Zwei Spieltage vor Schluss kämpft Hohen Neuendorf in Dresden gegen einen motivierten Gegner, eigene Fehler – und gegen den drohenden Absturz.
Zwei Spieltage vor Saisonende steht für den SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf beim Tabellenletzten 1. FFC Fortuna Dresden ein echtes Nervenspiel im Abstiegskampf der Regionalliga Nordost an. Die Berlinerinnen reisen mit 14 Punkten nach Sachsen, Dresden liegt mit neun Zählern am Tabellenende. Entsprechend klar formuliert Trainer Christian Liedtke das Ziel: Man wolle auf jeden Fall etwas Zählbares mitnehmen, damit zumindest schon einmal die Fortuna auf Distanz gehalten werde.
Dabei richtet sich der Blick in Hohen Neuendorf bereits Stunden vor dem Anpfiff auch nach Rostock. Weil der Tabellenvorletzte FC Hansa Rostock bereits um 11 Uhr gegen SV Eintracht Leipzig-Süd spielt, kennt man die Ausgangslage vor dem eigenen Anstoß ganz genau. Mit einem Sieg hätte die jetzt punktgleiche Kogge vorgelegt, das würde den Druck ordentlich erhöhen – in einer Partie, die ohnehin kaum mehr Fehltritte erlaubt.

Dass es in Dresden unangenehm werden dürfte, weiß der Coach nur zu gut. Vor allem die Platzverhältnisse bereiten ihm Respekt. Der Platz sei „sehr, sehr groß“, sagt Liedtke. Kompakt stehen? „Schwierig.“ Nadelstiche? „Nur mit dem passenden Personal“, so der Coach. Besonders wichtig werde jedenfalls die Anfangsphase. Ein frühes Gegentor wäre aus seiner Sicht fatal.
Noch mehr beschäftigt Liedtke allerdings die Fehleranfälligkeit seiner Mannschaft. Fehler, die praktisch direkt zu Gegentoren führen, zögen sich durch die gesamte Saison wie ein roter Faden. Sie gelte es diesmal unbedingt zu vermeiden – schon gar nicht, wenn sie wie zuletzt in der letzten Reihe passieren. Solche Situationen ließen sich kaum noch korrigieren. Liedtke fordert deshalb vor allem mehr Konzentration und Klarheit im eigenen Defensivspiel.
Dresden? Besser als der Tabellenstand
Zumal Fortuna Dresden trotz der prekären Tabellenlage keineswegs abgeschlagen wirkt. Die Sachsen verloren gegen viele direkte Konkurrenten nur knapp und hielten zahlreiche Spiele lange offen. „Viele gegnerische Trainer schütteln uns wegen unserer guten Leistungen die Hände, aber davon kann man sich natürlich nichts kaufen“, sagte Trainer Michael Weiße vor dem Showdown gegen Hohen Neuendorf. Kürzlich konnte man sich etwas kaufen, nämlich als man der U23 des 1. FC Union Berlin einen Zähler abtrotzte.

Weiße sieht die Probleme seiner jungen Mannschaft in dieser Spielzeit vor allem in der fehlenden Effizienz vor dem Tor und kleinen Unaufmerksamkeiten in der Defensive, „die dann doch eben oft zu entscheidenden Gegentoren führten“. Die langfristigen Ausfälle von Kapitänin Caroline Zeidler und Torjägerin Emilia Martin machten sich zusätzlich bemerkbar. Immerhin gibt es bei Zeidler leichte Hoffnung auf eine Rückkehr. Weiße sagt, die Kapitänin werde vermutlich am Sonntag wieder an Bord sein.“
Das Hinspiel entschied die Fortuna klar für sich
Dresden schöpft Hoffnung aus dem Hinspiel. Damals gewann Fortuna überraschend deutlich mit 3:0 in Hohen Neuendorf. In Sachsen hat man die Entwicklungen beim Gegner seitdem aufmerksam verfolgt, hat die vielen Zugänge für das Team aus der Niederheide von Ligakonkurrent Türkiyemspor registriert. „Trotzdem: Wir spielen zuhause und wollen da unbedingt gewinnen“, sagt Weiße. Es gelte, den „letzten Strohhalm“ zu ergreifen, wie Weiße es formuliert.

In den Hinterköpfen der beiden Trainer schwingt übrigens mit, dass es im Falle eines Aufstiegs von Meister Hertha BSC aller Voraussicht nur einen Absteiger geben wird. Das verschärft den Charakter der morgigen Partie: Für Dresden ist es ein Do-or-die-Spiel, für HND ist ein Punkt Pflicht. Angerichtet ist also, die Kugel rollt ab 14 Uhr im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion.
Titelbild (Matthias Vogel): Jann Naja Bettin

