Unterschiedliche Ausgangslagen, personelle Engpässe und ein Derby mit eigener Dynamik: Warum die Regionalliga-Partie im Katzbachstadion das Spiel der Woche auf rasenperlen.de ist.
Eigentlich hätte diese Partie verlegt werden sollen. Da die Auswahl des Berliner Fußballverbandes an diesem Wochenende im Einsatz ist, müssen sowohl Türkiyemspor Berlin als auch die U23 des 1. FC Union Berlin jeweils zwei Spielerinnen abstellen. Für einen möglichen Ausweichtermin konnten sich beide Seiten jedoch nicht auf einen Spielort einigen, sodass die Begegnung nun doch wie angesetzt stattfindet.
Beiden Teams fehlen wichtige Spielerinnen
Bei Union fehlen also die beiden Auswahlspielerinnen Clara Okoro und Leona Seifert, bei Türkiyemspor Torhüterin Marietta Brand und Meliah Hartmann, dazu fallen mit der gelbgesperrten Spielmacherin Angelina Lübcke und Offensivkraft Anna Fechner (Urlaub) zwei absolute Leistungsträgerinnen aus.


Wenn Türkiyemspor Berlin am Sonntag (26. April, 14 Uhr) im Katzbachstadion auf die U23 des 1. FC Union Berlin trifft, kommen auf jeden Fall zwei Entwicklungen zusammen. Während Union II eine Serie ohne Sieg beenden will, startet Türkiyemspor mit einem respektablen Punktgewinn aus Jena im Rücken in das Berliner Stadtderby.
Bei Union ist der Bedarf nach einer Korrektur offensichtlich. Auf das 3:8 gegen RB Leipzig II folgten ein 1:1 bei Hansa Rostock und eine 1:2-Niederlage gegen Eintracht Leipzig-Süd vor heimischer Kulisse. Der Anschluss an Hertha BSC an der Tabellenspitze ist verloren gegangen, ohne dass daraus Unruhe entstanden wäre. Der Aufstieg war schließlich kein formuliertes Ziel.

Nun geht es allerdings darum, die Entwicklung wieder in die richtige Richtung zu lenken. Die Grundvoraussetzung dafür sei gut, sagt Trainerin Anja Matthes. Denn: „Den Mädels geht das ja selber auf die Nerven.“ In der Trainingswoche lag ein Schwerpunkt auf mentaler Arbeit. „Ein bisschen Psychologin ist man als Trainerin ja immer auch“, so Matthes. Am Ball selbst ist mehr Einfachheit gefragt, vor allem im letzten Drittel soll die Mannschaft klarer agieren: weniger denken, mehr machen.
Weniger grübeln, einfach spielen – so soll es klappen mit dem Unioner Spiel
Der Blick auf die kommenden, vermeintlich leichteren Aufgaben – Türkiyemspor, Fortuna Dresden und Turbine Potsdam II stehen allesamt in der unteren Tabellenhälfte – verändert die Einordnung nicht. Für Matthes ist jede Partie die Gelegenheit, es besser zu machen als zuletzt, egal wie der Gegner heißt.

Türkiyemspor hat sich nach dem personellen Umbruch im Winter stabilisiert. Die Rückrunde weist zwar bislang nur drei Punkte aus, doch nicht nur das 1:1 bei Carl Zeiss Jena II am vergangenen Wochenende hat gezeigt, dass die Mannschaft absolut konkurrenzfähig ist. Trainer Amadou Konde sieht sein Team dazu nicht unter akutem Druck. Zehn Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz sind ein ordentlicher Puffer. „Aber solange der Abstieg rechnerisch möglich ist, wollen wir alles geben, um noch Punkte einzufahren“, sagt Konde und formuliert trotz der personellen Einschnitte für das Spiel gegen Union ein klares Ziel: mindestens ein Punkt.

Die personelle Situation stellt Türkiyemspor vor zusätzliche Aufgaben. Konde reagiert mit Nachrückerinnen aus der eigenen U23. Die taktische Marschroute ist klar: kompakt verteidigen, Räume eng halten und mit Tempo Umschaltmomente nutzen – ein Ansatz, der bereits in Jena funktionierte. Matthes sieht beim Gegner nach dem Winterumbruch eine Entwicklung hin zu mehr Zusammenhalt – eine Qualität, die Türkiyemspor bereits in der Vergangenheit ausgezeichnet habe. Der Auftritt in Jena ist entsprechend registriert worden. „Wir wissen aber ja auch, was wir können“, sagt Matthes. Entscheidend sei nun die Umsetzung.

Die Voraussetzungen sind klar umrissen. Türkiyemspor setzt auf defensive Stabilität und gezielte Nadelstiche im Expresstempo, Union auf mehr Konsequenz im eigenen Spiel. Oder anders: Beide Seiten trachten im Katzbachstadion nach Zählbarem. Stadtderby mit Brisanz – das klingt nach einem packenden Fußballnachmittag.
Titelbild: Matthias Vogel

