Vor einem Jahr startete Blau-Weiß selbst als Aufsteiger in die Regionalliga. Nun kommt Neuling Chemnitz FC in die Niederheide. Die Gastgeberinnen haben also eine Saison mehr Erfahrung auf diesem Niveau. Reicht das für einen Auftaktsieg?
Die Vorbereitung ist vorbei. Jetzt zählt’s. Und vor dem ersten Spieltag beschäftigt beide Mannschaften vor allem eine Frage: Wo stehen wir eigentlich? Für den SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf und den Chemnitzer FC gibt es darauf am Sonntag die erste richtige Antwort. Um 15 Uhr treffen sie in der Niederheide zum Auftakt der Regionalliga Nordost aufeinander.
„Wir freuen uns wie Bolle“
Christian Liedtke macht aus der Stimmung bei Blau-Weiß kein Geheimnis. „Wir freuen uns wie Bolle, dass es jetzt endlich losgeht.“ Ein bisschen Nervosität ist trotzdem dabei. „Die Mädels haben ein bisschen Flattern. Aber das gehört zum Saisonauftakt dazu. Man weiß nie so richtig, wo man steht.“

Liedtke weiß ziemlich genau, wie sich die Chemnitzerinnen gerade fühlen. Vor einem Jahr war Hohen Neuendorf selbst der Neuling. „Als Aufsteiger hat man immer noch dieses Feuer.“ Diesmal ist die Rollenverteilung eine andere. „Auf dem Papier ist es eigentlich ein Gegner, den wir schlagen müssen“, sagt Liedtke. Einen Selbstläufer erwartet er trotzdem nicht. „Wir sind keine Übermannschaft. Und Chemnitz ist auch nicht aus Versehen in die Regionalliga gekommen.“

Das hat der CFC spätestens in den Aufstiegsspielen gegen den SFC Stern 1900 gezeigt. Liedtke hat sich davon einiges angesehen. Sein Eindruck: Defensive ist Trumpf, es wird leidenschaftlich verteidigt. Er erwartet einen körperlich starken, athletischen Gegner, der Hohen Neuendorf einiges abverlangen wird.
Chemnitz will erst einmal lernen
Große Ansagen gibt es beim Aufsteiger nicht. „Wir müssen die Spiele mit Demut angehen und unsere Schlüsse dann nach dem Spiel ziehen“, sagt Trainer Swen Wolf.
Vier Jahre hat der CFC auf diesen Aufstieg hingearbeitet. Nach dem Sprung in die Regionalliga kamen einige neue, vor allem junge Spielerinnen dazu. Wolf weiß, dass daraus nicht über Nacht eine fertige Regionalliga-Mannschaft wird. Der Prozess wird noch ein Stück in die Saison hineinreichen.

Deshalb denkt der Trainer zunächst von Spiel zu Spiel: Was bietet der Gegner an? Was funktioniert schon? Wo macht Chemnitz Fehler? Und was lässt sich daraus fürs nächste Wochenende mitnehmen? Das Ziel dahinter ist klar: der Klassenerhalt.
Über Hohen Neuendorf weiß Wolf nach eigener Aussage gar nicht allzu viel. Ein Spiel hat er in der vergangenen Saison gesehen, große Schlüsse zieht er daraus aber nicht. Kader verändern sich. Also schaut Chemnitz lieber auf sich selbst.

Und mit dem, was er dort sieht, ist Wolf zufrieden. Trainingsbeteiligung und Intensität stimmen. Seine Spielerinnen versucht das Trainerteam akribisch „zur Akribie zu erziehen“. Nach vier Jahren Arbeit auf diesen Moment hin muss Wolf niemandem erklären, was am Sonntag ansteht. Die Chemnitzerinnen sind heiß auf ihr erstes Regionalliga-Spiel.
„Gleich unsere besten PS aufs Feld bringen“
Abwarten will Hohen Neuendorf den Neuling trotzdem nicht. „Für uns gilt es, unser eigenes Spiel durchzubringen“, sagt Liedtke. Seine Ansage: Oder noch kürzer: „Gleich unsere besten PS aufs Feld bringen.“ Dafür hat Liedtke fast alle Spielerinnen zur Verfügung. Nur Jaqueline Pantelmann wird wegen Kniebeschwerden vorsichtshalber fehlen. Ansonsten herrscht schon bei der Kadernominierung die berühmte Qual der Wahl. Auch Swen Wolf kann für die Regionalliga-Premiere aus dem Vollen schöpfen.


Ganz perfekt sind die Bedingungen in der Niederheide allerdings nicht. Wegen Arbeiten an der Bewässerungsanlage haben die Rasenplätze gelitten und müssen sich noch erholen. Gespielt wird deshalb auf Kunstrasen. Liedtke nimmt es mit Humor. Bei diesem Fußballwetter sei das zwar „ein bisschen der Makel“. Dafür, sagt er, „ist der Weg zum Pausengetränk halt ein bisschen länger“.
Viel wichtiger ist ihm, dass am Sonntag Zuschauer kommen. Denn von der neu zusammengestellten Blau-Weiß-Mannschaft gab es zu Hause bislang nichts zu sehen. Sämtliche Vorbereitungsspiele fanden auswärts statt. „Wir haben uns ein bisschen vor unserem Heimpublikum versteckt“, scherzt Liedtke. Damit ist am Sonntag Schluss.

Hohen Neuendorf geht ins zweite Regionalliga-Jahr und sieht sich gegen den Aufsteiger in der Pflicht. Dazu gilt es, eine unterirdische Vorrunde wie in der jüngsten Spielzeit mit aller Macht zu verhindern. Chemnitz kommt mit vier Jahren Anlauf, reichlich Vorfreude und ohne große Töne. Und trotz aller Vorbereitung wissen beide erst nach 90 Minuten ein bisschen besser, wo sie wirklich stehen.
Titelbild (Matthias Vogel): Die Saison startet – wie bereit sind Alexandra Almasalme (am Ball) und Kapitänin Janni Bettin für den Saisonstart?
