die letzte Konsequenz. Emma Lamprecht, Silvia Engels und die eingewechselte Charlotte Wagner hatten Möglichkeiten, den Deckel endgültig draufzumachen. Keine nutzte sie.

Genau das störte Trainer Frank Krug. Ein 2:0 sei eben ein Ergebnis, bei dem ein einziger Treffer des Gegners reichen könne, damit eine eigentlich kontrollierte Partie plötzlich wieder hektisch werde. Auch beim Bespielen der beiden Busse vor dem Lichtenberger Strafraum hätte er sich von seiner Mannschaft noch mehr Lösungen gewünscht.

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… Manöverkritik anhören. Bero-Trainer Frank Krug (Mitte) war nur bedingt zufrieden.

Lichtenberg hielt die Partie dadurch bis zum Ende offen, wirklich in Gefahr geriet Berolinas Sieg allerdings nicht. Sechs Punkte aus zwei Spielen stehen damit auf dem Konto des Vizemeisters. Und trotzdem gibt es noch genügend Dinge, die Krug nicht gefallen haben. Fotos: Berolina Mitte


Concordia tritt nicht an

Eigentlich wollte Viktora Berlin II nach der 1:5-Auftaktniederlage bei Stern 1900 gegen den Aufsteiger Concordia Wittenauer SC zurück in den Spielrhythmus finden. Dazu kam es nicht. Die Gäste traten nicht an.

Viktoria-Trainer Darian Hoffmann wusste nach eigener Aussage nicht, warum. Dass ihn von Wittenauer Seite niemand persönlich über das Fernbleiben informiert hatte, gefiel ihm merklich wenig.

Für Viktoria ist der Ausfall mehr als nur ein spielfreies Wochenende. Gerade nach der deutlichen Niederlage zum Auftakt wäre die Partie eine Gelegenheit gewesen, Abläufe zu festigen, Sicherheit zu bekommen und vor dem nächsten Ligaspiel wieder 90 Minuten unter Wettkampfbedingungen zu haben. Stattdessen geht es nun ohne diese Spielpraxis zum FC Internationale.

Sollte die Partie wie üblich mit 2:0 für Viktoria gewertet werden, zeigt sich zudem eine Eigenheit des Regelwerks, die im Saisonverlauf noch interessant werden könnte. Bei den teilweise deutlichen Leistungsunterschieden in der Berlin-Liga kann ein Nichtantritt für die Mannschaft, die kampflos gewinnt, sogar einen Nachteil bedeuten. Wo ein ausgetragenes Spiel vielleicht 5:0, 6:0 oder noch höher endet, bleiben beim Nichtantritt lediglich zwei Tore fürs Torverhältnis.

Ob das am Saisonende irgendeine Rolle spielt, ist völlig offen. Sollte es bei Meisterschaft oder Platzierungen aber einmal eng werden, könnte genau so etwas plötzlich ziemlich ärgerlich werden.


Hansa bringt drei Punkte aus Pankow mit

Das 3:2 (3:1) bei Borussia Pankow war dabei natürlich längst nicht so eindeutig wie das 8:0 zum Auftakt gegen Moabit. Und gerade deshalb sagt dieser Sieg vielleicht etwas mehr darüber aus, was mit Hansa in dieser Saison möglich sein könnte.

Die Gäste erwischten einen perfekten Start. Nach einer Unstimmigkeit in Pankows Defensive brachte Alina Janowitz den Ball quer, Franziska Klausch wollte klären und beförderte ihn bereits in der zweiten Minute ins eigene Tor.

Pankow reagierte gut. Angelina Säwe schickte Lena Pflanz in die Tiefe, die in der zehnten Minute zum 1:1 vollendete. Überhaupt sah Pankows Trainerin Josi Ruß ihre Mannschaft optisch eher im Vorteil. Das Problem: Hansa brauchte nicht viel Ballbesitz, um gefährlich zu werden. Gerade Janowitz sorgte mit ihrem Tempo immer wieder für Alarm. Ruß reagierte und stellte Anna Zick gegen sie ab.

In der 25. Minute ging Hansa trotzdem erneut in Führung. Nach einer unübersichtlichen Situation entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter, Lea Berndorf verwandelte sicher. Pankow hatte anschließend die große Chance zum 2:2, doch Säwe scheiterte frei vor dem Tor.

Und dann kam der Treffer, der Pankow richtig wehtat. Kurz vor der Pause bekam die Borussia den Ball im eigenen Strafraum nicht weg. Er fiel Berndorf vor die Füße, die ihn zum 3:1 in den Winkel jagte.

Pankow gab sich nicht geschlagen. Katharina Wenk spielte sich in der 58. Minute per Doppelpass in den Strafraum und verkürzte auf 2:3. Später hatte sie sogar den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber an der Gäste-Torhüterin. Hansa setzte nun verstärkt auf lange Bälle und sein Tempo vorne. Einfach zu verteidigen sei das nicht, meinte Ruß.

Ein 3:3 hätte die Pankower Trainerin angesichts der zweiten Hälfte für verdient gehalten. So sprach sie von einem Fehlstart. Nach dem 0:0 bei Lichtenberg steht Pankow erst bei einem Punkt. Ruß muss nun abwägen, wohin die Reise gehen soll: weiter nach oben schielen oder die Saison stärker dafür nutzen, die vielen jungen Spielerinnen an den Frauenfußball heranzuführen.

Immerhin: Pankows beide Treffer stürzten Hansa von der Tabellenspitze. Ein Umstand, den man in Kreuzberg sicher verschmerzen kann.