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Rasenperlen-Teamcheck: Moabiter FSV

Moabit? Bleibt Moabit!

Der erste Klassenerhalt nach dem Aufstieg ist geschafft, der zweite könnte noch schwieriger werden. Während viele Konkurrenten ihre Kader gezielt verstärkt haben, bleibt der Moabiter FSV seinem eigenen Weg treu. Externe Spielerinnen aktiv anzuwerben, gehört weiterhin nicht zur Vereinsphilosophie. Stattdessen setzt das Team aus Mitte auf Zusammenhalt, Kontinuität und die Entwicklung der eigenen Mannschaft.

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Schnell, aber vor dem Tor noch zu ineffizient: Moabits Angreiferin Linda Goyk. Foto: Matthias Vogel

Cheftrainer Vishal Khanna und Co-Trainer Martin Meyer lassen weiterhin die Bezirksliga-Vertretung mit der Verbandsliga-Auswahl trainieren und wollen ihre Teams vor allem defensiv stabilisieren und schwerer zu bespielen machen. Klar ist aber auch: Soll der Klassenerhalt in Berlins Oberhaus erneut gelingen, muss Moabit in einer stärker eingeschätzten Berlin-Liga noch einmal einen Schritt nach vorne machen.

Kurz & knapp

Cheftrainer: Vishal Khanna
Co-Trainer: Martin Meyer
Saisonziel: Klassenerhalt
Spielstätte: Poststadion, Lehrter Straße
Zugänge: Arlo Postema (Rückkehr aus Österreich), Spielerinnen aus der Jugend und neu nach Berlin gezogene Spielerinnen; ein weiterer Wechsel innerhalb Berlins ist noch nicht abgeschlossen
Abgänge: keine
Ausfälle: Teresa Wagner (Kreuzbandriss), Skadi Rackow (Regeneration)
Stark eingeschätzt: Berolina Mitte, Viktoria 89 U20, Borussia Pankow

Teamcheck

Der erste Klassenerhalt ist geschafft. Ein paar direkte Duelle hätte der Moabiter FSV in der Rückrunde gerne konsequenter mit Punkten belohnt, insgesamt hält Co-Trainer Martin Meyer die Endplatzierung aber für gerecht. Nun folgt erstmals ein zweites Jahr in der Berlin-Liga – „bekanntlich das Schwerste“, sagt Meyer.

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Einfacher wird die Aufgabe tatsächlich nicht. Cheftrainer Vishal Khanna hält die Liga für stärker als in der vergangenen Saison. Die etablierten Mannschaften hätten sich verstärkt, dazu kämen ambitionierte Aufsteiger. Meyer sieht vor allem Berolina Mitte und Viktoria 89 U20 stark. Und: „Irgendwas sagt mir, dass man Pankow mehr denn je auf dem Zettel haben muss.“

Moabit selbst bleibt seinem Weg treu. Gezielt externe Spielerinnen anzuwerben, gehört weiterhin nicht zur Philosophie des Vereins. Meyer weiß um den sportlichen Preis: „Es zeigt sich, dass wir mit der Philosophie, keine externen Spielerinnen anzuwerben, einen schweren Stand auf diesem Level haben.“

Neuzugänge: Kein Qualitätssprung

Abgänge gibt es zwar keine, dafür fehlen Spielerinnen verletzt sowie aus beruflichen und Studiengründen. Teresa Wagner wird nach einem Kreuzbandriss lange ausfallen. Skadi Rackow befindet sich ebenfalls in der Regeneration und wird während dieser Zeit als Co-Trainerin der Bezirksliga-Mannschaft fungieren. Mit Arlo Postema kehrt eine Spielerin aus Österreich zurück. Dazu kommen Spielerinnen aus der Jugend und neu nach Berlin gezogene Fußballerinnen. Meyer formuliert die Ausgangslage entsprechend nüchtern: „Wir haben definitiv keinen Qualitätssprung zu erwarten.“

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Herber Verlust: Kreativ-Spielerin Teresa Wagner fällt verletzungsbedingt noch länger aus. Foto: Moabiter FSV

Sportlich ist die wichtigste Baustelle klar. Moabit kassierte in der vergangenen Saison zu viele Gegentore. Khanna will seine Mannschaft deshalb kompakter und schwerer zu bespielen machen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, sich tief vor dem eigenen Tor einzuigeln. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sollen kleiner werden. Auch mit Ball soll sich etwas verändern. Moabit soll geduldiger werden, seine Positionen besser besetzen und zielgerichtet Fußball spielen.

Meyer fordert ebenfalls mehr Kompaktheit, besseres Positionsspiel und zielstrebige Konter. Eine Stärke soll bleiben: die Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Dort sei Moabit in vielen Spielen „recht abgezockt“ gewesen.

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Elisabeth Feß‘ Kernkompetenz liegt auf dem Feld. Doch vielleicht ist ihr Typ auch wieder im Tor gefragt. Foto: Moabiter FSV

Wo die nötigen Punkte zu holen sind, hat Khanna ebenfalls im Blick: vor allem gegen die Mannschaften aus dem Mittelfeld. „Da müssen wir mutig auftreten und unsere Chancen nutzen.“ Über die Ausgangslage macht er sich keine Illusionen: „Es wird Fragen geben, was den Moabiter FSV angeht. Aber ich vertraue dieser Mannschaft. Wir sind hier, um bis zum Ende zu kämpfen.“

Perlentaucher

Vishal Khanna ist 37 Jahre alt, lebt seit 2017 in Berlin und arbeitet als FP&A-Manager in der Finanzplanung und -analyse. Seit 2025 trainiert er die erste Frauenmannschaft des Moabiter FSV. Langfristig möchte er die Uefa-A- und Pro-Lizenz erwerben und hauptberuflich als Trainer arbeiten.

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Trainer-Duo im Wechselmodell: Vishal Khanna (r.) coacht die Erste, dann ist Martin Meyer Co. Spielt die Zweite, läuft es umgekehrt. Foto: Moabiter FSV

Am Frauenfußball schätzt Khanna besonders die Offenheit und Lernbereitschaft der Spielerinnen. In Moabit wiederum gefällt ihm die Gemeinschaft – und die Freiheit, seine eigenen Ideen umzusetzen. Seine Fußballphilosophie: „Position, Possession and Courage.“

Martin Meyer ist seit 2018 im Verein, inzwischen als Co-Trainer der Berlin-Liga-Mannschaft bewusst ins zweite Glied gerückt und laut eigenen Aussagen „der mit dem Klappstuhl“ am Spielfeldrand. Hauptberuflich arbeitet er als Pressesprecher beim Berliner Fußball-Verband. Seine Trainerlaufbahn begann bereits mit 14 Jahren und führte ihn später unter anderem zum BFC Dynamo, zu Hertha BSC und zum Berliner SC.

Martin Meyer: „Die Liga ist nicht das, was uns ausmacht.“

Seine Philosophie beschreibt Meyer als „prinzipienbasiert, spielerinnenzentriert, pragmatisch“. Spielerinnen dürfen von ihm Fehlertoleranz, ein offenes Ohr, Verständnis für Prioritäten außerhalb des Fußballs und „auch mal einen dummen Spruch“ erwarten.

Was beide Trainer verbindet, ist ihr Blick auf den Verein. Khanna spricht von Gemeinschaft, Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung. Meyer bringt es auf einen Satz: „Die Liga ist nicht das, was uns ausmacht. Es ist der Umstand, dass wir diesen Verein als gemeinsamen Ort des Vertrauens und Zusammenhalts verstehen.“

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Im Blick

Kiara Lohmann (oben) &
Jule Klandt

Kiara Lohmann hat nach Meyers Einschätzung bereits über längere Phasen der vergangenen Saison die Mannschaft getragen und bewiesen, dass sie Berlin-Liga-Niveau besitzt. Mit ihrer konstanten Leistung sind auch die Ansprüche gestiegen: Die Bestätigung des Säulen-Status‘ für das Moabiter Defensivspiel wird schwer erhofft.

Bei der routinierten Jule Klandt hofft Meyer auf mehr eigene Glanzpunkte. Die zentrale Mittelfeldspielerin habe sich zuletzt stark in den Dienst des Teams gestellt. „Ihre Leidenschaft am Ball steckt jedes Mal aufs Neue an“, sagt Meyer und hofft, dass „Jule noch einmal allen zeigt, wie gut sie ist.“

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Rasenperlen-Einordnung

Moabit gehört auch im zweiten Berlin-Liga-Jahr zu den Mannschaften, die zuerst nach unten schauen müssen. Der Kader macht keinen Qualitätssprung und weil die größte Konstante an der Lehrter Straße die Vereinsphilosophie ist – und damit weiterhin außerfußballerische Aktivitäten am Wochenende akzeptiert werden – wird der FSV auch in dieser Spielzeit nicht immer in Bestbesetzung antreten. Dass zusätzlich die Liga offensichtlich stärker geworden ist, macht das Unterfangen Klassenerhalt nicht einfacher.

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Ein Unterschied zum Vorjahr spielt den Weinroten in die Karten: Die Mannschaft weiß inzwischen, was Berlin-Liga bedeutet. Entscheidend wird sein, ob Khanna sie kompakter und schwerer zu bespielen bekommt. Gelingt das und holt Moabit gerade gegen die Mannschaften aus dem Mittelfeld und in den direkten Duellen im Kampf um den Ligaerhalt nur ein bisschen mehr Punkte als in der abgelaufenen Saison, könnte er ein weiteres Mal gelingen: Der Beweis, dass der eigene Weg auch in der Verbandsliga funktionieren kann.