Berolina Mitte gewinnt bei Borussia Pankow mit 3:2 – weil die Gäste die ausgefeiltere Spielanlage und am Ende auch die besseren Chancen haben.
Pankows junge Wilde machten es Bero schwerer als erwartet. Die Schrader-Schwestern Sophia und Sarah, Emma Lehberger, Angelina Säwe und die A-Jugendliche Lilith Fornfeist spielten mutig, unbekümmert und ohne erkennbaren Respekt vor dem favorisierten Gegner. Zum Sieg reichte das nicht. Berolina Mitte setzte sich im Rasenperlen-Spiel der Woche mit 3:2 (1:1) durch – mit mehr spielerischer Reife, Erfahrung und den besseren Chancen.

Dabei gehörte die Anfangsphase Pankow. Die Gastgeberinnen spielten couragiert nach vorn und begegneten Bero auf Augenhöhe. Erst nach und nach übernahmen die Gäste die Kontrolle. Ihre Spielanlage wirkte strukturierter, die Abläufe sicherer. In der 36. Minute schlug sich das auch im Ergebnis nieder. Nach einem Angriff über rechts kam der Ball ins Zentrum zu Maiken Ueberschär, die sich gegen Lucie Ruß durchsetzte und zum 1:0 traf.


Doch Pankow ließ sich nicht beeindrucken. Kurz vor der Pause schlug Sarah Schrader einen gefährlichen Eckball in die Bero-Box. Nach der Klärung bekam sie den Ball erneut und flankte auf den zweiten Pfosten. Dort stand Franziska Klausch mutterseelenallein, nahm den Ball herunter und knallte ihn unter die Latte – 1:1.
Zwei Tore ohne Vorwarnung
So dominant Bero mit zunehmender Dauer der ersten Schicht geworden war, so ausgeglichen konnte Pankow zunächst wieder die zweite Hälfte gestalten. Trotzdem stand es nach 70 Minuten 3:1. Zweimal nutzte Katarina Gordienko ihre Möglichkeiten konsequent: zunächst nach einer Hereingabe von links inklusive schicker Finte, später mit einem wuchtigen Linksschuss aus halblinker Position im Strafraum.



Beide Treffer hatten sich kaum angekündigt. Und genau darin zeigte sich eine Qualität der Gäste: Bero brauchte keine lange Druckphase, um gefährlich zu werden. Wenn sich Räume öffneten, konnte die Mannschaft sie nutzen. „Gerade Katarina hat häufig diese Räume erkannt“, sagte Beros Trainer Frank Krug nach dem Abpfiff.

Der Deckel schien drauf zu sein, doch fast im Gegenzug machte die Borussia das Fass wieder auf. Eigentlich war die Situation bereits geklärt. Doch Sophia Schrader setzte nach einem Rückpass zur Bero-Torhüterin Mailin Wichmann nach, erzwang einen Pressschlag und Lena Pflanz jagte den freien Ball mit links zum 2:3 ins Netz. Anschließend hätte Bero die Partie entscheiden müssen. Mehrere hochkarätige Chancen blieben ungenutzt.

In der Schlussphase witterte Pankow die Chance auf das 3:3, Bero lauerte auf den entscheidenden Konter. Doch die ganz großen Möglichkeiten blieben aus, die Gäste brachten ihren knappen Vorsprung über die Zeit.

Trainer Frank Krug war angesichts der derzeitigen personellen Probleme vor allem damit zufrieden, diese Partie gewonnen zu haben. „Klar müssen wir mehr aus unseren Möglichkeiten machen“, sagte er. „Aber solche Partien enden eben gerne auch mal mit einem Unentschieden. Wir waren in der Anfangsphase etwas zu hektisch, sind dann aber ruhiger geworden und haben die sich später bietenden Räume gut bespielt.“

Pankows Trainerin Josi Ruß hätte ihrer beherzt aufspielenden Borussia zwar einen Punkt von ganzem Herzen gegönnt, erkannte aber an, dass Beros Sieg aufgrund der Chancenverteilung unter dem Strich verdient war. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles reingehauen und ihre Sache gut gemacht“, lautete ihr Fazit.

Pankow hatte Bero in einem spannenden Berlin-Liga-Spiel mit Jugend, Mut und Unbekümmertheit lange vor Probleme gestellt. Den Unterschied machten schließlich die größere Reife und Konsequenz der Gäste. Ein 3:2, das knapper war als der Unterschied in der Spielanlage.
Fotos: Matthias Vogel
Titelbild: Lucie Ruß stellt Doppeltorschützing Katarina Gordienko
