Regionalliga kompakt: Thriller in Leipzig

RB II und Erfurt trennen sich 3:3 +++ Jena II und Union II mit Ladehemmung +++ Achtungserfolg für Nachwuchsturbinen +++ HND feiert 3:0-Sieg über Türkiyemspor.

Jena verzweifelt an sich selbst

Der FC Carl Zeiss Jena II hat gegen den SV Eintracht Leipzig-Süd mit 0:1 (0:0) verloren – und dürfte sich noch eine Weile fragen, wie diese Partie überhaupt verloren gehen konnte.

Jenas Trainer Christian Kucharz sprach anschließend von einem Torschussverhältnis von 21:3. Allein ein halbes Dutzend mal sei seine Mannschaft im Zwei-gegen-eins auf das Leipziger Tor zugelaufen. „Da musst du eigentlich nur querlegen und die Kiste machen“, ärgerte sich Kucharz.

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Den Tüchtigen gehört das Glück: Eintracht Leipzig nach dem etwas schmeichelhaften Sieg gegen Jena II.

Doch Jena machte aus all diesen Möglichkeiten nichts. Leipzig blieb im Spiel, wartete auf seine Chance – und nutzte sie. In der 77. Minute fuhr Eintracht einen Konter, Maleen Jankowski traf zum 1:0 für die Gäste. Danach verteidigte Leipzig den knappen Vorsprung mit viel Einsatz. Das erkannte auch Kucharz an: Eintracht habe in der Schlussphase einen guten Kampf geliefert.

Alarmiert ist der Jenaer Coach deshalb nicht. In seiner sehr jungen Mannschaft stehen mehrere Spielerinnen des Jahrgangs 2010. „Das ist dann eben noch Mädchenfußball“, sagte er. Solche Erfahrungen gehörten zwar zur Entwicklung, aber solche hochkarätigen Chancen erfolgreich zu Ende zu spielen, würde er auch von einer U12 verlangen.

Warum so viele Chancen liegenbleiben? Kucharz weiß es noch nicht genau

Das Thema Chancenverwertung beschäftige das Team intensiv im Training, so Kucharz. Keine Überraschung, schließlich ist es nicht das erste Spiel, in dem Jena genügend Chancen für deutlich mehr Tore und dann eben auch Punkte hatte. Ob es unter Wettkampfbedingungen nur aufgrund der Unerfahrenheit seiner Elf trotzdem nicht klappt, vermochte der Coach nicht zu sagen. Die Ursachenforschung läuft dem Vernehmen nach noch.

21:3 Torschüsse, mehrere Hochkaräter und am Ende ein 0:1 – viel deutlicher lässt sich Jenas derzeitiges Problem aber kaum zusammenfassen. Foto: SV Eintracht Leipzig-Süd


Union beeindruckt – Chemnitz hält dagegen

Der Chemnitzer FC hat sich gegen die U23 des 1. FC Union Berlin ein 1:1 (0:1) erkämpft. Und CFC-Trainer Swen Wolf musste nach dem Abpfiff erst einmal durchpusten. So dominant und spielstark hatte er die junge Berliner Mannschaft nicht erwartet.

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Lange lief Chemnitz den beweglichen Berlinerinnen hinterher

Union bestimmte über weite Strecken die Partie und erspielte sich zahlreiche Möglichkeiten. Einzig die Chancenverwertung passte für Wolf nicht zum starken Auftritt der Gäste. Dass eine derart junge Mannschaft schon so viel spielerische Qualität auf den Platz bringen könne, habe ihn beeindruckt. Die fehlende Konsequenz vor dem Tor sei womöglich genau der Punkt, an dem sich die Jugend noch bemerkbar mache.

Das 0:1 in der 33. Minute war dafür umso sehenswerter. Nach einer starken Kombination über die Grundlinie kam der Ball zurück in den Strafraum. Therese Goldmann nahm ihn direkt und jagte ihn nach Wolfs Beschreibung mit „100 km/h“ in die Maschen. Auch Union selbst beschreibt die Entstehung über Greta Muysers und Goldmann als präzise Kombination.

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… aber CFC-Schlussfrau Franzi Frohs musste nur einmal hinter sich greifen.

Wolf wollte seiner Mannschaft trotz der Berliner Überlegenheit keinen großen Vorwurf machen. Einzig die körperlichen Vorteile gegen den jungen Gegner hätte Chemnitz aus seiner Sicht konsequenter nutzen können.

In der 65. Minute schlug der Aufsteiger dafür spektakulär zurück. Lina Hertel erkannte, dass Unions Torhüterin Sherly Schulz weit vor ihrem Tor stand, und zog aus 30, 35 Metern ab. Der Ball senkte sich über Schulz, prallte an die Unterkante der Latte, sprang hinter die Linie und wieder heraus. Der Assistent war auf Ballhöhe, größere Proteste der Unionerinnen gab es laut Wolf nicht – 1:1.

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Schließlich ein Chemnitzer Konter …

Der Treffer zeigte Wirkung. Wolf wechselte nach eigener Einschätzung „sinnig“, Chemnitz konnte die Bälle nun weiter vorne festmachen und kam auch zu einigen Standards. Für rund eine Viertelstunde war der CFC deutlich besser in der Partie.

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… und Davina Graf (r.) durfte Lina Hertel für deren herrliches 1:1 herzen.

In den letzten zehn Minuten übernahm Union wieder. Chemnitz verteidigte mit Mann und Maus und brachte den Punkt über die Zeit. Vor dem Anpfiff hätte sich Wolf gegen die Berlinerinnen durchaus mehr ausgerechnet. Nach diesen 90 Minuten sah das anders aus: Angesichts des Spielverlaufs nahm er das 1:1 sehr gerne mit. Fotos: Chemnitzer FC


Turbine belohnt sich in letzter Sekunde

Turbine Potsdam II hat sich gegen den bis dahin verlustpunktfreien 1. FC Magdeburg ein 2:2 (0:1) erkämpft. Finja Liebe rettete den Nachwuchsturbinen in der 90. Minute einen Punkt – nach einer Partie, in der Magdeburg vor allem vor der Pause deutlich mehr hätte herausholen müssen.

FCM-Trainer Nico Koch sah eine verdiente Führung, die eigentlich wesentlich höher hätte ausfallen müssen. „Wir müssen hier nach Hause fahren und mindestens sechs Tore erzielen“, sagte er. Genau die Chancenverwertung sei momentan das größte Problem seiner Mannschaft.

Helene Baumann brachte Magdeburg in der 34. Minute in Führung. Turbine-Trainer Thomas Kandler sah dabei eine abgerutschte Flanke, die sich unhaltbar ins lange Eck senkte. Kurz nach der Pause erhöhte Theresa Große per Foulelfmeter auf 2:0 (48.). Eine Entscheidung, mit der Kandler nicht einverstanden war: Seine Spielerin habe zunächst den Ball gespielt, erst danach sei die Magdeburgerin zu Fall gekommen.

Doch diesmal fand Turbine zurück. Finja Liebe setzte in der 65. Minute Luna Windsperger in Szene, die sich trotz Bedrängnis in den Strafraum durchsetzte und zum 1:2 vollendete. „Schön gemacht“, befand Kandler.

Der Treffer veränderte die Partie. Potsdam wurde stärker und hielt dagegen, während Magdeburg nach einigen Wechseln an Kontrolle verlor. Koch sprach von einem deutlichen „Drop“ und war mit dem Auftritt seiner Einwechselspielerinnen nicht zufrieden.

Und dann kam die letzte Aktion. Nach einem Einwurf von rechts bekam Liebe den Ball, ließ ihn einmal aufspringen und zog ab. Ihre Bogenlampe senkte sich Richtung Tor, Magdeburgs Torhüterin Emily Bauer kam noch heran, konnte den Ball aber nicht mehr entscheidend abwehren – 2:2 in der Schlusssekunde.

Kandler räumte ein, dass Magdeburg vor allem in der ersten Hälfte das bessere Team gewesen sei und deutlich höher hätte führen müssen. Den Punkt hielt er dennoch für verdient, weil seine Mannschaft nach der Pause wesentlich besser ins Spiel fand und sich diesmal auch gefährliche Möglichkeiten erarbeitete.

Koch sah es ähnlich – mit einer Einschränkung: Gemessen am Chancenverhältnis sei das Remis für Magdeburg zu wenig. „Aber so, wie Turbine sich am Ende noch reingehauen hat, haben sie sich den Punkt schon verdient.“ Für Potsdam war es nach zwei Niederlagen trotz guter Auftritte vor allem eines: wichtig für die Moral.


Hohen Neuendorf findet die Lücke

Der SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf hat Türkiyemspor Berlin mit 3:0 (0:0) bezwungen und damit einen wichtigen Heimsieg eingefahren. Die Gäste hielten vor der Pause noch dagegen, konzentrierten sich nach Einschätzung von Trainer Christian Liedtke aber vor allem darauf, das Spiel der Gastgeberinnen zu stören, ohne selbst größere offensive Akzente zu setzen.

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Chancen zur Führung hatte Hohen Neuendorf dennoch. Colleen Henning traf bereits in der Anfangsphase den Pfosten, auch Karina Duchowny ließ eine gute Möglichkeit liegen. Ein 2:0 zur Pause wäre aus Liedtkes Sicht durchaus möglich gewesen.

Nach dem Wechsel sollte das Tempo hoch bleiben – und in der 49. Minute half ein Traumtor. Henning setzte einen Freistoß aus halbrechter Position aus rund 22 Metern mit links oben in den Winkel. „Ein herrliches Tor“, schwärmte Liedtke.

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Auf und davon: Philia Henning setzt zum Flügellauf an.

Danach spielte Hohen Neuendorf konsequent auf den nächsten Treffer. Duchowny erhöhte in der 68. Minute im Nachfassen auf 2:0. Besonders freute Liedtke das dritte Tor, weil es zwei junge Einwechselspielerinnen herausspielten: Rosalie Warta flankte von der Seite, Ceyda Kardaşlar nahm den Ball direkt und setzte ihn in der 83. Minute zum 3:0 ins Eck.

Von Türkiyemspor kam anschließend nicht mehr viel. Liedtke wollte den Erfolg nicht überbewerten. „Heimsieg, zu null, für uns war es aber der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt“, sagte der Coach.

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Wichtiger war Liedtke ohnehin die eigene Leistung: zu Hause gewonnen, zu null gespielt und den Gegner bestimmt. Und seine Spielerinnen hätten gesehen, merkte er mit einem Augenzwinkern an, dass es durchaus zum Erfolg führen könne, wenn sie der Marschroute des Trainerteams folgen. Fotos: Christian Schneider


Hansa bestraft sich selbst

Der F. C. Hansa Rostock hat gegen Aufsteiger FSV Babelsberg 74 mit 0:4 (0:3) verloren und dabei vor allem in der ersten Halbzeit zu viele Geschenke verteilt. Trainer Heiko Junghans fühlte sich an die Heimniederlage gegen Hohen Neuendorf erinnert: wieder zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten, wieder individuelle Fehler mit schweren Folgen.

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Nach gerade einmal 25 Minuten war die Partie praktisch vorentschieden. Aline Helm brachte Babelsberg in der 11. Minute in Führung, Jenny Löwe erhöhte auf 2:0 (18.), Luana Gehrke legte das 3:0 nach (25.). „Eigentlich haben wir die Tore selber vorbereitet“, ärgerte sich Junghans. Babelsberg habe die Fehler konsequent ausgenutzt und bestraft.

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Nach der Pause zeigte Hansa ein anderes Gesicht. Junghans sah nun eine ausgeglichene und flotte Partie mit Möglichkeiten auf beiden Seiten. Auch Rostock erspielte sich einige richtig gute Chancen – nur der Ball wollte nicht ins Tor. „Wir hätten heute vier Stunden spielen können und wahrscheinlich kein Tor geschossen“, sagte der Trainer. Fotos: fotoola

Und dann auch noch Löwe mit ihrem Traumtor

Stattdessen setzte Babelsberg in der 83. Minute den Schlusspunkt. Löwe traf mit ihrem zweiten Tor zum 4:0, diesmal mit einem Schuss oben in den Winkel.

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Junghans hielt das Ergebnis zwar für zu hoch, den Babelsberger Sieg aber für verdient. Vor allem ein Muster bereitet ihm Sorgen: In allen vier bisherigen Ligaspielen habe seine Mannschaft zu viele eigene Fehler produziert, die von den Gegnern rigoros bestraft worden seien.

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Genau dort müsse Hansa ansetzen. „Ein Spiel geht 90 Minuten, nicht nur 45.“ Die bessere zweite Hälfte machte Mut, änderte diesmal aber nichts mehr an einem bitteren Nachmittag.


Leipzig rettet spät einen Punkt

RB Leipzig II und der 1. FFV Erfurt haben sich 3:3 (0:2) getrennt. Der Tabellenführer hatte zwar viel Ballbesitz, fand gegen kompakte und, wie RB-Trainer Benjamin Eta es nannte, „eklig“ verteidigende Erfurterinnen zunächst aber kaum Lösungen.

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Foto: Sebastian Dühring

Erfurt machte es dagegen effizient. Lea Schrenk brachte die Gäste in der 26. Minute in Führung, Laura Krug erhöhte kurz vor der Pause auf 2:0 (41.). Beide Treffer fielen nach Standards. „Bei uns kam einfach zu wenig rum“, bilanzierte Eta die erste Hälfte.

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Foto: Sebastian Dühring

Nach einigen Umstellungen kam Leipzig mit deutlich mehr Energie und Spielwitz aus der Kabine. Jasmina Dietrich vollendete in der 49. Minute eine gute Kombination aus rund elf Metern zum 1:2. Nur sechs Minuten später war der Rückstand aufgeholt: Janita Kramer flankte präzise von der Seite, Natalie Grenz köpfte zum 2:2 ein (55.).

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Leipzigs Importschlager aus Bayern, Jasmina Dietrich, markiert erst das 1:2 …

Leipzig war nun am Drücker, kassierte aber den nächsten Rückschlag. Ein langer Erfurter Ball reichte, die RB-Abwehr war einen Schritt zu spät und Schrenk lief frei auf das Tor zu. Sie umkurvte Torhüterin Mirja Kropp und erzielte in der 68. Minute ihr zweites Tor zum 3:2 für Erfurt.

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… und muss später verletzt vom Platz.

RB drängte auf den Ausgleich, traf die Latte, brachte den Ball einmal aus Abseitsposition im Tor unter und vergab weitere Möglichkeiten. In der 90. Minute fiel das 3:3 doch noch: Marie Kleemann brachte einen Freistoß aus dem Halbfeld vor das Tor, Charlene Patzschke traf zum späten Ausgleich.

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Eta konnte mit dem Ergebnis leben, mit dem Auftritt insgesamt weniger. Dass seine junge Mannschaft bis zum Schluss dranblieb und sich noch belohnte, wertete er als Zeichen guter Moral. Auch Erfurt habe sich den Punkt verdient.

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Sorgen bereiten Leipzig allerdings die Verletzungen von Charlotte Heckler und Jasmina Dietrich. Eta hofft, dass beide nicht länger ausfallen. Fotos: RBL U20


Titelbild: Sebastian Dühring