Der Berlin-Ligist schlägt den Regionalligisten im Polytan-Pokal mit 2:1. Stella Kränig trifft doppelt, auch Gästetrainer Christian Liedtke erkennt die Überlegenheit der Friedrichshagenerinnen an.
Der Friedrichshagener SV hat im Polytan-Pokal der Frauen für eine Überraschung gesorgt. Am Mittwochabend setzte sich der Berlin-Ligist mit 2:1 (1:0) gegen den Regionalligisten Blau-Weiß Hohen Neuendorf durch und zog in die nächste Runde ein. Nach Ansicht von FSV-Trainer Roman Kassarnig hätte der Erfolg sogar deutlich höher ausfallen können. Und selbst Gästetrainer Christian Liedtke fand keine Argumente, die gegen einen verdienten Sieg der Gastgeberinnen sprachen.

„Wir haben es mit einer unglaublichen Teammoral geschafft, Hohen Neuendorf von der ersten Minute an zu stressen und unter Druck zu setzen“, schwärmte Kassarnig. Seine Mannschaft habe den Gästen kaum Gelegenheit gegeben, ins Spiel zu finden. Bis zur 80. Minute habe der Regionalligist keinen einzigen Schuss aufs Tor abgegeben.
Stella Kränig handlungsschnell: 1:0
Für den perfekten Auftakt sorgte Stella Kränig bereits in der vierten Minute. Nach einem Abwurf von Gästetorhüterin Gina-Marie Farkas, der seine Adressatin verfehlte, reagierte die Friedrichshagener Angreiferin blitzschnell und überlupfte die noch vor ihrem Tor stehende Keeperin gefühlvoll zum 1:0. Auch danach erspielten sich die Gastgeberinnen weitere gute Möglichkeiten. „Wir müssen in der ersten Halbzeit eigentlich schon 4:0 führen“, meinte Kassarnig.

Dass Hohen Neuendorf insgesamt lange im Spiel blieb, lag vor allem an Farkas. „Die hatte den Tag ihres Lebens. Was die für Dinge herausgeholt hat, war unglaublich“, lobte der FSV-Coach die gegnerische Torhüterin.
Eines dieser Dinge war etwa ein weiterer sehenswerter Versuch von Kränig in der zweiten Halbzeit. Die Doppeltorschützin hatte aus 20 Metern erneut einen Heber angesetzt, der sich unter die Latte zu senken schien. Doch Farkas war auf der Hut, eilte flugs zwei Schritte zurück und fischte den Ball noch aus dem Giebel. „Gerade in der zweiten Halbzeit hat uns Gina an der einen oder anderen Stelle im Spiel gehalten“, sagte dann auch ihr Trainer Liedtke. Seine Torhüterin habe Bälle entschärft, „die normalerweise drin sind“.
Stella Kränig: „In der Halbzeit war es in der Kabine anders als sonst“
In der 87. Minute war allerdings auch Farkas machtlos. Einen schnellen Gegenangriff, eingeleitet von Friedrichshagens Torhüterin Ronja Kessel, schloss Kränig nach einer Hereingabe von Angelina Klein von der rechten Grundlinie aus zum 2:0 ab. Damit bestätigte die schnelle Torjägerin höchstpersönlich ein Gefühl, dass sie in der Halbzeitpause gehabt hat: „Es war anders als sonst. Man hat gespürt, dass wirklich alle dieses Spiel gewinnen wollen.“ So kam es. Paula Reutter verkürzte zwar zwei Minuten später auf 2:1, doch für eine Wende reichte es freilich nicht mehr.

Hohen Neuendorf war nach mehreren verletzungsbedingten Ausfällen und dem kräftezehrenden Regionalligaspiel vom Sonntag nicht unter optimalen Voraussetzungen angetreten. Das wollte Liedtke nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Die Friedrichshagenerinnen waren einfach griffiger, williger, wollten es mehr“, räumte er ein. Das frühe Gegentor habe seiner jungen Mannschaft zusätzlich die Ruhe genommen.
Liedtke: „Wer als Team nicht an seine Leistungsgrenze geht, verliert eben auch gegen einen guten Berlin-Ligisten“
Deutlicher wurde der Trainer bei der grundsätzlichen Einstellung seiner Spielerinnen. Er hoffe, dass die Niederlage der einen oder anderen die Augen öffne. „Wir müssen uns jedes Spiel neu beweisen und immer an unsere Leistungsgrenzen gehen.“ Wer das als Mannschaft nicht schaffe, verliere eben auch gegen einen guten Berlin-Ligisten. Und Friedrichshagen sei durch seine Neuzugänge in dieser Saison schließlich deutlich stärker geworden.

Kassarnig, der in der vergangenen Saison noch die zweite Mannschaft von Hohen Neuendorf trainiert hatte, wunderte sich trotz der angespannten Personalsituation über den Auftritt seines Ex-Clubs: „Ich war tatsächlich ein wenig überrascht, dass Hohen Neuendorf mit uns überhaupt nicht zurechtkam.“
Kassarnig: „Ich bin maßlos stolz auf das Team“
Während Liedtke den Pokalabend als unnötigen Rückschlag verbuchte, überwog bei seinem Gegenüber die Freude über eine geschlossene Mannschaftsleistung. „Ich bin maßlos stolz auf das Team“, sagte Kassarnig. Und Liedtke erkannte neidlos an, dass die Friedrichshagenerinnen mehr investiert hätten. Sein Fazit: „Für die war das natürlich ein Festtag. Aber auch völlig verdient aus meiner Sicht.“ Fotos: Laura Timme (@lightsxtime)
Titelbild: Friedrichshagener SV
