Zum zweiten Mal Rasenperle der Woche: Lena Hegnal macht beim 5:1 gegen Viktoria Berlin II alle fünf Kisten für den SFC Stern 1900. Dabei sieht die 25-Jährige bei sich selbst noch Luft nach oben.
Wer Lena Hegnal spielen sieht, muss über ihren Einsatz nicht lange diskutieren. Vor knapp einem Jahr, als sie im Trikot des FC Inter erstmals Rasenperle der Woche wurde, beschrieb ihr damaliger Trainer Oliver Tomaschewski sie so: „Immer bei 100 Prozent – auf und neben dem Platz.“ Daran hat sich nichts geändert. Nur das Trikot ist inzwischen ein anderes.

Hegnal wechselte im Sommer zum SFC Stern 1900 – und brauchte genau ein Ligaspiel, um zu zeigen, warum Trainer Roman Rießler ihre Verpflichtung unbedingt wollte. Beim 5:1 (2:0) gegen Viktoria Berlin II erzielte sie sämtliche fünf Treffer des Berliner Meisters.
Quintupel, Quintrick, Fünferpack?
Und wie nennt man das eigentlich, wenn eine Spielerin fünfmal in einem Spiel trifft? Beim dritten Tor ist die Sache mit dem Hattrick noch einfach. Für fünf Treffer kursieren deutlich exotischere Begriffe: Quintupel, Quintrick, manchmal auch Fünffachpack. So richtig durchgesetzt hat sich davon nichts. Bleiben wir beim Fünferpack. Den versteht jeder – und außergewöhnlich genug ist er ohnehin.

Zumal einige ihrer Treffer selbst noch einmal herausstachen. Beim 2:0 stieg Hegnal nach einer Maßflanke von Diana Steinmeyer hoch und jagte den Ball per Kopf unter die Latte. Ein spektakulärer Treffer – und selbst für sie eine Premiere. Ein solches Kopfballtor, sagt Hegnal, habe sie noch nie erzielt. Später verwandelte sie auch noch einen Freistoß direkt. Auch das war für sie alles andere als alltäglich. An diesem Nachmittag ging fast alles.
Trainer Roman Rießler: „Eine absolute Instinktfußballerin.“
Rießler dürfte sich dabei ziemlich bestätigt gefühlt haben. Schon nach der Vorbereitung hatte er von Hegnal geschwärmt. Es mache „große Freude, ihr zuzugucken“, sagte er damals und bezeichnete sie als absolute Instinktfußballerin – genau diesen Spielertyp habe es im Spiel von Stern bislang nicht gegeben. Sie sei genau die Verstärkung, die er sich erhofft habe.

Nach fünf Toren im ersten Ligaspiel muss er daran wenig korrigieren. Hegnals Auftritt gegen Viktoria bezeichnete Rießler als außergewöhnlich. Und tatsächlich zeigte sich an diesem Nachmittag ziemlich genau das, was er mit Instinktfußballerin gemeint haben dürfte: Hegnal war da, wo es gefährlich wurde, und fand Lösungen, die sich nur schwer planen lassen.
Wichtig für Hegnal: Sie muss sich wohlfühlen
Dabei war der Wechsel zu Stern für die 25-Jährige keineswegs selbstverständlich. Beim FC Inter hatte sie sich sehr wohlgefühlt. Entsprechend wichtig war ihr, wie sie in der neuen Mannschaft aufgenommen werden würde. „Die Mädels haben es mir superleicht gemacht“, sagt Hegnal. Die anfängliche Sorge war schnell verschwunden. Auf dem Platz offenbar auch jede Eingewöhnungszeit.

Hegnals Weg im Frauenfußball verlief ohnehin nicht geradlinig. Sie begann mit vier Jahren beim Nordberliner SC und spielte dort bis 16 ausschließlich mit Jungs. Danach hörte sie auf. Erst mit 22 kehrte sie beim FC Inter zurück – „ohne Ziel, aber mit Bock“, wie sie bei ihrer ersten Auszeichnung zur Rasenperle erzählte.

Drei Jahre später spielt sie für den amtierenden Berliner Meister und entscheidet zum Saisonauftakt mit fünf Toren ein Spiel praktisch im Alleingang. Eine neue Herausforderung hat sie gesucht und ihre Ziele mit dem neuen Team formuliert sie klar: „Ich will Berliner Meister werden und wenn das klappt, dann natürlich auch aufsteigen. Und wir wollen im Pokal weit kommen, am besten ins Finale. Da haben wir alle richtig Bock drauf“, sagt sie.
Und trotzdem findet Hegnal noch etwas, an dem sie arbeiten möchte. Schon bei ihrer ersten Auszeichnung sprach sie über ihre Ausdauer. Mittlerweile sei es besser geworden, sagt sie, bei der Kondition sehe sie aber weiterhin Luft nach oben.

An den 100 Prozent Einsatz ändert das nichts. Die gibt sie ohnehin immer. Und falls in Sachen Kondition tatsächlich noch etwas dazukommt, dürfte das vor allem die Konkurrenz interessieren. Vermutlich nicht unbedingt im positiven Sinne.
Fotos: Matthias Vogel
