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Pankow dreht packendes Duell

Grün-Weiß Neukölln schnuppert nach der Pause am Sieg – dann dreht Franziska Klausch auf und mit einem Doppelpack die Partie. Am Ende gewinnt die Borussia das Spiel der Woche verdient mit 5:3.

Weder Markus Schöne noch Nele Becker meinten die erste Halbzeit einer turbulenten und spannenden Berlin-Liga-Partie, als sie nach dem Spiel unabhängig voneinander sagten: Dieses Spiel hätte durchaus auch auf die Seite von Grün-Weiß kippen können. Sie meinten die rund 20 Minuten nach der Pause, in denen Neukölln nicht nur den 2:1-Führungstreffer erzielte, sondern auch noch Gelegenheiten für weitere Tore hatte.

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Nadine König (l.) verteidigt gegen Pankows Youngster Sophia Schrader.

Bis dahin hatte das Spiel nämlich ein ganz anderes Bild geboten und natürlich war das weder dem Trainer der Gastgeberinnen noch seiner Spielführerin verborgen geblieben. Pankow war in der ersten Hälfte die klar gefährlichere Mannschaft und hätte angesichts seiner Chancen nicht nur führen, sondern deutlich führen müssen. Trotzdem lag zunächst Neukölln vorn. Jasmin Wartenberg konnte einen Schuss nur nach vorne abwehren, Laura Waibel reagierte am schnellsten und staubte zum 1:0 ab (9.).

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Pankow – in der ersten Hälfte noch in weiß gekleidet – bejubelt das 1:1 durch Emma Lehberger (2. v. l.).

Danach häuften sich die Möglichkeiten für Pankow. Und der Ausgleich war richtig stark herausgespielt. Franziska Klausch öffnete mit einem langen Schnittstellenball aus der eigenen Hälfte die Neuköllner Defensive und bediente damit perfekt den Tiefenlauf von Emma Lehberger. Die 15-Jährige war auf und davon, ging allein auf Lisa Schrama zu und verwandelte eiskalt zum 1:1 (25.).

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Angelina Säwe (Nr. 19) macht bis zu genau dieser Szene alles überragend – ihr Schuss streicht zu ihrem Leid rechts am Neuköllner Kasten vorbei.

Danach hätte Pankow die Partie eigentlich schon vor der Pause klar für sich entscheiden müssen. Sarah Schrader etwa brach unmittelbar nach dem 1:1 über links durch und legte scharf ins Zentrum auf ihre Schwester Sophia, die nur einen Schritt zu spät kam. Auch Angelina Säwe hatte mehrfach die Führung auf dem Fuß, tauchte frei vor Schrama auf, brachte den Ball aber nicht im Tor unter. Wie Säwe machte dann auch Elsa Kaczor nach einer schönen Kombination bis zum Abschluss eigentlich alles richtig, zog den dann auch in Richtung langes Eck – doch diesmal reagierte Schrama überragend und wehrte zur Seite ab.

Pankow kam immer wieder hinter die Neuköllner Abwehr, ließ aber eine Großchance nach der anderen liegen. Das 1:1 zur Pause war für Grün-Weiß deshalb mehr als nur ein glücklicher Zwischenstand.

Brück auf Lück – fast wie in alten Zeiten

Nach dem Seitenwechsel aber kam jene Phase, auf die Schöne und Becker später anspielten. Neukölln trat griffiger auf, erhöhte die Intensität und entwickelte nun selbst richtig Druck. Ein langer Freistoß von Romina Pissarek aus halblinker Position flog auf den zweiten Pfosten. Chantal Brück – die frühere Torjägerin ist seit ein paar Wochen wieder im Training und wurde eingewechselt – legte per Kopf zurück ins Zentrum, wo die zur Pause ebenfalls eingewechselte Laura Lück zunächst nicht direkt abschloss, sich den Ball noch einmal vorlegte und beim nächsten Kontakt zu Fall kam. Der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Pankow protestierte, Nele Becker blieb unbeeindruckt und verwandelte sicher zum 2:1 (58.).

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Zwischen Hoffen und Bangen: Nele Becker verwandelt den Elfmeter zur 2:1-Führung für Neukölln.

Und Grün-Weiß war jetzt näher am dritten Treffer als Pankow am Ausgleich. Pissarek zwang Wartenberg mit einem harten, flachen Freistoß von der Strafraumgrenze zu einer Abwehr nach vorne, Brück scheiterte im Nachschuss ebenfalls an der Torhüterin. Kurz darauf spielte Brück Lück auf der rechten Seite frei. Die lief allein auf Wartenberg zu, doch die verkürzte stark und parierte. Waibel setzte den Nachschuss knapp links vorbei. Brück auf Lück oder umgekehrt – übrigens ein Neuköllner Erfolgsrezept längst vergangener Tage.

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Freistoßspezialistin Romina Pissarek bei der Arbeit.

„Da war der Sieg ernsthaft gefährdet“, räumte auch Pankows Trainerin Josi Ruß später ein. Und Dank einer Portion Resilienz und Schützenhilfe kippte das Momentum dann auf die Seite ihres Teams. Nach einem Rückpass nahm Schrama den Ball mit den Händen auf. Indirekter Freistoß für Pankow im Neuköllner Strafraum. Klausch ließ sich den Ball auflegen und drosch ihn wuchtig halbhoch an den rechten Innenpfosten, von dort sprang er zum 2:2 ins Netz (68.).

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Pankows Innenverteidigerin Franzi Klausch brachte mit einem blitzsauberen Doppelpack ihr Team wieder in die Spur.

Nur vier Minuten später war die Partie komplett gedreht. Sarah Schrader rutschte bei der Ausführung einer Ecke zunächst weg. Die Situation schien schon vorbei, doch der Ball kam noch einmal zu ihr zurück. Schrader stand längst wieder, ging an Laura Waibel vorbei und brachte die zweite Flanke an den langen Pfosten. Dort wartete Klausch und vollendete zum 3:2 (72.). Zwei Tore innerhalb von vier Minuten – plötzlich führte Pankow.

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Neuköllns dritte Kapitänin in diesem Spiel, Nele Becker (l.), kämpft, dirigiert schiebt an und trifft – am Ende stehen sie und ihr Team mit leeren Händen da.

Und die Gäste legten sofort nach. Schrader setzte die Neuköllner Defensive unter Druck, Lorelei Knoop, die bis dahin ein starkes Spiel gemacht hatte, schlug über den Ball. Schrader war durch und blieb vor Schrama ganz cool: halbhoch links an der Keeperin vorbei zum 4:2 (75.).

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Laura Lück (r.) bei ihrem Kurz-Comeback für Neukölln, das lange Bein kommt von Sarah Schrader.

Gerade diese Gegentore ärgerten Schöne. Schrama sei eine erfahrene und gute Torhüterin, der die Szene vor dem 2:2 normalerweise nicht passiere. Ähnliches galt für die junge Knoop. Für den Trainer passte das zu einem Muster der bisherigen Saison: „Wieder kassieren wir komische Tore“, monierte er.

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Lilly Bernhard lässt Pankows Michelle Juras stehen.

Entschieden war die Partie trotzdem noch nicht. Nach einem Missverständnis in der Pankower Defensive erzwang Neukölln noch einmal eine Ecke. Die kam gefährlich vors Tor, Brück und Klausch gingen hoch – mit dem besseren Ende für Brück: der Ball trudelte in die Ecke des Pankower Gehäuses. 3:4 (85.), plötzlich war die Partie wieder offen.

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Ein ganz krummes Ding: Neuköllns Chantal Brück (r.) bekommt den Ball nach einer Ecke auf den Oberschenkel, von dort senkt er sich unhaltbar zum 3:4 in die Maschen.

Schließlich setzte Pankow aber den letzten Treffer. Ein längerer Ball kam auf Angelina Säwe, die ihn Höhe der Mittellinie clever nach links in den Lauf von Lehberger abtropfen ließ. Die 15-Jährige nahm Tempo auf, startete ein unwiderstehliches Solo bis vor das Neuköllner Tor und fackelte nicht lange: unter der Latte schlug der Ball ein, 5:3 (90.) – ihr zweiter Treffer und der Deckel auf einer wilden Partie.

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Marlene Schmitt (am Ball) wird von Nele Becker (l.) bedrängt, Romina Pissarek (r.) in Lauerstellung.

Russ sprach anschließend von einem verdienten Sieg, der aus ihrer Sicht allerdings unnötig spannend geworden war. Vor allem in der ersten Hälfte habe ihre Mannschaft genügend Chancen gehabt, um sich das spätere Zittern zu ersparen. Umso zufriedener war sie mit den drei Punkten angesichts der angespannten Personalsituation. Unter anderem fehlten Lena Pflanz, Anna Zick und Lucie Ruß, Pankow kam personell ziemlich auf dem Zahnfleisch daher.

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Hammerspiel: Die erst 15-jährige Emma Lehberger setzt an zu ihrem finalen Solo, das die mit dem 5:3 für Pankow krönt.

Schöne und Becker blieb dagegen das Gefühl einer vergebenen Möglichkeit. „Wer vorne die Tore nicht macht, kassiert sie eben hinten“, bemühte die Kapitänin die alte Fußballweisheit. Grundsätzlich sieht sie Grün-Weiß dennoch auf einem guten Weg. Die Trainingsbeteiligung sei hoch, vernünftiges Arbeiten wieder möglich. Das sei auch nötig, denn ihr Eindruck ist, dass die Berlin-Liga gegenüber der vergangenen Saison stärker geworden ist.

Zusätzlich zur Niederlage: drei Neue für das Lazarett

Ganz ohne Sorgen blickt Schöne allerdings nicht auf die kommenden Wochen. Der Oktober hat es für Grün-Weiß mit den Partien gegen Hertha BSC II und Stern 1900 in sich. Umso schwerer wiegen drei Verletzungen aus dem Pankow-Spiel. Laura Lück musste bei ihrem Comeback wieder vom Platz, nachdem ihre alte Verletzung erneut aufgebrochen war. Auch Romina Pissarek und Alina Schrama konnten die Partie verletzungsbedingt nicht beenden. „Das sind natürlich herbe Verluste“, sagte Schöne. Nun hofft er, dass sich zumindest bei Pissarek und Schrama nichts Schwerwiegendes bestätigt.

Und dennoch: Das Spiel bestätigte letztlich auch Ruß’ Einschätzung aus der Vorschau: In dieser Saison hat man es mit einem anderen Grün-Weiß Neukölln zu tun – ausgeglichener, stabiler und deutlich unangenehmer zu bespielen.


Fotos: Matthias Vogel