Sterns Flügelspielerin Katharina Herber zeigt: Zwischen Zweifel und Rasenperle der Woche liegt manchmal nur ein Schritt nach vorne.
Es ist dieser eine Moment in der Partie zwischen dem FC Inter und dem SFC Stern, der bei der Suche nach der Rasenperle des 19. Spieltages den Fokus auf Katharina Herber lenkt. 57 Minuten sind gespielt, als der Ref auf den Elfmeterpunkt zeigt und im Sterner Lager sich schnell fragende Blicke häufen: Wer soll ihn schießen? Herber meldet sich und versenkt die Kugel sicher zur Führung.

Makrokosmos: Auf der imaginären Anzeigetafel steht es aus Sicht des Favoriten endlich 0:1. Mesokosmos: Für den Tabellenführer öffnet der Treffer endlich den Knoten, die Partie kippt auf seine Seite – am Ende heißt es 0:4. Entscheidend für Herbers Nominierung ist aber der Microkosmos: Die 29-Jährige Hessin zählt nicht zu den Spielerinnen, die mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein gesegnet sind. „Nee, ich bin eher selbstkritisch“, bestätigt sie. „Und ich würde sicher nicht in jedem Spiel mir den Ball schnappen. Aber es lief gut für mich an diesem Tag und als sich niemand gemeldet hat, dachte ich mir: Ich mach‘ das jetzt.“
„Selbst wenn ich verschieße, zieht das Team die Partie trotzdem.“
Das „Es-lief-gut-für-mich“ war übrigens tatsächlich nicht zu übersehen. 90 Minuten plus ackerte Sterns Nummer 15 auf dem linken Flügel wie aufgezogen, war eklig in den Zweikämpfen, eroberte und sicherte viele Bälle. Sie lief wie immer schnell und viel, ihre Kopfballstärke ist eh bekannt. Alles Tugenden, die bei ihrem Trainer Roman Rießler gut ankommen. Der schätzt überdies ihre generelle Einstellung zum Sport und ihr vorbildliches Verhalten auf und neben dem Platz. Und: „Sie hat das Talent, sich in ein Spiel reinzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen.“



Hört, hört! Kam der Elfmeter-Mumm gegen Inter etwa doch nicht aus dem Nichts? Dem Vernehmen nach nicht ganz. Herber will durchaus Verantwortung übernehmen, aber der Moment muss eben passen. „Und in dem Fall dachte ich mir tatsächlich auch: Wir sind gut im Spiel und selbst wenn ich verschieße, zieht das Team die Partie trotzdem.“

Mit sieben Jahren kam Kathi Herber zum Fußball, beim heimischen Dorfverein. So ein großer Zufall war das nach ihren Angaben nicht: „Mein Opa war Fußballer durch und durch, mein Bruder und meine Cousins auch. Außerdem gab es kaum Alternativen.“ Zudem kickte ihre Freundin Ina bereits in der Jungenmannschaft, also heuerte sie an. „Dann kamen immer mehr Mädchen und es gab schnell eine eigene Mannschaft.“

Anlässlich ihres Studiums in Magdeburg zur Ingenieurin für Arbeitssicherheit schloss sie sich viele Jahre später dem Magdeburger FFC an und schaffte es dort bis in die Regionalliga. Als sie als Werkstudentin nach Schöneberg zog, war der Weg nach Steglitz nicht weit, zudem spielte dort damals Anne Seifert, eine Teamkollegin aus Magdeburger Zeiten. Seit der Saison 2022, Sterns vorerst letzter Regionalliga-Saison, trägt sie nun schon gelb und blau und fühlt sich in den Farben bis heute pudelwohl.
Besonders vor Vikis U20 hat Herber Respekt
Jetzt klopft sie mit dem Team an die Tür zur Berliner Meisterschaft beziehungsweise zur Regionalliga an. Ob es klappt? „Die beiden Siege gegen Bero und Inter waren ein ganz wichtiger Schritt. Allerdings stehen noch schwere Partien an und besonders vor Viki habe ich großen Respekt. Da war ich im Hinspiel schon sehr gefordert“, sagt Herber. Eine große Hürde sei das noch ausstehende Spiel gegen den Talentschuppen des Zweitligisten: „Da werde ich wie schon gegen Bero die ganze Woche davor angespannt und aufgeregt sein.“

Unbedingt wolle sie Meister mit Stern werden. Dass sie dabei nicht diejenige ist, die Prachtschüsse in den Winkel zimmert oder auf dem Weg zum Tor drei Gegenspielerinnen austanzt, stört sie wenig. „Jeder muss seinen Teil dazu beitragen. Und wenn ich eben eine bin, die hinten alles sauber halten kann, dann ist das okay für mich.“ Unabhängig vom Saisonergebnis will Herber weiter in Steglitz Fußball spielen. „Der Aufwand bei Stern ist groß, aber wir sind ein sehr harmonisierendes, freundschaftlich verbundenes Team. Es macht unheimlich viel Spaß gerade, alle stehen füreinander ein, alle haben Bock.“



Eine starke Partie hat Kathi Herber gemacht gegen Inter. Und der Berliner Frauenfußball kann sich wohl auf weitere Rasenperlen-Momente von ihr freuen. Zumindest gelobt sie, künftig nicht mehr allzu hart mit sich ins Gericht zu gehen und häufiger den Schritt nach vorne zu gehen. „Aber ich habe mir mein Spiel auf Video nochmal angesehen. So gut war das auch nicht“, fügt sie prompt an und muss selber lachen. Sie kann halt auch nicht ganz aus ihrer Haut.

