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Rasenperle der Woche: Einmal nicht aufgepasst – und Stella ist weg

Friedrichshagens Stella Kränig braucht nicht viele Gelegenheiten, um einer Abwehr wehzutun. Beim 1:2 gegen Viktoria Berlin U23 reichte der 23-Jährigen ein Moment, um ihre größte Stärke in Zählbares zu münzen: ihr Tempo.

Viktorias Verteidigung machte eigentlich einen ziemlich guten Job. Über weite Strecken des Spiels der Woche bekam sie Stella Kränig und Co. recht gut in den Griff. Das Problem: Einmal nicht, und das reichte Friedrichshagens Flügelspielerin für ordentlich Impact auf das Spiel der Woche.

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Foto: Matthias Vogel

Kurz nach der Pause war Kränig nämlich durch. Sie zog rechts an, ging fast bis zur Grundlinie und legte nach innen. Am zweiten Pfosten musste Sandra Weihmann quasi nur noch den Fuß zum 1:0 hinhalten. Wenig später hatte Kränig sogar das 2:0 auf dem Fuß, ihr Schuss strich links am Tor vorbei.

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Foto: Matthias Vogel

Am Ende drehte Viktoria die Partie noch zum 2:1. Friedrichshagen haderte mit der Niederlage und einigen Schiedsrichterentscheidungen. Kränig hatte trotzdem gezeigt, warum sie über 90 Minuten schwer zu verteidigen ist.

Tempo mit und ohne Ball

Schnell ist schließlich nicht gleich schnell. Bei Kränig kommen der Antritt, die Geschwindigkeit über längere Wege und vor allem die Fähigkeit zusammen, auch mit Ball kaum Tempo zu verlieren.

Das gefällt Roman Kassarnig. Friedrichshagens neuer Trainer schwärmt aber nicht nur von ihrem Speed. Kränig habe einen großen Drang, sich weiterzuentwickeln, sei „unheimlich triebig“ und brenne für den Fußball. Mit ihren Tempodribblings und ihren vielen Wegen sorge sie ständig für Stress bei den Gegenspielerinnen.

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Foto: fotografie.sport

Wie viele Wege das sind, zeigte ausgerechnet das Topspiel gegen Viktoria. Kränigs Tracker zeichnete 7,8 Kilometer auf – für die 80 Minuten, die sie auf dem Platz stand, ein ziemlich respektabler Wert.

Das Gute laut Kassarnig: Kränig ist noch nicht am Ende ihrer Entwicklung. Er bezeichnet die 23-Jährige als „Rohdiamanten“, an dem noch etwas gefeilt werde. Mit ihrem Tempo, ihren engen Dribblings und guten Abschlüssen könne sie zu einer echten Unterschiedsspielerin werden.

13 Jahre bei einem Verein

Angefangen hatte alles gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester. Die beiden wollten bei Fortuna Biesdorf Fußball spielen – doch Mädchen wurden dort damals nicht aufgenommen. Also ging es für die Kränig-Twins zum FFC Berlin 2004 in Marzahn. Ihre Schwester hörte irgendwann auf, Stella blieb stolze 13 Jahre.

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Foto: Matthias Vogel

Einmal in der Grundschulzeit hätte ihre Laufbahn einen anderen Verlauf nehmen können. „Ich war mit einem Mädchen befreundet, das damals bei Union gespielt hat und mich dann einmal mit zu einem Probetraining mitgenommen“, sagt sie. Union habe sie dann zwar noch einmal sehen wollen, „ich bin dann aber nicht mehr hingegangen“.

Der große Wunsch: Auf etwas höherem Niveau kicken

Danach hakte sie bereits die Idee einer Karriere als Profifußballerin ab. Sie ging auf die Merian-Sportschule mit einmal Fußballtraining pro Woche und blieb beim FFC. Beides zusammen formte sie zu der Kickerin, die sie heute ist. Erst vor der vergangenen Saison wechselte sie gemeinsam mit Letizia Gattner und Marlies van Elferen zum Friedrichshagener SV. Nach einem Trainerwechsel beim FFC war sie nicht mehr so richtig zufrieden – und wollte vor allem eines: auf einem höheren Niveau Fußball spielen.

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Foto: Matthias Vogel

Ihre erste Saison in Friedrichshagen lief noch nicht optimal. Kränig war häufiger krank und stand entsprechend seltener auf dem Spielberichtsbogen. Jetzt ist sie fit – und ihre Ansprüche sind gestiegen. Platz sieben aus der Vorsaison soll jedenfalls in dieser Spielzeit nicht reichen. Eine Verbesserung sei Pflicht, findet sie. Mit den Neuzugängen und Kassarnig als neuem Trainer hält sie sogar einen Platz unter den ersten fünf für möglich.

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Foto: Friedrichshagener SV

Das 1:2 gegen Viktoria war ein kleiner Dämpfer und gleichzeitig ein Hinweis darauf, was noch fehlt: Friedrichshagen müsse seine Chancen konsequenter nutzen. Die üblichen Verdächtigen Stern 1900, Borussia Pankow, Berolina Mitte und Viktoria sieht Kränig auch in diesem Jahr als stärkste Konkurrenz, dazu kommt für sie nun Hertha BSC II.

Robben, Ribéry und der Zug nach vorne

Dass Kränig am liebsten offensiv über die Außenbahn kommt, passt zu den Spielern, denen sie früher besonders gerne zusah. Mit ihrem Vater schaute von Kindesbeinen an Bundesliga, besonders Arjen Robben und Franck Ribéry vom FC Bayern München hatten es ihr angetan. Vor allem Robbens Spielweise und das Zusammenspiel des Duos gefielen ihr. Cristiano Ronaldo war ebenfalls ein großes Vorbild. „Einfach ein krasser Fußballer“, sagt sie. Heute würde sie sich nicht als „Fan“ bezeichnen, den Bayern zuzusehen, sei aber nach wie vor sehr spannend.

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Foto: Friedrichshagener SV

Kränig selbst fühlt sich rechts oder links offensiv am wohlsten, kann aber auch direkt im Sturm spielen. Und derzeit macht ihr Fußball einfach großen Spaß. Das liege auch an Kassarnigs Training. „Besonders die kleinen Spielformen zur Regeneration am Montag nach den Spielen sind super“, sagt sie.

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Foto: Friedrichshagener SV

Nach einer Muskelverletzung hat sie zudem angefangen, gezielter an ihrem Körper zu arbeiten. Im Kraftraum, den ihr Freund im Keller eingerichtet hat, trainiert sie regelmäßig zur Prävention. Die Kniebeschwerden seien dadurch weniger geworden, muskulär fühle sie sich deutlich besser.

Derzeit studiert die 23-Jährige BWL und arbeitet als Werkstudentin in der Buchhaltung einer Steuerkanzlei. Wenn dann noch Zeit bleibt, spielt sie gerne Padel oder Tennis, früher war sie Schwimmerin.

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Foto: Matthias Vogel

Auf dem Fußballplatz aber bleibt ihre Lieblingsbeschäftigung eine andere: Ball nehmen, Tempo aufnehmen und die Gegenspielerin vor ein Problem stellen. Eines konnte die starke Viki-Defensive am Sonntag einfach nicht lösen. Auch das hat Stella Kränig zur Rasenperle der Woche gemacht.


Titelbild: Matthias Vogel