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Erst nervös, dann souverän: Union findet zurück in die Spur

Im Rasenperlen-Spiel der Woche feiert Union II bei Türkiyemspor den ersten Saisonsieg. Am Ende heißt es 0:3, die Gastgeberinnen bleiben auf dem letzten Platz der Regionalliga Nordost.

Die Erleichterung war Anja Matthes nach dem Abpfiff anzumerken. Weniger wegen des 3:0 (1:0) bei Türkiyemspor Berlin, das angesichts der Chancen sogar höher hätte ausfallen müssen. Wichtiger war der Trainerin des 1. FC Union Berlin II, dass ihre junge Mannschaft nach zwei Niederlagen wieder spürte, was sie kann.

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Auffällige Protagonistinnen unter sich: Rosa Kullick (l.) versucht, Unions Therese Goldmann zu stoppen.

Denn das 2:3 in Erfurt und vor allem das anschließende 0:6 gegen Magdeburg hatten Spuren hinterlassen. Viele Gegentore seien viel zu einfach gefallen, sechs Tore besser habe sie Magdeburg keineswegs gesehen, sagte Matthes. Diese Verunsicherung war Union zunächst auch bei Türkiyemspor anzumerken.

Türkiyemspors Co-Trainer Cem Karaçali: Angriffe nicht sauber ausgespielt

Die Gastgeberinnen hielten dagegen, gingen beherzt in die Zweikämpfe und setzten nach Ballgewinnen zu Gegenstößen an. Doch meist war Schluss, bevor es wirklich gefährlich wurde. „Wir hatten nach Umschaltmomenten und auch nach einigen unsauberen Rückpässen von Union Situationen, in denen wir kurz davor waren, entscheidend durchzukommen, den letzten Moment aber nicht sauber genug ausgespielt haben“, sagte Türkiyemspors Co-Trainer Cem Karaçali.

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Trainerin Sinem Solmaz und ihrem Team – vorne Co Cem Karaçali – steht eine Menge Arbeit bevor.

Dass noch vieles Stückwerk bleibt, überrascht kaum. Nach der Abwanderungswelle im vergangenen Winter und weiteren einschneidenden Veränderungen im Sommer befindet sich Türkiyemspor in einem großen Umbruch. Die Mannschaft ist neuen formiert, muss sich an ein neues Trainerteam und neue Abläufe gewöhnen. Einsatz und Bereitschaft sind da, nach vorne fehlt bislang aber noch die Durchschlagskraft.

Union dagegen fand zunehmend Sicherheit. Einen großen Anteil daran hatte die zunächst gemeinsam mit Therese Goldmann in der Innenverteidigung spielende Vivien Stibal. Sie verteidigte abgeklärt, war ballsicher, verlagerte schnell und setzte immer wieder Impulse nach vorne.

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Josi Schwarz hatte beim Stande von 0:2 die große Chance auf den Anschlusstreffer.

Nach 18 Minuten fiel die Führung. Goldmann löste sich stark aus einem Zweikampf und bediente Lea Nkili auf der linken Seite. Die zog in den Strafraum, wurde gefoult und verwandelte den Elfmeter selbst zum 1:0.

Union lässt mehrere Top-Chancen liegen

Danach spielte fast nur noch Union. Marike Laidler köpfte nach tollem Spielzug und Maßflanke von Louisa Kähler knapp vorbei, Megan Reichenbach kam am zweiten Pfosten zum Abschluss und Aseko Nkili tauchte immer wieder gefährlich vor dem Tor auf. Dass es zur Pause beim 1:0 blieb, lag auch an Kevser Gündoğdu. Türkiyemspors Torhüterin hielt ihre Mannschaft mit mehreren starken Paraden im Spiel. Auch nach der Pause war Gündoğdu zunächst zweimal bravourös zur Stelle, ehe Aseko Nkili im dritten Anlauf den Ball zum 2:0 ins Netz jagte (53.).

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Türkiyemspors Schlussfrau Kevser Gündogdu verhindert nicht nur gegen Michaela Ahlberger Schlimmeres.

Dann bot sich Türkiyemspor plötzlich die große Gelegenheit zum Anschluss. Nach einem Missverständnis in der Union-Defensive ging Josi Schwarz dazwischen, die Torhüterin war bereits geschlagen. Stibal eilte zurück und bügelte den Fauxpas wieder aus.

Zehn Minuten später war die Partie entschieden. Goldmann war inzwischen aus der Innenverteidigung eine Reihe nach vorne gerückt. Greta Muysers brachte den Ball von außen ins Zentrum, eine Mitspielerin ließ durch und Goldmann schob ihn zum 3:0 ins lange Eck (63.). Union hätte erneut noch erhöhen können. In der Schlussphase schlug Stibal einen starken Diagonalball auf die eingewechselte Michaela Ahlberg. Die schob den Ball direkt an Gündoğdu vorbei in Richtung Tor, doch eine zurückgeeilte Türkiyemspor-Verteidigerin klärte noch zur Ecke.

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Innenverteidigerin Vivien Stibal gibt sich auch ein Stockwerk höher souverän.

Für Matthes war die vergebene Chance auf einen höheren Sieg zweitrangig. Entscheidend war, dass ihre junge Mannschaft nach zwei schwierigen Spielen wieder Vertrauen fasste. Aus dem nervösen Beginn war ein souveräner Auftritt geworden.

Das ändert nichts daran, dass Union nun nachlegen muss. Will die Mannschaft um einen der vier Startplätze mitspielen, die der Regionalliga Nordost für die kommende 3. Liga zur Verfügung stehen, braucht es regelmäßig Punkte. Matthes ist ob des Potentials ihres jungen Teams zuversichtlich.

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Enorme Wucht: Unions Doppeltorschützin Lea Nkili.

Auch Karaçali sieht seine Mannschaft auf einem Weg, der Zeit braucht. „Wir machen Schritt für Schritt Fortschritte, auch wenn sich diese aktuell noch nicht im Ertrag widerspiegeln.“ Gegen Union waren diese Ansätze zu sehen. Ebenso deutlich wurde aber, wie viel Arbeit nach dem großen Umbruch noch vor Türkiyemspor liegt.


Fotos: Matthias Vogel