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Traumtor, Elfer-Wirrwarr, offener Schlagabtausch – und am Ende ein kollektiver Dämpfer

El Khanjis herrlicher Treffer krönt ein irres Topspiel – Berolina Mitte und Viktoria Berlin neutralisieren sich, das 1:1 hilft im Titelrennen keinem.

Dieses Spiel hatte alles – Tempo, Intensität, Wendungen. Nur keinen Sieger. Im Nachholspiel der Berlin-Liga Frauen liefern sich Berolina Mitte und die U20 von Viktoria Berlin ein packendes Spitzenduell, doch die Big Points bleiben liegen. Das 1:1 ist für beide Teams im Titelrennen zu wenig.

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Von Anfang an ging es zur Sache: Viktorias Außenverteidigerin Lea Hahn (l.) und Silvia Engels, Angreiferin von Berolina Mitte.

Von Beginn an brennt der Bero. Berolina geht mit Wucht ins Spiel, presst früh, attackiert giftig und zwingt Viktoria in Fehler. Die Gastgeberinnen reißen die Partie an sich – und hätten früh führen müssen. Über rechts bleibt der Ball an der Grundlinie im Spiel, Finja Bruns reagiert am schnellsten, bringt ihn scharf nach innen – Silvia Engels kommt frei zum Abschluss, setzt den Ball aus kurzer Distanz über das Tor (8.).

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Mit zunehmender Spielzeit arbeitet sich Viktoria immer besser in die Partie, gewinnt mehr Spielanteile und findet Lösungen gegen das aggressive Pressing von Berolina. Diese Phase veredeln die Gäste kurz vor der Pause beinahe: Die bärenstarke Nora Krehnke wird steil geschickt, legt sich den Ball aber einen Tick zu weit vor, der Winkel wird zu kurz – Charlotte Schneider ist schnell dran und pariert stark zur Ecke (40.).

Auch nach dem Seitenwechsel bleibt das Spiel auf Anschlag. Zweikämpfe, Tempo, Druck – ein echtes Topspiel. Berolina kommt wieder mit Wucht – und dann wird es knifflig. Nach Ballgewinn im Angriffsdrittel wird Silvia Engels gelegt, kann den Ball aber noch zu Eva Borndörfer weiterleiten. Deren Abschluss rauscht links vorbei. Der Schiedsrichter lässt zunächst Vorteil laufen, entscheidet dann aber doch auf Freistoß – weil aus seiner Sicht keiner entstanden ist. Sehr zum Unmut von Viktorias Coach Darien Hoffmann. Den folgenden Freistoß hämmert Emma Lamprecht aufs Tor, zu zentral – Viktorias Torhüterin Luisa Kaiser lenkt den Ball grandios über die Latte.

Die Führung für Bero fällt nach einer Ueberschär-Ecke

Dann doch die Führung für Berolina. Ecke, viel Verkehr im Strafraum, der Ball rutscht durch – und liegt im Netz. Unübersichtlich, möglicherweise ein Eigentor, gewertet wird der Treffer später jedoch für Eckenschützin Maiken Ueberschär: das 1:0 (55.). Nach dem Gegentreffer braucht Viktoria ein bisschen, um sich zu fangen. Dann macht die Truppe von Darien Hoffmann mobil, erhöht den Druck – und bringt Berolina mehr und mehr in die Bredouille.

In der 81. Minute folgt der Moment des Spiels: Layla El Khanji bekommt im Zentrum zu viel Raum, nimmt Maß – und jagt den Ball aus rund 25 Metern unter die Latte. Keine Chance für Charlotte Schneider. Ein absolutes Traumtor, viel umjubelt – 1:1.

Die 89. Minute bündelt dann den Wahnsinn. Ecke Viktoria von links, der Ball wird aufs Tor gebracht – Irina von Schorlemer rettet für Berolina auf der Linie. Im direkten Gegenzug der Konter: langer Ball auf Finja Bruns, die mit letzter Kraft vor der Torhüterin an den Ball kommt, zu Fall geht – Elfmeter! Doch nach Rücksprache mit dem Linienrichter nimmt der Schiedsrichter die Entscheidung zurück. Hoffmann kann sich in dieser Szene dennoch nicht beruhigen – und weil er bereits zuvor wegen Meckerns verwarnt worden war, sieht er Gelb-Rot.

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Eigentlich keine Neuheit: Layla El Khanji (l.) darf man keine Zeit für den Abschluss lassen.

In der Schlussphase dann der offene Schlagabtausch. Lea Hahn kommt über halblinks mit dem Ball am Fuß, zieht ab und zwingt Schneider im Bero-Tor zur nächsten Tat – Ecke. Dann zweimal Beros Flügelspielerin Maiken Ueberschär innerhalb weniger Minuten: Erst die Flanke von links, die eingewechselte Dila Yücesoy steigt hoch und setzt den Kopfball auf die Latte. Kurz darauf wieder Ueberschär über links, diesmal näher am Tor, erneut bringt sie den Ball in die Mitte – und wieder ist es die Nummer 21, die per Volley abschließt, der Ball geht knapp rechts vorbei.

Emma Lamprecht rettet den Punkt per Monster-Grätsche

Auf der anderen Seite heißt es für Bero nochmal richtig tief durchatmen: Leila Ibrahimovic ist durch, von der Mittellinie ab, hat freie Bahn – doch Emma Lamprecht sprintet zurück und klärt im letzten Moment per Grätsche à la Mats Hummels. War El Khanjis Prachttreffer das offensive Highlight, war dieses das defensive. So blieb ein gerechtes 1:1 stehen. Und ein Spitzenspiel, das zwar knallt – im Titelrennen aber nur Tabellenführer SFC Stern 1900 hilft.

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Emma Lamprecht rettet im letzten Moment vor Laila Ibrahimovic.

Beide Trainer waren sich nach Abpfiff einig: ein leistungsgerechtes Unentschieden. Beros Coach Frank Krug sagte: „Man hat gemerkt, dass wir nicht komplett waren und einige Spielerinnen noch nicht fit sind. Dieses hohe Angriffspressing kannst du so nicht über 90 Minuten gehen – am Ende sind uns die Kräfte ausgegangen.“ Und er stellte klar: „Wenn wir das Titelrennen vergeigt haben, dann nicht heute, sondern ganz klar in den Spielen gegen Stern und Inter.“

Auch Darien Hoffmann sprach von einem verdienten Remis. Seine Gelb-Rote Karte erklärte er damit, „dass ich mit der Leistung des Schiedsrichtertrios nicht zufrieden war – aber das betraf beide Seiten, nicht nur uns.“ Die Leistung seiner Mannschaft bewertete er so: „Mit der ersten Hälfte sind wir nicht ganz zufrieden. Bero hat das gut gemacht, aber wenn sich uns Räume boten, war oft der erste Kontakt nicht gut. Wenn man bedenkt, dass wir hier in der Rückrunde der vergangenen Saison 0:6 verloren haben und heute 1:1 spielen und darüber sprechen, wer der ärgste Verfolger von Stern ist, dann ist das eine starke Entwicklung. Wir wollten die Großen ärgern – das haben wir heute auch wieder gemacht.“ Und weiter: „Ich bin unheimlich stolz auf die Mädels.“


Fotos: Matthias Vogel