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Bereit für das „Riesending“

Zwei Berlin-Ligisten im Pokal-Halbfinale – Hansa und Viktoria Mitte träumen in der Wrangelritze vom Finaleinzug. Schon das ist ein historischer Erfolg für beide Teams.

Wenn am Donnerstagabend um 19 Uhr die FSV Hansa 07 Viktoria Mitte im Halbfinale des Polytan-Pokals empfängt, ist vieles außergewöhnlich. Zwei Teams aus der Berlin-Liga stehen sich in dieser Phase des Wettbewerbs gegenüber – und für beide ist es ein historischer Moment. Weder Hansa noch Viktoria Mitte haben im Frauenbereich jemals ein Halbfinale erreicht. Entsprechend groß ist die Bedeutung dieser Partie, die den Weg ins Finale im Stadion Mariendorf ebnen kann. Dort wartet einer der etablierten Namen – doch zunächst richtet sich der Fokus ganz auf dieses Duell auf Augenhöhe.

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Vorteil Hansa: Der heimische Sandkasten macht das Team unangenehm für jeden Gegner. Foto Matthias Vogel

Bei Viktoria Mitte ist die Vorfreude spürbar. „Es ist ein Riesending“, sagt Trainer Nils Tobela, auch wenn er dem Pokal grundsätzlich ambivalent gegenübersteht, weil er immer wieder den Liga-Rhythmus unterbricht. Spätestens jetzt überwiegt jedoch die Bedeutung des Moments. Nach dem Finaleinzug der Zweiten im Vorjahr ist der aktuelle Lauf mit der ersten Mannschaft ein weiterer Schritt nach vorn – unabhängig davon, dass der Weg ins Halbfinale auch günstige Konstellationen bot.

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Wer steht bei Viktoria im Tor? Coach Nils Tobela macht es spannend. Foto: Ralf Seedorff

Personell bleibt die Lage angespannt. Erkrankungen, kleinere Verletzungen und eine angeschlagene Torhüterin ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison. „Das zieht sich bei uns so ein bisschen durch“, sagt Tobela. Eine volle Bank wird es voraussichtlich nicht geben, zwei bis drei Wechseloptionen aber schon. Inhaltlich hält sich Viktoria bedeckt, bereitet sich jedoch detailliert vor – inklusive Elfmeterschießen im Training.

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Viktorias Friederike Pechmann im Spiel gegen Stern. Foto: Ralf Seedorff

Hansa geht mit anderen Voraussetzungen in die Partie. Trainer Philipp Pawelzik kann auf einen vollen Kader zurückgreifen und sieht sein Team entsprechend gut aufgestellt. Gleichzeitig warnt er vor dem Gegner, der sich „offensichtlich stark verbessert“ habe und „zu 100 Prozent ernst genommen“ werde. Viktoria habe zuletzt starke Ergebnisse geliefert und werde alles daransetzen, ins Finale einzuziehen. Für Hansa ist die Zielsetzung klar formuliert: „Wir werden alles dafür tun, dass nicht sie ins Finale kommen, sondern wir.“

Das Drumherum passt

Die Motivation ist auf beiden Seiten hoch, auch in den Details der Vorbereitung. Pawelzik verweist auf das Umfeld: Bratwurststand, Organisation, erwartete Zuschauer – vieles deute darauf hin, dass der Verein diesem Spiel eine besondere Bedeutung beimisst. In der Wrangelritze wird mit einer stimmungsvollen Kulisse gerechnet, die dem Rahmen eines Halbfinals gerecht werden soll.

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Voller Kader bei Hansa? Kim-Lucia Ruoff könnte also stürmen anstatt notgedrungen verteidigen. Foto: Matthias Vogel

Sportlich spricht vieles für eine enge Partie. Die direkten Duelle der vergangenen Jahre waren meist knapp, intensiv und umkämpft. Hansa bringt die größere Kaderbreite mit, Viktoria zuletzt stabile Leistungen und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen konkurrenzfähig zu sein. Am Ende bleibt die einfache Ausgangslage: 90 Minuten – vielleicht mehr – trennen beide Teams vom größten Spiel ihrer Vereinsgeschichte. Einer wird diesen Schritt gehen.


Titelbild (Matthias Vogel): Hansas Kapitänin Sophia Ostner.