Der Einzug von Pankows Fußballerinnen in die Vorschlussrunde des Pokals am Grünen Tisch dauerte lang und erregt noch immer die Gemüter. Ihrem Gastspiel bei Berolina Mitte wohnt deshalb eine enorme Brisanz inne.
Es ist ja nicht so, als würde zwischen den Fußballerinnen von Berolina Mitte und Borussia Pankow nicht ohnehin eine amtliche Rivalität herrschen. Morgen treffen die beiden Teams im Halbfinale des Berliner Polytan-Pokals auf dem Bero aufeinander (Anpfiff 16.30 Uhr) und das Duell der beiden Berlin-Ligisten ist explosiver denn je. Denn ihm ging ein wochenlanger Streit vor den Sportgerichtsbarkeiten und damit eine mehrfache Terminverschiebung voraus.

Ausgangspunkt war das Viertelfinale zwischen Borussia Pankow und Türkiyemspor Berlin am 12. März. Sportlich hatte sich der Regionalligist nach 0:2-Rückstand und 2:2 nach regulärer Spielzeit im Elfmeterschießen durchgesetzt. Doch Pankow legte Einspruch gegen die Wertung der Partie ein und bekam vom Sportgericht Recht. Grund: das veraltete Passbild einer Spielerin von Türkiyemspor. Seit dem 1. Januar 2026 müssen die Vereine aktuelle Passbilder auf dfbnet.de, der Spielbetriebsplattform des DFB und seiner Landesverbände, einpflegen, insbesondere beim Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich. Beim Verstoß wird die Spielberechtigung der betroffenen SpielerInnen ausgesetzt.
Bei Türkiyemspor und Bero sitzt der Ärger tief
Was folgte, war eine lange Verhandlungsphase. Türkiyemspor ging gegen den Einspruch in Berufung und verlangte eine mündliche Verhandlung vor dem Verbandsgericht, oberstes Rechtsorgan des Berliner Fußball-Verbandes. Zur Berufung musste Pankow eine Stellungnahme abgeben. Anschließend wurde der Fall schriftlich verhandelt. Am Ende bekam Borussia Pankow den Sieg zugesprochen und zog ins Halbfinale ein.

Bei Türkiyemspor sitzt der Ärger über die Entscheidung tief. Trainer Amadou Konde sagte: „Mit uns ist jetzt ein Präzedenzfall geschaffen worden.“ Andere Spiele, bei denen Einspruch eingelegt worden sei, seien nicht für die einspruchserhebende Mannschaft gewertet worden. „Bei uns ist das jetzt schon so. Das ist nicht in Ordnung.“ Aus seiner Sicht habe sich Pankow dadurch „ins Finale gemogelt“. Bei Borussia argumentiert man dagegen damit, dass ein Regionalligist die Regelung kennen und entsprechend für aktuelle Bilder sorgen müsse.
Kurios: Schon im Achtelfinale profitierte Pankow von einem Regelverstoß. Damals hatte Hertha BSC die Partie sportlich zwar mit 4:0 gewonnen, allerdings vergessen, eine Spielerin auf dem Spielberichtsbogen einzutragen. Die Partie wurde daraufhin für Pankow gewertet.

Bei Berolina Mitte ist man ob der Hängepartie schlichtweg angefressen. Das Halbfinale wurde inzwischen bereits zum dritten Mal verschoben. Trainer Frank Krug nannte die Causa „eine einzige Farce“. An der Kleinen Hamburger Straße hat man weder Verständnis für das Ansinnen Pankows, durch die Meldung dieses Regelverstoßes eine Runde weiterzukommen, noch für die lange Verfahrensdauer.
Krug: „Es kann nicht sein, dass wir die Leidtragenden sind.“
Aus Gründen: Für Berolina sei es extrem schwierig gewesen, bereits zum dritten Mal die gesamte Organisation auf die Beine zu stellen – und wieder abzublasen, sagte Krug. Durch die Ansetzung an diesem Sonntag – eigentlich wäre das Wochenende für die Berlin-Ligisten spielfrei gewesen – hätten Spielerinnen Urlaubspläne ändern müssen oder müssten sie nun unterbrechen. „Es kann nicht sein, dass wir in der ganzen Geschichte auch noch die Leidtragenden sind“, so Krug.
Beim Berliner Fußball-Verband verweist man darauf, dass die Regelung zu den Passbildern auf der jüngsten Verbandstagung beschlossen und damit von den Vereinen mitgetragen worden sei. Pressesprecher Martin Meyer sagte allerdings auch, über die Verhältnismäßigkeit der Ahndung von alten Bildern lasse sich „bestimmt streiten“. Da müsse möglicherweise künftig nachjustiert werden. Den Groll der betroffenen Vereine könne er durchaus nachvollziehen. „Auch für uns ist diese Verzögerung mit Blick auf die Organisation sehr frustrierend.“

Wer nun auf dem Platz die Nase vorne haben wird, ist schwer zu prognostizieren. Bei Berolina Mitte ist wie gesagt fraglich, ob alle etatmäßigen Spielerinnen zur Verfügung stehen. Auch bei Borussia Pankow ist die Personallage angespannt. Trainerin Josi Ruß beklagte zuletzt zahlreiche verletzte Spielerinnen.
Bei der Ermittlung des Finalgegners der FSV Hansa 07 ist also reichlich Zündstoff im Spiel. Für noch mehr aufgeheizte Stimmung von den Rängen könnte eine Delegation aus Kreuzberg sorgen. Türkiyemspor-Trainer Konde kündigte jedenfalls an: „Ich denke, unsere Mannschaft wird dabei sein und Berolina ordentlich anfeuern.“
Fotos: Matthias Vogel

