Sterne gegen Himmelblau: Stern 1900 empfängt Viktorias U20 zum Topspiel der Berlin-Liga. Es geht um Punkte, Prestige – und die Richtung im Titelrennen.
Das Spiel der Woche auf rasenperlen.de in der Berlin-Liga der Frauen hat es aus jeglicher Perspektive in sich. Es ist der bisherige Höhepunkt in der diesjährigen Saison. Es gab genügend reizvolle Partien und spannende Topspiele. Aber das Match an diesem Sonntag auf dem Sterner an der Kreuznacher Straße stellt sie alle in den Schatten. Der Klassenprimus Stern 1900 erwartet den ärgsten Verfolger, die U20 von Viktoria Berlin. Kampf der Titanen, Derbyzeit, vorentscheidender Charakter, Duell der Erfolgstrainer – wie man es auch dreht und wendet: es prickelt einfach.

Fünf Punkte trennen die beiden Teams, vorausgesetzt, Vikis U20 gewinnt das Nachholspiel am 13. Mai gegen die U23 von Türkiyemspor. Bei nach dem Topspiel am Sonntag noch drei ausstehenden Spieltagen könnte Stern mit einem Sieg das Tor zur Meisterschaft und damit zu den Aufstiegsspielen um ein gutes Stück weiter aufstoßen. Für die junge Truppe aus Lichterfelde heißt es daher „Do or die“, will sie das Titelrennen offenhalten.
Beide Teams haben für die Regionalliga gemeldet
Nicht, dass die Stadtmeisterschaft ein erklärtes Ziel von Himmelblau gewesen wäre. Den „Großen“ wollte Viki-Coach Darien Hoffmann zu Beginn der Spielzeit mit seinem Talentschuppen auf die Pelle rücken, Entwicklung vor Erfolg lautete die Maxime am Ostpreußendamm. Über 100 Treffer erzielt, Platz 2 – beides geht bestens miteinander einher. Und wer glaubt, Team oder Coach würden nicht zugreifen wollen, wenn sich schon in diesem Jahr die Chance zum Aufstieg bietet, dürfte sich täuschen. Gemeldet für die Regio hat der Proficlub sowieso.


Das Rezept für große Spannung auf der Zielgeraden der Saison wähnt Hoffmann in seiner Tasche. „Wir haben Stern mehrfach gesichtet und unsere Probleme bei der 0:1-Hinspiel-Niederlage analysiert. Wir können ihnen extrem wehtun“, sagt er. „Ich bin zuversichtlich und die Mädels sind extrem heiß auf dieses Spiel.“ Nicht alle von ihnen können dabei sein, Hoffmann fehlen weiterhin Torhüterin Lena Orywall (Handverletzung) und Kuni Steinbock (Knorpelschaden), dazu sind Top-Torschützin Deborah Chmieleski und die zentrale Angreiferin Anastasia Buryakin angeschlagen. „Hinter den beiden steht ein Fragezeichen“, so Hoffmann. „Aber wir kriegen auf jeden Fall eine schlagkräftige Truppe auf den Platz.“
Darien Hoffmann: „Wir müssen hellwach sein.“
Was den Viki-Matchplan erschwert? Hoffmann weiß es: „Stern verfolgt einen klaren Plan, spielt klaren Fußball. Dazu sind sie routiniert, sehr robust und schnell im Kopf. Und sie können immer ein Tor machen, stecken nie auf. Wir müssen hellwach sein.“ Er freue sich unheimlich auf das Match und sei gespannt, wie Stern das Spiel angehen werde.

Die Spannung nimmt ihm sein Pendant Roman Rießler noch vor dem ersten Pass: „Wir ändern nichts an unserem Spiel, werden hoch pressen, um nah am Tor Bälle zu erobern und Chancen zu kreieren.“ Aber auch in eigenem Ballbesitz wolle man sich den Gegner zurechtlegen. Dabei gelte es freilich, Vikis Stärken im Kopf zu haben: Schnelles, variables Umschaltspiel, brandgefährlich bei Standards. „Wir haben das thematisiert und es wird sicher nicht einfach, alles wegzuverteidigen“, so Rießler.
Entwicklung auf beiden Seiten unübersehbar
Auch wenn Stern schon zu den „Großen“ gehörte, das Team hat sich unter Rießler gemausert. Die Intensität ist stets hoch, der Zug zum Tor ein völlig anderer und vor allem: Die Mannschaft zieht im Vergleich zur Vorsaison auch die Topspiele. Fünf davon sind gespielt, zu Buche stehen drei Siege, ein Remis und die Niederlage gegen Berolina Mitte in der Hinrunde. „Da haben wir uns klar verbessert“, sagt der Coach.

Gegen Viki nun hat er alle Spielerinnen an Bord und es müssten bezüglich der Startelf einige unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. Von allen verlangt Rießler die gleiche Intensität auf dem Platz wie in den vergangenen Wochen, vor allem in den Zweikämpfen. „Ich glaube, ein Schlüssel zum Sieg sind die 1-gegen-1-Duelle.“


Obwohl die Visiere hochgeklappt sind und die beiden torhungrigsten Teams der Liga aufeinandertreffen, erwartet Sterns Übungsleiter kein Spektakel à la PSG vs. Bayern. Das knappe Hinspiel liefere einen Fingerzeig.
Roman Rießler: „Es wird schwer, alles wegzuverteidigen.“
Wer überwindet die Anfangsnervosität eher, wer bringt die bessere Tagesform mit auf den Sterner? Wer bringt den Matchplan durch und wer behält vor des Gegners Kiste die Nerven? Und welchen Verlauf nimmt das Titelrennen? Scheinen die Sterne am Firmament nach Abpfiff heller als zuvor – oder strahlt das Himmelszelt in sattem Blau? Die Antworten gibt es am Sonntag ab 11.15 Uhr auf dem Sterner.
Fotos: Matthias Vogel

