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Rasenperlen-Teamcheck: BSV Grün-Weiß Neukölln

Der Plan von Neutrainer Markus Schöne: Mit Trainingskonstanz und Facelift zur besseren Platzierung.

23 Punkte aus 26 Spielen – zufrieden konnte beim BSV Grün-Weiß Neukölln mit der vergangenen Saison niemand sein. „Das ist nicht unser Anspruch“, sagt auch Markus Schöne, obwohl er damals noch nicht als Cheftrainer für die Mannschaft verantwortlich war. Zur neuen Saison übernimmt der 30-Jährige von Helge Kapheim, der seinen Rückzug frühzeitig angekündigt hatte.

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Es geht nur zusammen: Gegen den Vizemeister Bero ermauerte sich Neukölln im vergangenen Jahr ein Remis. Foto: Matthias Vogel

Kapheim bleibt dem Verein als Vorstandsmitglied erhalten, hat dort aber ohnehin genügend andere Aufgaben. Seinen Nachfolger hat er in den vergangenen Jahren selbst mit an die erste Mannschaft herangeführt.

Schöne muss in Neukölln nicht bei null anfangen. Der Kern der Mannschaft bleibt zusammen, fünf Spielerinnen folgen ihm aus der Zweiten und mit Antonia-Lavinia Marinov kommt eine externe Verstärkung hinzu. Die entscheidende Frage wird allerdings nicht nur sein, wer auf dem Spielberichtsbogen steht. Grün-Weiß muss es auch wieder schaffen, regelmäßiger mit einer größeren Gruppe zu trainieren.

Kurz & knapp

Trainer: Markus Schöne, 30 Jahre.
Saisonziel: Besser abschneiden als in der Vorsaison.
Externer Neuzugang: Antonia-Lavinia Marinov (SC Oberhavel Velten).
Aus der zweiten Mannschaft: Alina Schrama, Pauline Ludewig, Zuzanna Mroczko, Nathalie Pissarek und Isabella Przybecka.

Teamcheck

Dass der Kern zusammenbleibt, ist für Schöne ein wichtiger Punkt. Er sieht in seiner Mannschaft einen guten Mix aus erfahrenen Spielerinnen, die schon einiges mit dem Verein erlebt haben und vorangehen können, und jüngeren Kräften, bei denen noch einiges an Entwicklung möglich ist. Dazu kommt eine Gruppe, die sich auf und neben dem Platz gut versteht.

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Laura Waibel war, ist und bleibt eine wichtige Stütze des Neuköllner Spiels. Foto: Matthias Vogel

An der Qualität allein lag es in der vergangenen Saison jedenfalls nicht, dass Grün-Weiß hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb. Ein Problem war die Trainingsbeteiligung. Zu selten konnte die Mannschaft über einen längeren Zeitraum mit ausreichend Spielerinnen gemeinsam arbeiten. Das erschwert es, Abläufe einzustudieren und als Team eine gewisse Konstanz zu entwickeln. Schöne kennt das Thema – und weiß, dass sich daran etwas ändern muss.

Neue Impulse kommen dabei vor allem aus dem eigenen Verein. Alina Schrama, Pauline Ludewig, Zuzanna Mroczko, Nathalie Pissarek und Isabella Przybecka rücken aus der zweiten Mannschaft auf. Schöne kennt alle fünf aus der gemeinsamen Arbeit und weiß entsprechend genau, was er von ihnen erwarten kann. Dazu kommt mit Antonia-Lavinia Marinov vom SC Oberhavel Velten bislang ein externer Neuzugang. Weitere Verstärkungen sind nicht ausgeschlossen.

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Die etablierten Spielerinnen als Gerüst: Nele Becker (am Ball) und Laura Lück stehen in der Verantwortung. Foto: Matthias Vogel

Auf dem Platz möchte Schöne vor allem eines sehen: mehr Torgefahr. Grün-Weiß soll offensiv wieder gefährlicher werden und mehr Tore erzielen als in der vergangenen Saison. Gleichzeitig soll die Mannschaft defensiv kompakt stehen, nach Ballgewinnen schnell umschalten, aber nicht ausschließlich davon leben. Wenn es die Situation verlangt, soll sie auch in der Lage sein, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und ein Spiel zu beruhigen.

Wo das am Ende in der Tabelle hinführen soll, lässt Schöne zunächst offen. Vor der Saison möchte er Einzelgespräche mit seinen Spielerinnen führen und daraus gemeinsame Ziele entwickeln. Einen ersten Maßstab nennt er trotzdem: Besser als in der vergangenen Saison muss es werden.

Perlentaucher

Dass Markus Schöne einmal die erste Frauenmannschaft von Grün-Weiß Neukölln in der Berlin-Liga trainieren würde, war so nicht geplant. Seine ersten Erfahrungen auf der Trainerbank sammelte er schon mit 16 oder 17 Jahren. Der Trainer seines jüngeren Bruders fragte ihn damals, ob er als Co-Trainer mitmachen wolle. Schöne sagte zu und blieb zwei Jahre.

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Markus Schöne freut sich auf die neue Aufgabe. Foto BSV GW Neukölln

Später studierte er Sportmanagement und machte im Zuge des Studiums seine B-Lizenz. Dabei führte ihn sein Weg auch zum Brandenburgischen Fußballverband. Dort durfte er unter anderem eine Einheit mit C- und B-Juniorinnen von Turbine Potsdam leiten. Hauptberuflich arbeitet Schöne heute in der Fitnessbranche.

Auch bei Grün-Weiß fing alles eher zufällig an. Die Freundin eines guten Freundes spielte in der zweiten Frauenmannschaft, die kurz vor Saisonende plötzlich ohne Trainer dastand. Ob er nicht wenigstens für die letzten vier Spiele übernehmen könne, lautete die Frage. Schöne übernahm. Die Mannschaft stieg zwar anschließend aus der Landesliga ab, aus vier geplanten Spielen wurden für ihn aber drei Jahre bei der Zweiten.

Schöne sieht im Frauenfußball enormes Entwicklungspotenzial

Nun geht es eine Mannschaft nach oben. Helge Kapheim hatte frühzeitig angekündigt, nach der vergangenen Saison als Trainer aufzuhören, und Schöne nach und nach näher an die Erste herangeführt. Für den 30-Jährigen ist der Wechsel in die Berlin-Liga der nächste Schritt.

Dass er ausgerechnet im Frauenfußball gelandet ist, gefällt ihm längst ausgesprochen gut. In seinen Jahren in der Bezirksliga habe er erlebt, wie schnell sich das Niveau entwickelt habe. Immer mehr Mannschaften versuchten, strukturierten und spielerisch guten Fußball zu zeigen. Schöne sieht im Frauenfußball noch viel Entwicklungspotenzial – und möchte seinen Teil dazu beitragen.

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Foto BSV GW Neukölln

Seine eigene Idee vom Fußball beschreibt er mit drei Worten: teamorientiert, kompakt, umschaltstark. Nach zehn Minuten soll man seiner Mannschaft ansehen, dass sie defensiv gut sortiert ist und es dem Gegner schwer macht, durch die eigenen Reihen zu spielen. Nach Ballgewinnen soll es schnell nach vorne gehen. Gleichzeitig will Schöne aber kein Team, das nur auf Umschaltsituationen wartet. Grün-Weiß soll auch einmal Ruhe ins Spiel bringen und den Ball halten können.

Fast noch wichtiger ist ihm, wie er mit seinen Spielerinnen arbeitet. Schöne ist selbst kaum älter als viele von ihnen, teilweise sogar jünger. Entsprechend wenig hält er von künstlicher Distanz. Er möchte auf Augenhöhe arbeiten und ein offenes Ohr haben – egal, ob es um Fußball oder um Dinge abseits des Platzes geht.

Bei aller Arbeit – der Spaß am Fußball soll nie in Vergessenheit geraten

Das heißt für ihn nicht, dass Kritik ausgespart wird. Im Gegenteil: Die Mannschaft soll ehrlich miteinander umgehen und sich gegenseitig fordern. Entscheidend ist für Schöne, wie das geschieht. Konstruktiv, positiv und ohne dabei zu vergessen, warum alle irgendwann mit dem Fußball angefangen haben: weil er Spaß macht.

Und auch für Schöne selbst wird die neue Saison ein Lernprozess. Die Berlin-Liga bringt ein anderes Tempo und andere Anforderungen mit sich als seine bisherige Aufgabe. Genau darauf freut er sich. Er möchte sich fachlich weiterentwickeln, aber auch im Umgang mit der Mannschaft dazulernen. Sein Anspruch gilt damit nicht nur seinen Spielerinnen. Auch der Trainer will den nächsten Schritt machen.

Im Blick
Janice Kropp & Lorelei Knoop

Bei der Frage, wer in dieser Saison besonders auf sich aufmerksam machen könnte, nennt Schöne zwei der jüngsten Spielerinnen im Kader. Janice Jolie Kropp und Lorelei Amelie Knoop kamen vor zwei Jahren aus der B-Jugend und haben seitdem kontinuierlich ihren Weg gemacht. Gerade zum Ende der vergangenen Saison bekamen beide bereits viel Spielzeit. Schöne kann sich gut vorstellen, dass sie nun den nächsten Schritt machen und sich dauerhaft in Richtung Startelf entwickeln.

Rasenperlen-Einordnung

Grün-Weiß Neukölln braucht keinen großen Neustart. Die Mannschaft kann Fußball spielen, der Kern bleibt zusammen und der neue Trainer kennt den Verein ebenso wie einen Teil des Kaders sehr genau. Dass gleich fünf Spielerinnen aus seiner bisherigen Mannschaft mit nach oben rücken, dürfte den Übergang zusätzlich erleichtern.

Die entscheidende Baustelle liegt woanders. Wenn Grün-Weiß wieder häufiger und konstanter gemeinsam trainiert, sollte auch auf dem Platz mehr möglich sein als zuletzt. Dazu muss die Mannschaft offensiv zulegen – genau dort will Schöne ansetzen.

Spannend wird sein, wie schnell seine Ideen greifen. Der 30-Jährige geht erstmals als Cheftrainer in eine Berlin-Liga-Saison und macht keinen Hehl daraus, dass auch er noch lernen will. Das muss kein Nachteil sein. Schöne kennt die Mannschaft, hat klare Vorstellungen und scheint gleichzeitig offen genug, diese nicht einfach über seine Spielerinnen zu stülpen. Nach 23 Punkten in der Vorsaison liegt die Messlatte ohnehin nicht unerreichbar hoch. Grün-Weiß sollte genügend Qualität besitzen, um sie diesmal deutlich zu überspringen.


Titelbild: BSV G.-W. Neukölln