Rasenperle der Woche: Ein Assist und zwei Tore für Borussia Pankow beim 5:3 bei Grün-Weiß Neukölln machen die 36-jährige Innenverteidigerin zur Matchwinnerin.
Schickt man ChatGPT auf Recherchetour durch die Tiefen des Internets und lässt nach dem Berliner Pokalfinale der Frauen zwischen Blau-Weiß Hohen Neuendorf und Al-Dersimspor suchen, kommt nicht viel zusammen. Pfingstmontag, 28. Mai 2012. Hohen Neuendorf gewinnt 3:1. Torschützinnen? Nicht zu finden. Die KI muss passen.

Franziska Klausch kennt die Antwort: „Ich habe zwei Elfmeter verwandelt“, erinnert sie sich. Hohen Neuendorf schaffte damals dank ihres Doppelpacks das Double: Regionalliga-Meister und Pokal-Sieger. Warum sie das Spiel so besonders bewegte, hatte aber einen triftigeren Grund: Im Trikot von Al-Dersimspor spielte damals ihre Zwillingsschwester Caroline.
Klausch trifft nicht irgendwie, sondern satt
14 Jahre später hat sie es wieder getan: Beim 5:3 von Borussia Pankow im Spiel der Woche bei Grün-Weiß Neukölln schnürte Klausch einen enorm wichtigen Doppelpack. Zunächst bereitete sie mit einem starken langen Ball das 1:1 vor. Als Pankow nach der Pause 1:2 zurücklag, wuchtete die Innenverteidigerin erst einen Freistoß zum Ausgleich ins Netz. Nur fünf Minuten später stand sie nach einer Maßflanke von Sarah Schrader am zweiten Pfosten richtig und traf satt zum 3:2. Spiel gedreht.

Dass ausgerechnet sie zur entscheidenden Offensivkraft wird, passiert nicht alle Tage. „Ich habe ja relativ wenig Einfluss darauf, weil ich selten vor die Kiste komme“, sagt sie. Eigentlich ist Klausch Pankows etatmäßige Elfmeterschützin. Nur gab es in dieser Saison noch keinen. „Entweder lassen sich unsere Spielerinnen nicht fallen, wenn Kontakt da ist, oder er wird einfach nicht gegeben.“

Gegen Neukölln brauchte sie den Elfmeterpunkt nicht. Und sie weiß auch, wie wichtig ihre beiden Treffer waren. Grün-Weiß hatte nach dem 2:1 durchaus Möglichkeiten, auf 3:1 zu stellen. „Dann kann das Spiel auch ganz anders laufen.“ Andererseits hätte ihr Team schon in der ersten Hälfte seine eigenen Möglichkeiten konsequenter nutzen müssen, sagt sie.
Doppelpack im Pokalfinale gegen die Schwester
Dass Klausch mit 36 Jahren überhaupt noch auf diesem Niveau spielt, überrascht sie selbst offenbar am wenigsten. Fußball gehört zu ihrem Leben, seit sie vier Jahre alt ist. Mit ihrem Vater kickte sie zunächst im Garten, sah die Jungs aus der Nachbarschaft spielen und wollte irgendwann unbedingt selbst in einen Verein. Der erste war der SC Tegel. Und wenn Franzi Fußball spielte, wollte Carola natürlich auch. Gemeinsam ging es weiter zum VfB Hermsdorf, zum 1. FC Lübars und schließlich zum 1. FC Union Berlin. Erst mit 18 oder 19 Jahren trennten sich die sportlichen Wege. Franzi wechselte zu Blau-Weiß Hohen Neuendorf, Carola zu Al-Dersimspor.

Und damit zurück zu jenem 28. Mai 2012. Schwester gegen Schwester im Berliner Pokalfinale. Hohen Neuendorf gegen Al-Dersimspor. 3:1. Und zwei Tore von Franziska Klausch. „Das war schon eines meiner schönsten Fußballerlebnisse“, sagt sie.
Es war eine andere Zeit im Frauenfußball. Klausch spielte mit Union und Hohen Neuendorf in der 2. Bundesliga, mit Hohen Neuendorf nach eigener Erinnerung zwei Spielzeiten. Der Verein pendelte damals zwischen Regional- und 2. Bundesliga, entsprechend kamen auch Meisterschaften in der Regionalliga Nordost und Aufstiege hinzu.

Von Profitum konnte trotzdem keine Rede sein. Für die vier bis fünf Trainingseinheiten in der Woche gab es eine kleine Aufwandsentschädigung – mehr war nicht drin. Klausch hat deshalb einen ziemlich guten Vergleich dazu, wie sehr sich der Frauenfußball seitdem verändert hat. Die Strukturen seien deutlich besser geworden, sagt sie. Und auch die Qualität auf dem Platz.
Was sich fast nie geändert hat, ist ihre Position. Klausch war und ist Innenverteidigerin. Eine Saison lang wurde sie auf der Sechs eingesetzt, dauerhaft wollte sie dort aber nicht bleiben. „Ich habe lieber das Spiel vor mir.“

Nach ihrem Studium legte die heutige Gymnasiallehrerin für Deutsch und Sport ein halbes Jahr Fußballpause ein. Lange hielt sie es ohne den Ball nicht aus. Sie schloss sich Borussia Pankow an, wo sie wieder gemeinsam mit ihrer Schwester spielte. Rund zehn Jahre ist das inzwischen her. Damals hieß der Trainer noch Sebastian Soika, heute steht Josi Ruß an der Seitenlinie.
Ein Ende ist offenbar nicht in Sicht. „Ich war eigentlich auch, als ich jünger war, nicht recht viel schneller als heute“, sagt Klausch trocken. Von daher sei noch alles in bester Ordnung. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für sie eher der Blick in die Runde der Kabine. Manche Mitspielerinnen sind 15 Jahre jünger oder noch mehr. Emma Lehberger etwa, deren 1:1 Klausch in Neukölln vorbereitete, ist gerade einmal 16. Schon in der vergangenen Saison trainierte sie bei den Frauen mit, inzwischen zeigt sie immer deutlicher, welches Potenzial in ihr steckt.

Klausch genießt es, solche Entwicklungen mitzuerleben. Die jungen Spielerinnen könnten von der Erfahrung der Älteren profitieren. Umgekehrt nehme sie selbst etwas von deren Unbekümmertheit mit. Ein Geben und Nehmen.
Frauenfußball bei Pankow: Spaß und Lockerheit schließen Ehrgeiz nicht aus
Für sie ist genau diese Mischung eine Stärke von Borussia Pankow. Einen großen Anteil daran schreibt sie Trainerin Ruß zu, der einzigen Frau auf einer Trainerbank der Berlin-Liga in dieser Saison. Klausch glaubt, dass sie ein besonderes Einfühlungsvermögen für ihre Mannschaft mitbringt. „Mädels und Frauen ticken ja doch immer ein bisschen anders als Jungen und Männer.“

Ohnehin wehe bei Pankow ein etwas anderer Wind. Spaß und Lockerheit gehören ausdrücklich dazu. Dass sich das mit sportlichem Ehrgeiz nicht ausschließt, hat die Borussia in den vergangenen Jahren oft genug gezeigt.
Klausch hält auch in dieser Saison einen Platz unter den ersten fünf für möglich. Einfach werde das nicht. Pankow befindet sich im Umbruch, viele junge Spielerinnen sind dazugekommen. Andere Spitzenteams seien gefestigter und vor dem Tor teilweise kaltschnäuziger. Wenn man nicht viele Chancen bekomme, müsse man die wenigen eben nutzen.

Gleichzeitig sei Pankow immer für ein überraschendes Ergebnis gut. Dass der Saisonstart nicht optimal verlief, beunruhigt Klausch deshalb wenig. Gerade an Hertha BSC II (1:3-Niederlage) sehe man inzwischen, wie stark manche der bisherigen Gegner tatsächlich seien. Und auch die Pleite zuhause gegen die FSV Hansa 07 könne angesichts der neuen Stärke der Kreuzbergerinnen nicht als Patzer gewertet werden. Wichtiger als diese Ergebnisse ist ihr: Die Stimmung stimmt, die Trainingsbeteiligung ist hoch und die Mannschaft entwickelt sich weiter.
Auch die Berlin-Liga insgesamt sieht sie auf einem guten Weg. Fünf bis sieben Mannschaften könnten sich in dieser Saison gegenseitig schlagen. Für Klausch macht gerade das die Liga attraktiver.
Die Auszeichnung zur Rasenperle der Woche? „Schon cool!“
Noch deutlicher ist die Entwicklung einige Etagen höher. Union in der Bundesliga, Viktoria und Hertha im höherklassigen Fußball – Klausch sieht darin eine enorme Sogwirkung für den Berliner Nachwuchs. Gleichzeitig kennt sie aus ihrer eigenen Karriere ein Problem, das nicht neu ist: Mehrere ambitionierte Berliner Vereine konkurrieren um dieselben guten Spielerinnen. Eine stärkere Bündelung der Kräfte könnte den Berliner Frauenfußball ihrer Meinung nach noch weiter voranbringen. Vor allem aber freut sie sich über steigende Zuschauerzahlen und die größere Aufmerksamkeit. Und sie hofft, dass sie bleibt.
Wie man selbst begeistert hat die 36-Jährige am vergangenen Wochenende gezeigt und sich damit die Auszeichnung zur Rasenperle der Woche redlich verdient. „Schon cool“ sei das, sagt Klausch – gerade zwischen all den jungen Spielerinnen.

Auch die Dokumentation von Fußballergebnissen ist gründlicher geworden. Wer aber in zehn Jahren dennoch ChatGPT vergeblich in die Spur schickt, um die Torschützinnen des Berlin-Liga-Spiels zwischen dem BSV GW Neukölln und Borussia Pankow vom Sonntag, 27. September 2026, zu recherchieren, muss nicht verzagen. Der fragt dann einfach Franzi Klausch. Die weiß das.
Titelbild: galerie.kauffmannstudios.de
