Mit Roman Kassarnig übernimmt ein alter Bekannter der Berlin-Liga den Friedrichshagener SV. Nach Platz sieben und einem bemerkenswerten Transfersommer stellt sich die Frage: Was geht da in dieser Saison?
Beim Friedrichshagener SV beginnt ein neues Kapitel – allerdings keines, das über Nacht aufgeschlagen wurde. Lisa Roemer hatte ihren Abschied bereits im Winter angekündigt. Nun übernimmt Roman Kassarnig. Der 41-Jährige kennt die Liga, hat unter anderem fünf Jahre bei Internationale gearbeitet und war zuletzt für die zweite Mannschaft von Blau-Weiß Hohen Neuendorf verantwortlich.

Und er übernimmt einen Kader, bei dem sich im Sommer einiges getan hat. Lucy Wendling, Sandra Weihmann und Lena Worsch kommen aus der Regionalliga-U23 des 1. FC Union Berlin. Dazu wechselt mit Alina Lindemann eine erfahrene Innenverteidigerin vom Berliner Meister SFC Stern 1900 an den Müggelsee. Ronja Lange von Türkiyemspor sowie Isabella Hammer, Lena Pilgram und Lilith Porwich aus Hohen Neuendorf sind ebenfalls neu dabei.
Teamcheck
Schlecht war die vergangene Saison nicht. Platz sieben kann sich sehen lassen. Trotzdem gab es Spiele, in denen Friedrichshagen unter seinen Möglichkeiten blieb und Niederlagen deutlicher ausfielen, als es nötig gewesen wäre. Richtig weh tat zudem das frühe Aus im Pokal.

Im Sommer hat sich einiges verändert. Leni Hänel hat den FSV Richtung Potsdam verlassen und damit eine Spielerin, der Kassarnig großes Potenzial bescheinigt. Auf der anderen Seite hat Friedrichshagen ordentlich nachgelegt. Besonders das Trio aus Unions Regionalliga-U23 bringt Qualität und Erfahrung aus einer höheren Spielklasse mit. Aber die Zugänge erschöpfen sich nicht in diesen drei Namen. Alina Lindemann kommt vom Berliner Meister Stern 1900. Die erfahrene Innenverteidigerin soll Friedrichshagen vor allem Ruhe und Sicherheit in der letzten Linie geben.
Wichtig für Kassarnig: Geschlossenheit
Das passt zu einer Mannschaft, die ihre Stärken bislang vor allem über Tempo und Dynamik definiert hat. Genau dort möchte Kassarnig ansetzen. Gleichzeitig soll sein Team taktisch reifer werden, bessere Entscheidungen treffen und offensiv wie defensiv geschlossener auftreten.

Von einem bestimmten Tabellenplatz will der neue Trainer trotzdem nichts wissen. Ihm geht es zunächst darum, Spielerinnen besser zu machen. Dazu passt auch die Entscheidung, künftig mit einem zweiten Großfeldteam anzutreten. Mehr Spielerinnen sollen regelmäßig Spielpraxis bekommen und auf dem großen Feld ausgebildet werden.

Ganz ohne Blick auf die Konkurrenz geht es natürlich nicht. Stern 1900, Hertha BSC II und Berolina Mitte sieht Kassarnig vorne. Wo Friedrichshagen selbst landen kann, lässt er offen.


Perlentaucher
Eigentlich kommt Roman Kassarnig vom Futsal. Dort spielte er selbst, rutschte irgendwann auf die Trainerseite – und stellte fest, dass es mindestens genauso viel Spaß machen kann, andere besser zu machen.

Über Berolina Mitte führte sein Weg in den Berliner Frauenfußball. Fünf Jahre arbeitete der gebürtige Österreicher anschließend bei Internationale. Mit der ersten Frauenmannschaft gelang ihm dort unter anderem Platz drei in der Berlin-Liga. Zuletzt stand er bei Blau-Weiß Hohen Neuendorf II an der Seitenlinie.

Seinen Fußball beschreibt Kassarnig mit drei Worten: kontrolliert, offensiv, dynamisch. Mit planlos nach vorne geschlagenen Bällen kann er wenig anfangen. Seine Mannschaft soll Fußball spielen, von hinten Lösungen finden und Kontrolle bekommen. Wird der Ball erobert, darf es dagegen schnell gehen.

Mindestens genauso wichtig ist Kassarnig, was zwischen den Spielerinnen passiert. Zusammenhalt ist für ihn keine nette Begleiterscheinung. Er will eine Mannschaft sehen, in der eine Spielerin die drei oder vier Meter zusätzlich läuft, weil sie es für ihre Mitspielerin tut. Nach zehn Minuten, so seine Vorstellung, sollte man genau das bereits erkennen können.
Das erste Punktspiel ist mittlerweile rum, der FSV siegte bei der U23 von Türkiyemspor mit 5:0. Viel Aussagekraft hat der Sieg nicht, die Gastgeberinnen mussten zahlreiche Ausfälle kompensieren. Aber: Der Anfang ist gemacht.
Rasenperlen-Einordnung
Friedrichshagen hat nach Platz sieben nicht einfach nur den Trainer gewechselt. Der Kader wirkt stärker – und vor allem ziemlich gezielt verstärkt. Regionalliga-Erfahrung kommt hinzu, mit Alina Lindemann außerdem eine routinierte Innenverteidigerin vom Berliner Meister.
Jetzt muss das zusammenfinden. Kassarnig hat Tempo, Erfahrung und einen jungen Kern mit Luft nach oben. Gelingt es ihm, daraus schnell eine Einheit zu formen und seine Spielidee auf den Platz zu bringen, könnte Friedrichshagen eine Mannschaft werden, die man in dieser Saison weiter oben auf der Rechnung haben muss. Es wäre ihr aber auch zuzutrauen, bei der Vergabe des Titels auf ihr Mitspracherecht zu pochen.
Fotos: Friedrichshagener SV/Laura Thill/Matthias Vogel
