FC Carl Zeiss rettet gegen Erfurt knappen Vorsprung aufopferungsvoll über die Zeit +++ Union brilliert in der zweiten Hälfte +++ In Chemnitz gewinnt „Not gegen Elend“ +++ HND auch gegen Leipzig-Süd chancenlos
Mit Rückenwind zum Derbysieg
Der FC Carl Zeiss Jena II hat das Thüringen-Derby gegen den 1. FFV Erfurt mit 2:1 (2:0) gewonnen und damit seinen vierten Pflichtspielsieg in Folge gefeiert. Bei peitschendem Regen und heftigem Wind nutzten die Gastgeberinnen zunächst den Rückenwind und verteidigten nach der Pause ihren Vorsprung mit großem Einsatz.

Nach einem Konter über die rechte Seite legte Neele Gast für Karla Görlitz auf, die zum 1:0 einschob (19.). Noch vor der Pause erhöhte Julia Arnold per Kopf auf 2:0 (39.). Eine Flanke von Kapitänin Celice Bock hatte die am zweiten Pfosten völlig freistehende Angreiferin erreicht.

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein intensives Derby. Erfurt verkürzte durch Mandy Uhl (63.), deren Abschluss sich nach einer Flanke als Bogenlampe über Jenas Torhüterin Franziska Kofler ins Netz senkte.

Anschließend drängten die Gäste auf den Ausgleich. Jena stand tief und verteidigte den knappen Vorsprung nach den Worten von Co-Trainer Julian Körber „mit allem, was wir hatten“.

Körber hatte seiner jungen Mannschaft die Begegnung bewusst als Derby vermittelt, um zusätzliche Spannung zu erzeugen. Gerade in der zweiten Halbzeit sei diese Atmosphäre auf dem Platz deutlich spürbar gewesen, ohne dass die Partie dort oder am Spielfeldrand unfair wurde. Besonders wertvoll sei der Erfolg gegen eine Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte. Solche Siege zeigten den jungen Jenaerinnen, dass sie auf diesem Niveau mithalten können. Fotos: Sebastian Dühring
Erst ebenbürtig, dann vorgeführt
Der 1. FC Union Berlin II hat sich beim FC Hansa Rostock mit 4:0 (1:0) durchgesetzt. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit nutzten die Berlinerinnen die zunehmenden Probleme der Gastgeberinnen konsequent aus.

Zunächst fand Union gegen kompakt stehende Rostockerinnen kaum Lösungen. Erst ein Distanzschuss von Marike Laidler aus dem Zentrum brachte die Führung (36.). Nach dem Seitenwechsel agierten die Gäste zielstrebiger und mit mehr Tempo. Liselotte Oeltze setzte sich rechts durch und bediente Megan Reichenbach, die zum 0:2 einschob (50.). Lea Aseko Nkili erhöhte nach einem Steilpass und anschließendem Dribbling um Torhüterin Anna Thiele auf 0:3 (68.). In der Nachspielzeit verwandelte die zunächst wegen leichter Beschwerden geschonte Angreiferin einen Strafstoß im zweiten Versuch zum Endstand (90.).

„Wir haben in der zweiten Halbzeit bessere Lösungen gefunden und die Tiefe bespielt“, erklärte Union-Trainerin Anja Matthes. Insgesamt sei der Auftritt ihrer jungen Mannschaft „einen Ticken erwachsener“ gewesen als zuletzt.

Hansas Trainer Heiko Junghans war am Ende restlos bedient, gerade weil er seine Mannschaft vor der Pause noch auf Augenhöhe sah. Danach hätten die Abstände nicht mehr gestimmt, viele Spielerinnen seien nur noch hinterhergelaufen. „Sie haben uns stellenweise in der zweiten Halbzeit vorgeführt“, erkannte Junghans die spielerische Überlegenheit der Berlinerinnen an. Die Niederlage sei verdient gewesen, möglicherweise aber um ein Tor zu hoch ausgefallen. „Es geht aber auch darum, wie man ein Spiel verliert. Und diesmal war es hart“, sagte Junghans.
Chemnitz entscheidet mäßiges Kellerduell für sich
Der Chemnitzer FC hat im Abstiegskampf der Regionalliga Nordost drei wichtige Punkte eingefahren. Gegen Schlusslicht Türkiyemspor Berlin gewann die Mannschaft von Swen Wolf ungefährdet mit 2:0 (2:0), ließ allerdings zahlreiche Möglichkeiten auf ein deutlich höheres Ergebnis ungenutzt.
Die Gäste begannen schwach und wurden früh bestraft. Als Türkiyemspor die linke Seite überlud, erkannte Chemnitz den freien Raum auf der rechten Seite. Kapitänin Vanessa Oehmichen stürmte auf das Tor zu und traf ins lange Eck (17.). Beim 2:0 setzte sich Lina Härtel rechts bis zur Grundlinie durch und legte scharf zum Elfmeterpunkt zurück, wo Yella Mihalyi vollendete (28.).

Zur Pause hätte es nach Wolfs Einschätzung bereits 4:0 stehen können. Besonders kurios war eine Gelegenheit von Härtel, die freistehend vor dem leeren Tor den Ball Richtung Eckfahne beförderte. Wolfs trockener Kommentar: „Da haben wir etwas zu weit ausgewinkelt.“

Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Berlinerinnen in Intensität und Zweikampfführung. Chemnitz hingegen verlor den Rhythmus. „Not gegen Elend“, beschrieb Wolf die zweite Halbzeit. Türkiyemspor wurde nach Wolfs Angaben allerdings zu keinem Zeitpunkt wirklich torgefährlich.

Wolf bemängelte bei seinem Team vor allem die fehlende Konsequenz im Angriffsspiel im zweiten Spielabschnitt, unnötige Abseitsstellungen und schlecht ausgespielte Überzahlsituationen. Sein Fazit fiel entsprechend nüchtern aus: „Pflichtsieg. Mehr nicht.“ Fotos: Chemnitzer FC
Früher Rückschlag durch die Ex-Spielerin
Der SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf hat auch gegen den SV Eintracht Leipzig-Süd nicht in die Erfolgsspur zurückgefunden. Die Mannschaft von Christian Liedtke unterlag auf eigenem Platz mit 1:4 (0:2). Ausgerechnet die ehemalige Hohen Neuendorferin Nele Oberstein brachte die Gäste bereits in der siebten Minute in Führung.

Carla Ruf erhöhte nur acht Minuten später auf 0:2 (15.). Beide Treffer fielen nach ähnlichem Muster: Leipzig spielte über die Außenbahnen und brachte den Ball flach ins Zentrum. Hohen Neuendorf verteidigte dabei zu nachlässig.

Auch die guten Vorsätze für die zweite Halbzeit waren schnell dahin. Maleen Jankowski traf in der 51. Minute zum 0:3, nachdem die Gastgeberinnen im Anschluss an eine Ecke nicht konsequent genug verteidigt hatten. Ein Torwartfehler begünstigte das 0:4 durch die eingewechselte Lucienne Martin (74.). Gerda Varamann gelang immerhin noch der Ehrentreffer (78.). Für die Torschützin, die nach einem Kreuzbandriss lange ausgefallen war, ein persönliches Erfolgserlebnis.

Liedtke fand nach der Partie deutliche Worte. „Aktuell sind wir einfach defensiv zu anfällig“, kritisierte der Trainer. Seine Mannschaft mache es den Gegnerinnen zu leicht und lasse gleichzeitig die nötige Konsequenz vor dem gegnerischen Tor vermissen.
Trainer Liedtke sieht auch positive Ansätze
Trotz der verdienten Niederlage sah Liedtke auch positive Ansätze. Seine Mannschaft habe sich weiterhin bemüht und Chancen herausgespielt. Entscheidend sei nun, wieder defensive Stabilität zu gewinnen. Bereits im kommenden Auswärtsspiel beim FSV Babelsberg 74 soll die Wende gelingen. Fotos: HND
Kramer dreht das Spiel für Leipzig
RB Leipzig II hatte bereits im September das vorgezogene Regionalliga-Duell gegen den 1. FFC Turbine Potsdam II mit 2:1 (1:1) gewonnen. Janita Kramer wurde mit zwei Treffern zur entscheidenden Spielerin. Die Potsdamerinnen machten dem Tabellenführer das Leben schwer und gingen durch Helene Duwe nach einem Leipziger Ballverlust in Führung (33.). Kurz vor der Pause glich Kramer nach einer zunächst abgewehrten Ecke aus (45.).
Nach dem Seitenwechsel wurde Leipzig stärker und erspielte sich die klareren Chancen. Kramer vollendete in der 79. Minute einen gelungenen Angriff mit einem Schuss ins lange Eck zum 2:1. Dennoch hätte Turbine beinahe einen Punkt entführt. In der Schlusssekunde rettete RB-Torhüterin Sophie Lindner im Eins-gegen-eins den knappen Vorsprung.
Leipzigs Trainer Benjamin Eta sprach damals von einem verdienten Sieg, bescheinigte den Potsdamerinnen aber ausdrücklich eine starke Leistung.
Titelbild: Sebastian Dühring

„Da haben wir etwas zu weit ausgewinkelt.“
CFC-Coach Swen Wolf über das Kunststück seiner Spielerin, aus zentraler Position statt dem leeren Tor eher die Eckfahne zu treffen. Foto: Matthias Vogel
