Zwei starke Starts – und eine offene Frage: Haben sich die Kräfteverhältnisse zwischen Hansa 07 und Berolina Mitte tatsächlich verschoben? Am Samstag treffen zwei Teams aufeinander, die sich gut verstehen. Für 90 Minuten dürfte davon wenig zu spüren sein.
Noch vor wenigen Monaten waren die Rollen eindeutig verteilt. Im Pokalfinale gewann Berolina Mitte mit 4:1 gegen Hansa 07 und beherrschte die Partie über weite Strecken. Wenn sich beide Mannschaften am Samstag auf dem Kunstrasen an der Wrangelstraße wiedersehen, dürfte die Ausgangslage eine andere sein.

Hansa hat im Sommer nicht nur den Kader verbreitert, sondern echte Qualität dazugewonnen. Das zeigt sich bereits in den Ergebnissen. Zwei Spiele, zwei Siege – darunter das 3:2 bei Borussia Pankow. Ein Erfolg, der in der vergangenen Saison noch eine Überraschung gewesen wäre.
Vor allem zwei Neuzugänge haben sofort Wirkung gezeigt. Marta Zander Zeidam bringt nach ihrer Zeit bei Viktoria Berlin Qualität und Ruhe in die Innenverteidigung, Alina Janowitz – Ex-Torjägerin des Landesligisten SV Empor – hat Hansas Offensive eine zusätzliche Dimension gegeben. Davon profitieren sicher auch Spielerinnen wie Lea Berndorf, die sich plötzlich mehr Freiräume erarbeiten können.

Trainer Philipp Pawelzik ist entsprechend zufrieden – wäre aber nicht Philipp Pawelzik, würde er die Favoritenrolle deshalb gleich für seine Mannschaft reklamieren. „Bero natürlich super stark, wie letzte Saison. Und Favorit“, sagt er. Hansa sei allerdings „sehr gut drauf“ und werde „07 Überraschungen im Gepäck haben“.

Im Vergleich zum Sieg bei Borussia Pankow kündigt Pawelzik zwei Veränderungen im Kader an. Sorgen bereitet ihm das offenbar nicht: „Egal, wer gerade spielt, alle überragend.“
Und was braucht es, um Bero zu schlagen? Pawelziks Matchplan fällt zunächst eher unkonventionell aus: „Wir hoffen, dass viele Bero-Spielerinnen heute eine lange Nacht haben und morgen ein bisschen länger brauchen, um in den Tag zu kommen. Dann sind wir da und nutzen das.“
Man kennt seinen Hang zum Augenzwinkern – und zum Tiefstapeln. Denn Hansa muss inzwischen kaum noch darauf hoffen, dass der Gegner verschläft.

Auch Bero ist gewarnt, kann aber durchaus mit Selbstbewusstsein wuchern. Der amtierende Berliner Pokalsieger und Vizemeister hat seine ersten beiden Partien gegen den FC Internationale und Lichtenberg 47 gewonnen und knüpft damit zunächst dort an, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hat. Trainer Frank Krug hatte bereits vor dem Saisonstart von einer sehr guten Vorbereitung gesprochen. Auch bei Bero sorgen die Neuzugänge für zusätzliche Optionen.

Leistungsträgerin Maiken Ueberschär erwartet deshalb ein anderes Duell als noch im Pokalfinale. „Wir glauben auf jeden Fall, dass die Spiele gegen Hansa diese Saison deutlich spannender werden“, sagt sie. Hansa habe sich gut verstärkt, was sich auch an den beiden Siegen zum Auftakt erkennen lasse. „Und dass auf dem Hansa-Platz alles möglich ist, weiß in Berlin, glaube ich, jeder.“
Das kleine, knochenharte Kunstrasenviereck an der Wrangelstraße ist tatsächlich ein Faktor. Hansa kennt jeden Sandkorn, für Gäste ist der Platz dagegen stets aufs Neue gewöhnungsbedürftig. Verstecken will sich Bero deshalb nicht. „Wir haben uns top vorbereitet und wollen unser Spiel spielen“, sagt Ueberschär.
Es ist angerichtet
Damit ist angerichtet für eine erste echte Standortbestimmung dieser noch jungen Berlin-Liga-Saison. Für Bero geht es darum zu zeigen, dass die Mannschaft weiterhin das Maß der Dinge ist. Für Hansa nach dem Sieg gegen Pankow um die Antwort auf eine noch spannendere Frage: Ist die Mannschaft inzwischen so weit, dass sie nicht nur überraschen, sondern dauerhaft ganz oben mitspielen kann?
Ein gutes Ergebnis gegen Bero wäre dafür ein ziemlich starkes Argument.
Fotos: Matthias Vogel
