Vor rund 500 Zuschauern liefern sich die FSV Hansa 07 und der SV Rot-Weiß Viktoria Mitte mit hochgeklappten Visieren ein denkwürdiges Pokalspiel – am Ende setzen sich die Gastgeberinnen mit 4:2 (1:1) durch.
Dieses Halbfinale hatte schon vor dem Anpfiff eine eigene Wucht. Rund 500 Zuschauer fluteten am vergangenen Donnerstagabend die Wrangelritze, Bengalos tauchten den Platz in flackerndes Licht, nach Abpfiff stürmten Fans den Rasen. Ein Rahmen, der im Berliner Pokal der Frauen selten geworden ist. „Die Stimmung war phänomenal, ein wirklich würdiges Halbfinalspiel“, sagte Viktoria-Trainer Nils Tobela.

Auf dem Platz übertrug sich die ungewohnte Atmosphäre zunächst negativ auf Hansas Spiel. „Wir waren dementsprechend nervös“, erklärte Trainer Philipp Pawelzik. Viktoria nutzte das konsequent: Nach einem Fehlpass schalteten die Gäste schnell um, über die rechte Seite vollendete Lucie Schröder zur frühen Führung (11.). Der Plan ging auf. „Wir wollten Nadelstiche setzen und Ballverluste provozieren – das hat gut funktioniert“, so Tobela.
Nach einem missglückten Rückpass beginnt die wilde Fahrt
Hansa brauchte einen Moment, fand dann aber Lösungen gegen den tiefen Block. Nach einer Kombination über rechts glich Kapitänin Sophia Ostner auf Vorlage von Kim-Lucia Ruoff aus (29.). Bis zur Pause blieb es beim leistungsgerechten 1:1. „Zur Halbzeit war das Ergebnis verdient“, sagte Tobela.

Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie in eine offene Phase. Viktoria kam stark heraus, nutzte einen missglückten Rückpass zum 2:1 durch Norah Wiegers (58.) und hätte nachlegen können. „Da müssen wir eigentlich das 3:1 machen – dann bekommt das Spiel eine andere Dynamik“, meinte Tobela. Doch stattdessen folgte die direkte Antwort: Ostner steckte auf der linken Halbspur auf Lea Anna Berndorf durch, die nur eine Minute später zum 2:2 vollendete (59.). „Dass wir da direkt zurückkommen, war super wichtig“, sagte Pawelzik. Die Vorarbeit von Ostner? Deluxe!

Mit zunehmender Spielzeit verschob sich das Kräfteverhältnis. Hansa gewann mehr und mehr Kontrolle und nutzte die Phase konsequent. Ruoff traf zur Führung (67.), nach dem Berndorf den Ball von der rechten Seite gefährlich vor das Tor gebracht hatte, musste sie nur noch den Kopf hinhalten. Tobela moniertet eine Abseitsstellung, dem Videoschnipsel auf dem Instagram-Account der FSV dürfte er damit Berndorf meinen, als sie auf dem Flügel den Ball erhielt. Der Knackpunkt in diesem tollen Halbfinale des Polytan-Pokals. Berndorf legte nach dem zweiten Geniestreich von Ostner noch das 4:2 nach (73.) – diesmal steckte die FSV-Kapitän intelligent im Zentrum auf ihre Stürmerin durch. „Wir hatten mehr Wechseloptionen, dadurch hatten wir das Spiel am Ende immer besser im Griff“, so Pawelzik.
Die Trainer waren sich einig: Hansa zieht verdient ins Finale ein
Ganz durch war die Partie dennoch nicht. Viki blieb gefährlich, kam auch in der zweiten Hälfte zu mehreren guten Möglichkeiten, ließ diese aber ungenutzt. „Wir hatten unsere Chancen, nutzen sie aber nicht – Hansa hat die Tore gemacht, die wir nicht gemacht haben“, sagte Tobela. Pawelzik ergänzte: „Viki hat super gekämpft, hat alles rausgeholt.“ So steht am Ende ein Sieg, den beide Trainer ähnlich einordnen. „Ich finde, wir haben verdient gewonnen“, sagte Pawelzik. Dem schloss sich Tobela in seiner Bewertung an.

Doch dieses Spiel wird nicht nur wegen des Ergebnisses in Erinnerung bleiben. Es war ein Halbfinale, das den Berliner Frauenfußball in einem anderen Licht gezeigt hat: laut, emotional, getragen von einer außergewöhnlichen Atmosphäre. Oder, wie es Pawelzik formulierte: „Vor so einer Kulisse zu spielen – da war richtig Stimmung drin.“

