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Türkiyemspor und Hohen Neuendorf patzen im Abstiegskampf

Beide Berliner Teams verpassen die Möglichkeit, sich aller Sorgen zu entledigen +++ U23 von Union im Aufwind.

Konde-Elf verlässt in der Halbzeitpause die Konzentration

Bitterer Rückschlag für Türkiyemspor Berlin im Abstiegskampf der Regionalliga Nordost: Beim Tabellenvorletzten FC Hansa Rostock verspielten die Berlinerinnen eine 2:0-Pausenführung und unterlagen am Ende noch mit 3:4.

Dabei sah zunächst alles nach einem wichtigen Auswärtssieg aus. Die stark aufspielende Meliah Hartmann brachte Türkiyemspor in der 14. Minute in Führung, Angelina Lübcke erhöhte kurz vor der Pause auf 2:0 (36.). „Bis dahin war alles richtig gut“, ordnete Trainer Amadou Konde ein.

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Vor allem wegen der beiden Treffer von Meliah Hartmann (Mitte) sah es lange gut aus für die Kreuzbergerinnen.

Doch nach dem Seitenwechsel brach Türkiyemspor ein. „Wir sind geistig in der Kabine geblieben“, sagte Konde. Hansa nutzte das konsequent aus – zunächst zweimal nach Ecken. Laurentia Köhler verkürzte in der 51. Minute per Kopf auf 1:2, beim zweiten Treffer in der 72. Minute hielt sie nach einem abgefälschten Ball vor dem Tor noch den Fuß hin und markierte den Ausgleich.

Zwar antwortete Türkiyemspor noch einmal durch Hartmanns zweiten Treffer zum 3:2 (76.), doch die Partie kippte endgültig in der Schlussphase. Ella Brunsendorf glich in der 81. Minute aus, ehe Jula Berger kurz vor Ende der regulären Spielzeit den Rostocker Siegtreffer erzielte.

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Auch Lena-Marie Wolter-Cosme hatte einen weiteren Treffer für Türkiyemspor auf dem Fuß.

Besonders bitter aus Sicht der Berlinerinnen: Genügend gute Chancen auf mehr Tore gab es reichlich: Anna Fechner, Lübcke und Lena-Marie Wolter-Cosme hatten weitere Treffer auf dem Fuß.

Laut Konde fielen nicht nur die beiden Gegentore nach Standards viel zu einfach, auch vor dem 3:3 und 4:3 seien individuelle Fehler vorausgegangen. Gleichzeitig übte der Trainer Selbstkritik: „Ich war mit meinem Spielmanagement nicht zu 100 Prozent zufrieden“, räumte er ein. Verletzungsbedingt musste er außerdem in der Innenverteidigung umstellen und dafür die Konstellation im Mittelfeld verändern. Alles Gründe, aber keine Hindernisse, die Partie siegreich zu gestalten. „Wir müssen einfach diese drei Punkte mitnehmen“, so der Coach.

Die Niederlage verschärft die Situation im Tabellenkeller weiter. Rein rechnerisch benötigt Türkiyemspor noch Punkte, um den Klassenerhalt endgültig perfekt zu machen. Schon am kommenden Wochenende gegen Favorit Magdeburg soll nach Möglichkeit etwas Zählbares her. Am letzten Spieltag könnte es dann zum direkten Showdown mit Blau-Weiß Hohen Neuendorf kommen. Fotos: Loredana Zafisambondaoky


Die Pleite von HND: „Ein Abbild der gesamten Saison“

Für den SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf wird der Abstiegskampf in der Regionalliga Nordost zur Zitterpartie bis zum Schluss. Das Heimspiel gegen SV Eintracht Leipzig-Süd verlor die Mannschaft von Trainer Christian Liedtke mit 0:2 (0:1) – und verpasste damit die große Chance, sich frühzeitig etwas Luft im Tabellenkeller zu verschaffen.

Liedtke sprach nach der Partie von einem „Abbild der gesamten Saison“. Seine Mannschaft komme immer wieder in gute Situationen, sei im letzten Drittel aber „nicht zwingend genug“. Zudem habe man erneut an den Gegentoren selbst mitgewirkt.

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Das Saisonfinale wird für Chantal Pistorius …

Nach einer längeren Abtastphase ging Leipzig-Süd mit der ersten wirklich gefährlichen Aktion in Führung. Ein hoher Ball segelte in den Strafraum, Hohen-Neuendorf-Torhüterin Marie Ulrich wollte fausten, brachte den Ball aber nicht entscheidend aus der Gefahrenzone. Laura Birne bedankte sich artig und köpfte – der Name ist Programm – anschließend zum 1:0 ein (12.). „Wenn du oben stehst in der Tabelle, dann fängt dir die Torhüterin diesen Ball einfach weg“, haderte Liedtke mit Blick auf die aktuelle Unsicherheit seiner Mannschaft.

Zur Pause lag Hohen Neuendorf mit 0:1 hinten, präsentierte sich nach dem Seitenwechsel aber verbessert. Vor allem die eingewechselte Carina Duchowny brachte laut Liedtke „Schwung in die Kiste“ und initiierte mehrere gefährliche Aktionen. Dennoch fehlte dem Team aus Sicht des Trainers der letzte unbedingte Wille, die Partie komplett zu drehen.

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… und Svea Kurrek zur Zitterpartie.

Stattdessen fiel das zweite Gegentor nach einem individuellen Fehler. Elisabeth Schindler verlor als letzte Spielerin den Ball im Dribbling, die Jasmin Petters lief allein auf Ulrich zu und vollendete eiskalt. „In der Berlin-Liga wurden solche Fehler nicht so häufig bestraft. In der Regionalliga werden sie konsequent genutzt und das bekommen wir auch schon die ganze Saison zu spüren“, ordnete Liedtke ein.

Trotz der Niederlage gibt sich der Trainer mit Blick auf den Saisonendspurt weiter optimistisch. „Wir haben es in der eigenen Hand.“ Am kommenden Wochenende geht es zum bereits abgestiegenen 1. FFC Fortuna Dresden, das zuletzt allerdings mit einem Punktgewinn gegen Union aufhorchen ließ. Sollte es am letzten Spieltag tatsächlich zum direkten Duell mit Türkiyemspor Berlin vor heimischer Kulisse kommen, sieht Liedtke seine Mannschaft dennoch vorbereitet. „Die Köpfe sind oben, die Stimmung ist gut.“ Gleichzeitig benennt er das Hauptproblem seiner Mannschaft klar: „Leider fallen Stürmer nicht einfach vom Himmel.“ Archivfotos: HND


Starke erste Hälfte beschert Unions U23 den Sieg

Die U23 von 1. FC Union Berlin hat in der Regionalliga Nordost einen wichtigen Schritt zurück in die Erfolgsspur gemacht. Beim 1. FFC Turbine Potsdam II gewann die Mannschaft von Trainerin Anja Matthes mit 2:1.

Union erwischte einen bärenstarken Start. Bereits in der 3. Minute traf Carla Okoro zur Führung. Nach einem tiefen Ball über die rechte Seite reagierte sie nach einem unbeabsichtigten Doppelpass mit einer Gegenspielerin am schnellsten und verwandelte zur frühen Führung. Auch danach spielten die Berlinerinnen laut Matthes „befreit auf“ und entwickelten eine „super gute Energie“.

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Unions U23 fand gegen Turbine II in der ersten Hälfte zu ihrer Leichtigkeit zurück.

Das 2:0 fiel nach einer Ecke von Louisa Kähler, die Lucy Wendling im Zentrum verwertete (13.). Für Matthes allerdings auch ein gefährliches Ergebnis: „Für Trainer ist ein 2:0 immer ziemlich blöd“, sagte sie später. Mann kennt das: Die Mannschaft wiegt sich in Sicherheit, ein einziger Gegentreffer macht die Kiste wieder heiß.

Tatsächlich verlor Union nach mehreren verletzungsbedingten Wechseln etwas die Kontrolle über die Partie. Matthes erklärte, man habe gemerkt, dass die Mannschaft in dieser Konstellation zuvor kaum zusammengespielt habe. Dennoch hielt Union zunächst stand – auch dank Torhüterin Sherly Schulz, die bereits in der ersten Halbzeit zwei gute Möglichkeiten der Potsdamerinnen entschärft hatte und später erneut stark rettete.

In der 69. Minute kam Turbine nach einer Ecke durch Lucia Stritzke dann doch per Kopf zum Anschluss. Danach drängten die Gastgeberinnen auf den Ausgleich, während Union eigene Umschaltmomente nicht konsequent genug ausspielte.

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Marike Laidler (vorne) und Torschützin Lucy Wendling.

Potsdams Trainer Thomas Kandler hätte ein Unentschieden für verdient gehalten. Zwar sei Union zunächst besser gewesen, doch auch Turbine habe schon vor der Pause gute Chancen gehabt. In der zweiten Halbzeit seien seine Spielerinnen dann dominant aufgetreten. Wie so oft in dieser Saison habe allerdings die Chancenverwertung gefehlt. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison“, sagte Kandler, dessen Team weiter mitten im Abstiegskampf steckt.

Matthes wiederum freute sich vor allem über die Reaktion ihrer Mannschaft nach schwierigen Wochen. Unter der Woche sei viel gesprochen worden, auch die Spielerinnen selbst hätten sich eingebracht. Vor allem das im Training angesprochene „Tief-klatsch-tief-Spiel“ und das Festmachen der Bälle ain der vordersten Linie hätten in der ersten Halbzeit sehr gut funktioniert. Entsprechend zufrieden zeigte sie sich, dass ihre Mannschaft gesehen habe, „dass es auch einfach sein kann“. Fotos: Matthias Vogel


Titelbild (Loredana Zafisambondaoky): Angelina Lübcke.