Eine starke Rückrunde rettete das Team aus der Niederheide knapp vor dem Abstieg. Jetzt will Trainer Christian Liedtke mit einem stark veränderten Kader von Beginn an punkten – und den Verein langfristig als Adresse für junge Spielerinnen etablieren.
Die erste Regionalliga-Saison nach dem Wiederaufstieg hatte für den SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf zwei ziemlich unterschiedliche Hälften. Erst lief der Aufsteiger lange der Musik hinterher, dann bekam er die Kurve und sicherte sich den Klassenerhalt. In der neuen Saison soll es nicht wieder so lange dauern. Der Kader hat sich kräftig verändert, viele junge Spielerinnen sind dabei – und Trainer Christian Liedtke will mit seiner Mannschaft den nächsten Schritt machen.

Dass die vergangene Saison am Ende versöhnlich ausging, war nach der Hinrunde keineswegs selbstverständlich. Hohen Neuendorf hatte Schwierigkeiten, in der Regionalliga zu fassen. Gute Ansätze waren vorhanden, schlugen sich aber zu selten in Ergebnissen nieder.
Vertrauensvorschuss wurde zurückbezahlt
Im Winter wurde personell nachjustiert – und anschließend veränderte sich das Bild. Hohen Neuendorf wurde stabiler und holte vor allem dann die notwendigen Punkte, als es darauf ankam. Liedtke sieht darin auch eine Bestätigung dafür, dass Ruhe bewahrt wurde. Vorstand und der sportliche Leiter Oliver Zabel hielten am Trainerteam fest. Die Mannschaft um Kapitänin Janni Bettin zahlte das Vertrauen mit einer starken zweiten Saisonhälfte zurück.
Teamcheck
Stillstand gibt es im Kader jedenfalls nicht. Hohen Neuendorf geht mit zahlreichen neuen beziehungsweise erst seit kurzer Zeit zum Team gehörenden Spielerinnen in die Saison.

Toni Platte kehrt nach einer Pause zurück. Colleen Henning kommt aus der U23 von Union Berlin, Paula Reutter aus der Union-U17 und Laurina Osmani von Borussia Pankow. Rosali Wartenberg und Nele Repmann wechseln vom FSV Bernau nach Hohen Neuendorf, Susan Mattner und Marlene Werner rücken aus der eigenen U17 auf. Hinzu kommen Julie Guineheux aus der dritten spanischen Liga, Nina Radovanovic von Turbine Potsdam III und Ceyda Kardaslar aus der U17 von Berolina Mitte.

Eine Besonderheit bilden Alexandra Almasalme, Liliana Palacios, Natalia Pinkney, Sally Schwedler, Charleen Niesler und Lina Vianden. Sie waren bereits in der vergangenen Winterpause von Türkiyemspor nach Hohen Neuendorf gekommen. Weil jedoch nicht alle sofort spielberechtigt waren, werden einige von ihnen erst jetzt richtig zum Faktor.
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Auf der anderen Seite haben ebenfalls zahlreiche Spielerinnen den Verein verlassen. Luna Windsperger schließt sich Ligakonkurrenten Turbine Potsdam II an, Leni Fröhlich dem BFC Dynamo, Yara Scheffler und Femke Scholau Berolina Mitte. Isabella Hammer wechselt zum Friedrichshagener SV, Sarah Tiede zu Grün-Weiß Brieselang, Leo Fiedler zum SV Thenried und Amalia Wichmann zu Hansa Rostock. Zoe Harnisch und Mara Rojas Aninat zieht es ins Ausland. Sarah Scheel und Elena Zschunke sind derzeit ohne Verein, Marie Polzin, Fine Steddin und Elisa Schindler pausieren.

Für Liedtke bedeutet das vor allem eines: Er muss aus vielen unterschiedlichen Bausteinen möglichst schnell eine Mannschaft formen. Gerade die jungen Spielerinnen werden Zeit brauchen. Einige machen ihre ersten oder zweiten Schritte im Frauenfußball und müssen sich erst an das Niveau gewöhnen.
Dabei sollen ihnen die erfahreneren Spielerinnen helfen. Finden die gestandenen Kräfte zu ihrer Form und rufen ihre Leistung konstant ab, können sich die Jüngeren daneben entwickeln, ohne sofort alles tragen zu müssen.

Vor allem aber möchte Hohen Neuendorf diesmal nicht wieder eine halbe Saison benötigen, um richtig anzukommen. Schon in den ersten Spielen sollen Punkte her. Rückschläge wird es bei einer Mannschaft in diesem Entwicklungsstadium geben – entscheidend ist für Liedtke, wie das Team damit umgeht. Auch fußballerisch soll der nächste Schritt folgen. Hohen Neuendorf möchte variabler werden, ohne seine grundsätzliche Spielidee über Bord zu werfen.
Liedtke: „Erstmal liefern, dann kommen die Lorbeeren von alleine.“
Wer dabei besonders interessant werden könnte? Einen Namen lässt sich Liedtke bewusst nicht entlocken. Viel lieber ist ihm, wenn nach einem Spiel jemand fragt: Wer war eigentlich die Nummer …? Sein Motto dazu ist ziemlich eindeutig: „Erstmal liefern, dann kommen die Lorbeeren von alleine.“
Perlentaucher
Was Liedtke von seiner Mannschaft sehen möchte, beginnt nicht mit einer Formation. Es beginnt mit Zusammenhalt. Konkurrenz um Plätze gehört dazu, soll aber nicht auf Kosten des Miteinanders gehen. Gerade bei einem Kader mit vielen jungen und noch nicht lange zum Team gehörenden Spielerinnen dürfte das wichtiger werden als jede taktische Feinheit.

Auf dem Platz soll Hohen Neuendorf trotzdem klar zu erkennen sein. Aggressives Pressing gehört dazu, schnelles Umschalten ebenfalls. Mit Ball soll es dagegen nicht kopflos nach vorne gehen. Liedtke will Ruhe, Geduld und eine gute Raumaufteilung sehen – und daraus ein kreatives Angriffsspiel entwickeln.

Das Trainerteam traut der Mannschaft dabei noch einiges zu. Liedtke beschreibt sie als lernfähig und hungrig. In der Vergangenheit habe sich das Team durch interne und organisatorische Probleme mitunter selbst im Weg gestanden. Genau das soll sich ändern.

Mit Anna Laue ist zudem frischer Wind ins Trainerteam gekommen. Gleichzeitig sieht Liedtke die Veränderungen im Kader auch als Aufgabe für sich selbst und Sven Roggentin: Nicht nur die Spielerinnen sollen sich entwickeln, sondern auch die Arbeit der Trainer mit dieser neuen Mannschaft.
Dahinter steckt eine Idee, die über diese Saison hinausgeht. Hohen Neuendorf möchte sich in der Regionalliga stabilisieren und gleichzeitig stärker als Ausbildungsverein wahrgenommen werden – als Ort, an dem junge Spielerinnen im Frauenfußball Fuß fassen und sich für höhere Aufgaben empfehlen können.
Darauf kommt es an
Die Rückrunde der vergangenen Saison hat gezeigt, dass Hohen Neuendorf in dieser Liga bestehen kann. Die Frage ist nun, ob die Mannschaft dieses Niveau früher erreicht.

Der Kader bietet dafür einiges an Potenzial. Gleichzeitig müssen viele Spielerinnen integriert werden, junge Talente an den Frauenfußball herangeführt und neue Abläufe gefunden werden. Das braucht normalerweise Zeit. Genau die möchte Hohen Neuendorf diesmal aber nicht wieder über Monate verstreichen lassen.
Es braucht Stabilität von Anfang an
Gelingt es den erfahrenen Spielerinnen, früh Stabilität zu geben, könnte aus der Mischung einiges entstehen. Dann wäre der angestrebte einstellige Tabellenplatz mehr als nur ein ambitioniertes Saisonziel.

Und vielleicht steht am Ende tatsächlich öfter jemand am Spielfeldrand und fragt Liedtke nach dieser einen Nummer, deren Namen er vorher partout nicht verraten wollte.
Fotos: Christian Schneider
