Nach Platz drei und einem kräftigen Umbau will sich der 1. FC Magdeburg dauerhaft in der Spitzengruppe festsetzen. Und gerade in dieser Saison könnte es sich lohnen, noch etwas höher zu schauen.
Die offizielle Zielsetzung klingt beinahe bescheiden: obere Tabellenhälfte. Denn der 1. FC Magdeburg kommt aus einer Saison, in der er sich weit weiter oben einsortiert hat. Platz drei, 46 Punkte und 55:26 Tore standen am Ende zu Buche. Nun soll der nächste Schritt folgen. Und der begann zumindest mit drei Punkten. Beim 4:3 gegen Eintracht Leipzig-Süd verspielte der FCM zum Saisonauftakt zwar eine 2:0-Führung, kam nach dem zwischenzeitlichen 2:3 aber noch einmal zurück.

„Wir hatten eine überdurchschnittliche Saison und wollen an diese Leistungen anknüpfen“, sagt der FCM über die vergangene Spielzeit. Magdeburg möchte sich weiterhin in der Spitzengruppe etablieren. Und wenn Trainer Nico Koch zehn Monate vorausblickt, soll seine Mannschaft dann als Topteam der Regionalliga wahrgenommen werden. Das klingt nach deutlich mehr als nur nach oberer Tabellenhälfte.
Teamcheck
Mit Platz drei hat Magdeburg in der vergangenen Saison gezeigt, dass der Weg nach oben längst eingeschlagen ist. Nur zwei Mannschaften erzielten mehr Treffer, lediglich ein Team kassierte weniger Gegentore. Vor allem zu Hause war der FCM eine Macht und blieb im Heinrich-Germer-Stadion die komplette Regionalliga-Saison ungeschlagen.
Nun muss Nico Koch aus einem deutlich veränderten Kader wieder eine Einheit formen. In den Antworten für den Rasenperlen-Teamcheck sprach der Verein von neun Zu- und neun Abgängen. Inzwischen werden öffentlich weitere Wechsel geführt – der Umbruch fällt also sogar noch größer aus.
Zu den Neuen gehören Rachel Kirps vom SV Elversberg, Josephine Ojih vom SV Heißen, Greta Müller vom VfL Wolfsburg II, Mara Rückstieß aus der U17 des 1. FC Union Berlin, Marietta Brand und Lesley Lergenmüller von Türkiyemspor Berlin, Ella Pfister von Eintracht Northeim sowie Emma Vilter aus der U17 des FC Carl Zeiss Jena. Anna Lamea Mittag rückt aus dem eigenen Nachwuchs auf.
Besonders interessant sind zwei internationale Verstärkungen: Akane Miyoshi kommt vom VfR Warbeyen und bringt Erfahrung aus der 2. Bundesliga mit. Carlia Johnson spielte zuletzt in den USA für die Colorado State University Pueblo und ist Nationalspielerin Anguillas.
Die neuen schlagen gleich ein wie erhofft
Auch auf der anderen Seite hat sich einiges getan. Als Abgänge werden unter anderem Merle Hellwig, Lena Neumann, Laura Röder, Emma Karl, Lisann Mertens, Latoya Bach, Chantal Schmidt, Florentine Schmiedchen, Chantal Münch und Hanna Bach geführt. Annika Neumann beendet ihre Karriere, Marie Krümmel wechselt in die zweite Mannschaft.
Dass einige Neue sofort helfen können, zeigte bereits der Saisonauftakt. Johnson bereitete gegen Eintracht Leipzig-Süd das 2:0 vor, Miyoshi legte nach dem zwischenzeitlichen Rückstand den Ausgleich auf und die eingewechselte Greta Müller erzielte den Siegtreffer zum 4:3.
Perlentaucher
Wie Magdeburg auftreten möchte, lässt Koch ziemlich klar erkennen: hohe Intensität, klare Aufgaben, eine erkennbare Spielidee. „Jede Spielerin soll ihre Aufgabe auf dem Platz genau kennen“, lautet einer der zentralen Gedanken. Dabei soll die Spielweise nicht einfach über die Mannschaft gestülpt werden. Koch und sein Trainerteam nehmen die individuellen Stärken und Schwächen ihrer Spielerinnen als Ausgangspunkt und entwickeln daraus die Idee für das gesamte Team.

Das könnte in dieser Saison besonders wichtig werden. Wer sich dauerhaft in der Spitzengruppe etabliert, trifft häufiger auf Gegner, die einem selbst die Initiative überlassen. Magdeburg muss also nicht nur intensiv spielen und gegen den Ball funktionieren, sondern auch Lösungen finden, wenn es selbst das Spiel machen soll.
Es ist eindeutig mehr als ein bisschen Nachjustieren. Koch muss nach einer starken Saison eine in Teilen neu zusammengesetzte Mannschaft möglichst schnell wieder auf Spitzenniveau bringen.
Darauf kommt es an
Die besondere Chance erkennen. Oben mitspielen kann Magdeburg. Das muss der FCM nach Platz drei nicht mehr beweisen. Die spannendere Frage lautet, wie weit nach oben es diesmal gehen kann. Denn diese Saison besitzt eine Besonderheit. Noch kann der Weg aus der Regionalliga direkt in die 2. Bundesliga führen. Ab 2027/28 liegt mit der neuen 3. Liga eine zusätzliche Spielklasse dazwischen. Wer jetzt den Sprung schafft, überspringt damit gewissermaßen eine Etage.
Auch wenn offiziell in Magdeburg niemand vom Aufstieg spricht – die Gelegenheit ist da. Und für eine Mannschaft, die bereits Dritter war und ihren Kader mit zusätzlicher Qualität verstärkt hat, wäre es fast überraschend, würde sie nicht zumindest heimlich nach oben schielen.
Fotos: 1. FC Magdeburg
