Berolina Mitte überrollt Borussia Pankow im Halbfinale des Polytan-Pokals mit 7:1. Finja Bruns ist mit vier Treffern die herausragende Figur des Spiels.
Es war das Halbfinale, über das in den vergangenen Wochen viel gesprochen worden war. Die Querelen um den Einzug von Borussia Pankow am grünen Tisch hatten der ohnehin vorhandenen Rivalität zwischen beiden Klubs zusätzliche Schärfe verliehen. Auf dem Platz allerdings blieb von all dem kaum etwas übrig. Statt hitziger Szenen oder Nickligkeiten bekamen die Zuschauer in der Kleinen Hamburger Straße vor allem eines zu sehen: einen hochüberlegenen Auftritt von Berolina Mitte.


Mit 7:1 fertigte der aktuelle Tabellenzweite der Berlin-Liga den Ligakonkurrenten Borussia Pankow ab und ließ dabei von Beginn an keinen Zweifel daran, wer ins Finale einziehen würde. Bereits nach vier Minuten brachte Finja Bruns Bero in Führung. Zwei Minuten später erhöhte Amelie Schlüter auf 2:0. Und weil die Gastgeberinnen weiter mit hohem Tempo, viel Bewegung und enormer Präzision nach vorne spielten, war die Partie praktisch schon nach einer halben Stunde entschieden.

Vor allem Finja Bruns erwischte einen Sahnetag. Vier Treffer erzielte die Offensivspielerin – drei davon innerhalb der ersten 25 Minuten –, war ständig anspielbar und kaum zu kontrollieren. „Das war absolut ihr Tag“, sagte Trainer Frank Krug später. Besonders sehenswert sei das 3:0 gewesen. Maiken Ueberschär rettete den Ball auf der linken Seite im Vollsprint noch vor dem Aus, brachte eine scharfe Hereingabe ins Zentrum, Bruns grätschte den Ball über die Linie und landete selber im Borussia-Kasten. Auch Schlüters Treffer zum 5:0 kurz vor der Pause hatte für Begeisterung gesorgt. „Den hat sie aus dem Lauf oben in den Giebel gepackt“, sagte der Bero-Coach.
Trotz aller Brisanz: Das Spiel war fair
Krug zeigte sich rundum zufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft. Wie erwartet habe Pankow versucht, Spielmacherin Zehra Badem im Spielaufbau früh unter Druck zu setzen, gerade wenn sie sich zwischen die Innenverteidigerinnen fallen lasse. Doch genau darauf sei sein Team vorbereitet gewesen. „Wir haben das sehr gut gelöst und uns immer wieder sauber hinten rausgespielt“, sagte er. Überhaupt nähere sich seine Mannschaft immer mehr dem Fußball an, den er sehen wolle. Die Positionen würden flexibel interpretiert, niemand klebe starr an seiner Rolle. Wenn Badem sich etwa zurückfallen lasse, schiebe Emma Lamprecht konsequent nach vorne – solche Dinge.
Dass die Begegnung trotz aller Vorgeschichte bemerkenswert fair verlief, hob auch Krug hervor. „Da war viel Brisanz drin und auch ordentlich was los am Spielfeldrand. Aber auf dem Platz war das absolut fair.“

Pankows Trainerin Josi Ruß versuchte derweil, die Partie sachlich einzuordnen. Nach dem frühen 0:2 habe ihre Mannschaft zunächst noch etwas Zugriff bekommen. „Ich dachte, wenn wir vor der Pause das 2:1 machen, ist noch nichts verloren“, sagte sie. Eine Szene ärgerte sie dabei besonders. Gerade als ihr Team gefährlich Richtung Tor unterwegs gewesen sei und praktisch nur noch die Torhüterin vor sich gehabt habe, unterbrach das Schiedsrichtergespann die Aktion wegen einer Diskussion außerhalb des Feldes. „Das war nicht zu verstehen“, sagte Ruß. Vielleicht wäre der Anschluss gelungen, vielleicht hätte das der Partie noch einmal eine andere Richtung gegeben. Wirklich zwingend sei ihr Team insgesamt aber nicht gewesen, räumte sie ein.



Spätestens mit dem 5:0-Pausenstand war die Begegnung entschieden. Kurz nach Wiederbeginn legte Bruns direkt das 6:0 nach, später erhöhte Mathilde Zeuzem auf 7:0. Der Kopfballtreffer von Lena Pflanz zum 1:7-Endstand nach Flanke von Angelina Säwe hatte nur noch statistischen Wert. Dass das Ergebnis nicht noch deutlicher ausfiel, lag auch an zwei Aluminiumtreffern sowie einem weiteren wegen Abseits aberkannten Tor der Gastgeberinnen.

Ruß verwies zudem auf personelle Probleme. Mit Franzi Klausch habe eine wichtige Innenverteidigerin gefehlt, Sarah Schrader sei trotz doppelten Bänderrisses aufgelaufen, weitere Spielerinnen seien angeschlagen gewesen. Dennoch stellte sie klar: „Es ist absolut okay, dass Bero weiterkommt.“ Nicht nur wegen der Dominanz in diesem Spiel, sondern auch aufgrund der starken Saison der Mannschaft aus Mitte.

Für Berolina Mitte ist der Finaleinzug nun die große Chance, eine ohnehin starke Spielzeit doch noch mit einem Titel zu krönen. Nachdem der erhoffte Meisterschaftscoup ausgeblieben war, könnte der Pokalsieg nun zum versöhnlichen Höhepunkt werden. Im Endspiel am kommenden Sonntag in Mariendorf wartet Ligakonkurrent FSV Hansa 07. Nach diesem Auftritt steht der Favorit fest: Berolina Mitte.
Fotos: Jens Knohr

