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Abgezockt in Richtung Titel: Stern schlägt Viki und zieht davon

In einem intensiven Spiel der Woche behält die Rießler-Elf mit 2:0 die Nase vorne und hat nun drei „Matchbälle“, die Berliner Meisterschaft nach Steglitz zu holen.

Der SFC Stern 1900 hat das Topspiel der Berlin-Liga der Frauen für sich entschieden und hat damit einen Riesenschritt in Richtung Titel gemacht. Im „Spiel der Woche“ auf rasenperlen.de setzte sich die Mannschaft von Trainer Roman Rießler vor heimischer Kulisse dank der Treffer von Diana Steinmeyer (44.) und Sofie Roll (90.) mit 2:0 (1:0) gegen die U20 von Viktoria Berlin durch. Drei Spieltage vor Schluss beträgt der Vorsprung auf den nun ärgsten Verfolger Berolina Mitte sieben Punkte – eine Ausgangslage, die den Titel nur noch theoretisch in Gefahr bringt.

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Vorbildliche Kapitäninnen: Layla El Khanji (l.) und Sterns Maggi Lorenz.

Es war die erwartete intensive Partie auf Augenhöhe, in der sich beide Teams wenig Raum ließen. Stern hatte die erste Möglichkeit nach sechs Minuten, als ein Pressschlag im Torraum zwischen Sophie Roll und der Viktoria-Torhüterin Jolina Zamorano – Leihgabe des Profi-Kaders – am Tor vorbeitrudelte. Auf der Gegenseite setzte Gabby Kelly-Niemack die ersten Akzente, zunächst aus spitzem Winkel ohne genügend Druck, später mit der bis dahin besten Chance der Gäste, als sie nur die Latte traf.

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Diana Steinmeyer und Lea Hahn (r.) zählen zu den besten Flügelspielerinnen der Liga. Im Topspiel lieferten sie sich packende Zweikämpfe.

Die kalte Dusche für Viki folgte kurz vor der Pause. Stern schaltete schnell um und nutzte eine zu weit aufgerückte Abwehr der Gäste konsequent aus. Über die rechte Seite setzte sich Magi Lorenz durch, eigentlich im Zentrum beheimatet, diesmal auf außen unterwegs. Diana Steinmeyer hatte die Situation früh erkannt, orientierte sich in die Mitte, wurde von Lorenz bedient, nahm den Ball noch einmal an und schob ihn dann präzise in die rechte Ecke ein (44.). 1:0 zur Pause – ein Treffer, der der Partie die Richtung gab.

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Vikis Toptorschützin Deborah Chmieleski (r.) hatte in der Schlussphase die große Chance zum Anschlusstreffer.

Nach dem Seitenwechsel kam Viktoria mit deutlich mehr Druck aus der Kabine und hatte spielerisch die größeren Anteile. Doch im letzten Drittel blieb das Team von Trainer Darien Hoffmann zu harmlos. Der Ball hinter die Kette oder klare Abschlüsse waren Mangelware. Stern verteidigte kompakt, ließ wenig zu und blieb in den entscheidenden Momenten aufmerksam.

Ein Kopfball von Sofie Roll bringt die Entscheidung

Die endgültige Entscheidung fiel in der Schlussphase. Nach einer Ecke in der 90. Minute – der Schiedsrichter ließ großzügig nachspielen – stieg Sofie Roll am zweiten Pfosten hoch. Ihr Kopfball war nicht besonders druckvoll, rutschte Zamorano jedoch durch die Hände zum 2:0 ins Netz. Kurz danach hatte Deborah Chmielewski noch die große Möglichkeit zum Anschluss nach feinem Solo, aber Toni Haertel im Sterner Kasten war auf dem Posten. Auch die anschließende Ecke war gefährlich, aber die Gastgeberinnen überstanden auch diese Szene. Und als der Schiedsrichter die Partie endlich abpfiff, war der Jubel im Steglitzer Lager groß.

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Im eigenen Strafraum hatte Stern die Lufthoheit.

Viktoria-Trainer Darien Hoffmann sprach nach dem Spiel von einer intensiven Begegnung mit wenig Zeit für beide Teams im Mittelfeld, um Kontrolle zu entwickeln. „Wir sind nicht hinter die Kette gekommen, um unsere schnellen Außen entscheidend in Szene zu bringen. Stern verteidigt das aber auch gut“, sagte er, zeigte sich mit dem Auftritt seiner Mannschaft dennoch nicht unzufrieden. „Stern wird nun raufgehen und es steht in unserer Verantwortung, den Kader zusammenzuhalten und in der kommenden Saison aufs Neue anzugreifen.

Lea Hahn: „Wir waren leider nicht zwingend genug.“

Vikis bärenstarke Außenverteidigerin Lea Hahn sagte nach dem Spiel: „Ich bin enttäuscht. Ich wollte genau diese Partie gegen Stern unbedingt gewinnen. Da geht es nicht einmal in erster Linie um die Meisterschaft. Das ist einfach ein Derby. Wir waren aber leider nicht zwingend genug. Und so haben sie eben die Tore gemacht und nicht wir.“

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Toni Haertel im Sterner Tor entschärft eine Ecke – es ist die letzte Aktion der Partie.

Sterns Coach Roman Rießler sah sein Team „im Stile eines Spitzenteams“ auftreten: „Ich war etwas überrascht von Viktorias Physis und dachte zwischendurch: Hoffentlich reichen unsere Körner. Aber letztendlich haben wir unsere Chancen genutzt und auch nicht viel zugelassen. Der Sieg ist nicht unverdient.“

Drei Spiele stehen noch aus. Auswärts in Friedrichshagen, zuhause gegen Türkiyemspor und Pankow. Drei Chancen für die Steglitzerinnen, den Sack zuzumachen und die Meisterschaft klar zu machen. Kein leichtes Programm, bestätigte Rießler. Und dennoch: Der Meistersekt kann kaltgestellt werden.


Fotos: Matthias Vogel