Friedrichshagener SV bringt im Rasenperlen Spiel der Woche den Favoriten gehörig ins Wanken – Borussia Pankow rettet spät ein 3:3.
Dieses Spiel brauchte keine Anlaufzeit. Borussia Pankow war sofort drin, übernahm die Kontrolle und ging früh in Führung. Nach einer Ecke von Carolin Roeseler fiel der Ball am zweiten Pfosten vor die Füße von Lena Pflanz, die ihn volley mit der Innenseite zum 1:0 verwertete (4.).
Pankow blieb am Drücker – und hatte die Szene, die das Spiel früh hätte vorentscheiden können. Marlene Schmitt bekam den Ball im Strafraum den Ball und kam aus der Drehung zum Abschluss. Starker Move der Angreiferin, doch der Schuss ohne den nötigen Druck – eine verpasste Möglichkeit.

Friedrichshagen brauchte einen Moment, um in die Partie zu kommen – fand dann aber genau die eine Aktion, die alles veränderte. Gina-Maria Ziegelt spielte auf der halbrechten Seite einen herrlichen Pass in die Tiefe, Stella Kränig erkannte die Situation sofort, sah Torhüterin Antonia Wicke zu weit vor dem Tor und hob den Ball gefühlvoll zum 1:1 ins Netz (16.). Nur vier Minuten später folgte der nächste Schlag. Pankow verlor im Aufbau den Ball, war unsortiert – und wurde eiskalt bestraft. Sarah Weihmann traf aus rund 18 bis 19 Metern sehenswert zum 2:1. Ein echter Wirkungstreffer. Zwischen der 21. und 37. Minute war Pankow nämlich so gut wie raus aus dem Spiel.
Letizia Gattner lässt sich nicht lange bitten: 1:3
Und Friedrichshagen? Ließ sich bei den Unsicherheiten im Spielaufbau der Gäste weiterhin nicht lange bitten. Dieses Mal kam Letizia Gattner im Zentrum unverhofft an den Ball und erhöhte mit dem nächsten sehenswerten Distanztreffer auf 3:1 – der Außenseiter hatte die Begegnung komplett gedreht.

Nach dem Seitenwechsel kam Pankow mit Wucht zurück – und hatte sofort die riesige Chance zum Anschluss. Schmitt wurde von rechts an der Strafraumkante bedient, nahm den Ball stark mit, ließ ihre Gegenspielerin stehen und war plötzlich frei durch. Doch allein vor dem Tor schob sie den Ball rechts vorbei – eine Szene, die den Anschlusstreffer einfach bringen muss.
Schmitt und Pankow blieben jedoch dran. Sarah Schrader verzog kurz darauf aus halbrechter Position, doch der Druck nahm spürbar zu – und zahlte sich schließlich aus. In der 62. Minute landete ein abgefälschter Ball bei Schmitt, die diesmal schnell und kompromisslos den Ball im kurzen Eck unterbrachte: 3:2.



Nur eine Minute später folgte die Szene, die das Spiel zugunsten des FSV hätte entscheiden können. Nach einem Stockfehler von Pankows letzter Frau Katharina Wenk war Sarah Weihmann frei durch, wurde von Wenk jedoch klar am Weiterlaufen gehindert. Der Pfiff blieb aus, zum großen Unmut der Friedrichshagener Bank. Co-Trainer Dustin Lefevre sah das Foul außerhalb des Strafraums und hätte gerne die Rote Karte für die Borussin gesehen. Im Pankower Lager wurde die Szene eher im Strafraum gesehen – ein Elfmeter wäre aus ihrer Sicht vertretbar gewesen.
Lucie Ruß steht kurz vor der Auswechslung, als sie den Ausgleich erzwingt
Pankow blieb also im Spiel – und zeigte Moral. In der 76. Minute brachte Lucie-Maria Ruß – gerade sollte sie einer weiteren Offensivkraft weichen – einen langen Ball von Lena Pflanz nach mehreren Versuchen im Strafraum zum 3:3 über die Linie. Ein Tor des absoluten Willens. In der Schlussphase suchten beide Teams die Entscheidung. Die größte Chance hatte noch einmal Friedrichshagen, als nach einer Ecke ein Kopfball am kurzen Pfosten nur knapp am Tor vorbeiging (84.). Danach fehlte beiden Mannschaften die letzte Durchschlagskraft.


So blieb es beim 3:3 – ein Ergebnis, das für Borussia Pankow im Titelrennen ein spürbarer Dämpfer ist. Friedrichshagen hingegen hat einmal mehr gezeigt, wie unangenehm dieses Team sein kann – und einem Topteam über weite Strecken nicht nur Paroli bieten, sondern es an den Rand einer Niederlage bringen kann.
Trainerin Ruß fehlt der letzte Wille ihres Teams
Moralisch sei das Comeback ihrer Mannschaft schon eine starke Leistung gewesen, ordnete Pankows Trainerin Ruß, nach dem Abpfiff ein. „Mir hat aber dann tatsächlich ein bisschen gefehlt, dass man gesehen hat: Wir wollen dieses Spiel noch gewinnen.“ Es sei ja klar gewesen, dass man im Titelkampf nichts liegenlassen dürfe.
Lefevre freute sich über den Punkt, auch wenn vielleicht sogar mehr möglich gewesen wäre: „Wie ich es gesagt habe: Wie ein Bewacherhund auf die Chancen warten. Wir haben gut zugeschnappt in der ersten Hälfte“, scherzte er in der Pause. Und nach dem Spiel: „Wir sind absolut zufrieden mit der Leistung der Mädels.“ Ein Punkt und drei Tore gegen eines der fünf Topteams der Liga sei aller Ehren wert, zumal sich Pankow bis zu diesem Spieltag nur sieben Gegentreffer gefangen habe.
Fotos: Matthias Vogel

