Der Vorletzte Viktoria Mitte schlägt im Nachholspiel überraschend Türkiyemspors U23 mit 3:2.
Viktoria Mitte – U23 Türkiyemspor 3:2 (1:1): Norah Wiegers trifft dreimal.
Viktoria Mitte sendet im Tabellenkeller ein klares Lebenszeichen: In der Nachholpartie des 14. Spieltages schlägt das Tabellenvorletzte die U23 von Türkiyemspor Berlin mit 3:2 – dank konsequent umgesetztem Matchplan und einer überragenden Norah Wiegers.

Die Angreiferin, eigentlich bei den zweiten Frauen beheimatet und mangels eigener Partie nach oben gezogen, traf dreifach (20., 51., 56.) und nutzte die Umschaltmomente eiskalt. Viktoria setzte dabei auf einen extrem tiefen Block, formierte im Zentrum einen kompakten Viererblock aus Innenverteidigung und Sechserinnen – von Trainer Nils Tobela als „Pyramide“ beschrieben – und ließ Türkiyemspor bewusst kommen.
Wiegers vor dem Tor einfach eiskalt
Der Zugriff erfolgte erst ab der Mittellinie, dann aber mit maximaler Konsequenz: 100 Prozent im Zweikampf, klare Zuordnungen, gegenseitige Absicherung. Viktoria verteidigte diszipliniert über 90 Minuten – und schaltete nach Ballgewinnen sofort um. Bereits früh bot sich die erste Großchance (6.), als Wiegers frei durch war, aber an Türkiyemspor-Keeperin Marietta Brand im Eins-gegen-eins scheitert, ehe ein zu kurzer Pass der Gäste das 1:0 einleitet: Ballgewinn, Steckpass, Wiegers läuft erneut durch und schiebt ein (20.).

Türkiyemspor blieb spielbestimmend und glich durch Mayumi Loredo Ahoki per Distanzschuss unter die Latte aus (38.). Doch Viktoria wich nicht von seinem Ansatz ab. Nach der Pause griff die Struktur erneut: erst sauber durchs Zentrum kombiniert und ins Eins-gegen-eins geschickt – Wiegers bleibt diesmal eiskalt (51.).
Das 3:1 dann als vielleicht schönste Szene des Spiels: Ballgewinn in höherer Zone, schneller vertikaler Pass in die Tiefe, Brand weit vor dem Tor – und Wiegers hebt den Ball mit Gefühl aus rund 16 Metern über sie hinweg ins Netz (56.).

Der Anschlusstreffer durch Tuana Özkara (70.) – ebenfalls per Fernschuss – brachte noch einmal Spannung, doch im letzten Drittel ließ Viktoria kaum klare Abschlüsse zu. „Wir standen kompakt, haben sie spielen lassen und dann unsere Momente genutzt“, fasste Tobela zusammen. Ein Sieg, der im Tabellenkeller Gewicht hat – und der zeigt: Viktoria Mitte ist noch da. Fotos: Loredana Zafisambondaoky
BSV GW Neukölln – SFC Stern 1900 0:4 (0:2): Tabellenführer knackt Neukölln kurz vor der Pause.
Der SFC Stern 1900 gewinnt das Nachholspiel beim BSV Grün-Weiß Neukölln mit 4:0 – ein Ergebnis, das sich erst kurz vor der Pause andeutet und danach klar wird. Neukölln, erstmals seit langem wieder mit so etwas wie der Stamm-Elf am Start, setzt klar auf ein kompaktes Defensivkonzept. Tief gestaffelt, wenig Räume zwischen den Linien – und nach Ballgewinnen schnell nach vorne, vor allem über Aylin Jüterbock. Stern hat zwar deutlich mehr Ballbesitz, findet gegen diese Ordnung zunächst aber kaum Lösungen.

Die erste Annäherung gibt es nach 14 Minuten: Diana Steinmeyer bringt den Ball von rechts, Maggie Lorenz kommt zum Volley, trifft jedoch nicht sauber. Auch danach bleibt es bei Ansätzen. In der 27. Minute setzt sich erneut Steinmeyer über rechts durch, legt in den Rückraum, wo Luise Wille geblockt wird und Sofie Roll im zweiten Versuch zu wenig Druck hinter den Ball bekommt. Nach einer Ecke von Roxy Nowak kommt Roll am zweiten Pfosten per Kopf zum Abschluss, verfehlt jedoch das Ziel (37.).
Die Führung fällt in der 41. Minute: Nach etwas Ping-Pong in der Box köpft Maggie Lorenz ein. Kurz darauf verpasst Stern das mögliche 2:0 zunächst noch – Sofie Roll bringt den Ball nach innen, Amelie Großgebauer kommt im Nachfassen zum Abschluss, setzt den Ball jedoch über das Tor. Noch vor der Pause fällt dann das zweite Tor: Ein Abschluss von Sofie Roll wird abgefälscht, Hannah Schmitz reagiert am schnellsten und schiebt zum 2:0 ein (45.).

Stern kommt mit Druck aus der Kabine, daraus ergeben sich zunächst aber nur zwei Möglichkeiten für Neukölln: Zweimal wird es über Aylin Jüterbock nach Umschaltmomenten gefährlich, Kapital können die Gastgeberinnen daraus nicht schlagen. In der 61. Minute fällt die Vorentscheidung: Sofie Roll spielt den Tiefenball auf Elena Gabler, die querlegt – Maggie Lorenz schiebt zum 3:0 ein.
Das 4:0 folgt in der 80. Minute: Diana Steinmeyer setzt sich über die rechte Seite durch, legt quer, Emina Wacker vollendet. Fünf Minuten später hat Stern die dickste Chance, das Ergebnis in die Höhe zu treiben: Wacker bringt den Ball von links flugs hinein, Frida Roeth kommt im Zentrum zum Abschluss, doch Lisa Schrama im Neuköllner Gehäuse pariert bärenstark zur Ecke (85.).



Neuköllns Trainer Helge Kapheim ärgerte sich nach dem Abpfiff weniger über die Niederlage an sich als über deren Höhe. Ein, zwei Gegentore weniger hätten ihm besser gefallen, insgesamt gehe das Ergebnis aber in Ordnung. Seine Kapitänin Laura Lück sah ihre Mannschaft bis etwa zur 35. Minute auf einem guten Weg und sprach im Vergleich zur deutlichen Niederlage gegen Friedrichshagen von einer verbesserten Defensivleistung. Mit zunehmender Spielzeit sei es jedoch „auch eine Kraftfrage“ geworden. Fotos: Matthias Vogel

