Wenn Hohen Neuendorf und Türkiyemspor zum Saisonabschluss aufeinandertreffen, geht es sportlich nur noch um Nuancen. Die Emotionen versprechen dennoch eine brisante Partie.
Was auf den ersten Blick wie ein bedeutungsloser Kehraus wirkt, hat bei näherem Hinsehen reichlich Zündstoff. Wenn der SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf am Sonntag um 14 Uhr Türkiyemspor Berlin in der Niederheide empfängt, treffen zwei Teams aufeinander, die den Klassenerhalt praktisch sicher haben. Doch vom Austrudeln lassen oder Schaulaufen ist keine Rede.

Dafür sind in Kreuzberg die Erinnerungen an den Winter noch zu präsent. Damals verlor Türkiyemspor die halbe Stammelf an den Ligakonkurrenten aus Hohen Neuendorf. Trainer Amadou Konde muss sich deshalb seiner Einschätzung nach jedenfalls nicht großartig krummlegen, um sein Team von der richtigen Einstellung zu überzeugen: „Es gibt bei uns unterschiedliche Motivationen, dieses Spiel zu gewinnen“, sagt er. Zum einen hätten längst nicht alle Spielerinnen vergessen, was sich zur Winterpause abgespielt habe. Zum anderen könnten einige erfahrene Akteurinnen vor ihrem letzten Spiel im Türkiyemspor-Trikot stehen.

Vor allem aber soll die kräftezehrende Rückrunde mit einem Erfolgserlebnis abgeschlossen werden. Nach dem personellen Aderlass kämpfte sich Türkiyemspor durch schwierige Monate und sicherte schließlich den Klassenerhalt. „Und nun müssen wir alle diese Motivationsgründe bündeln, damit wir die drei Punkte entführen“, fordert Konde und betont gleichzeitig sein Vertrauen in die Mannschaft, das auch zu schaffen.

Die Gastgeber verfolgen ähnliche Ziele. Rein rechnerisch fehlt Hohen Neuendorf noch ein Punkt zum sicheren Ligaverbleib. Trainer Christian Liedtke hält das Restrisiko eines Abstiegs aber für äußerst theoretisch. Würde der FC Hansa Rostock zuhause gegen den 1. FFV Erfurt tatsächlich gewinnen und sein Team verlieren, müsste dabei gleichzeitig immer noch ein ordentliches Tore-Polster auf die Hansa-Kogge wegschmelzen. Trotzdem soll der Saisonabschluss erfolgreich gestaltet werden.

Dabei geht es nicht nur darum, sich angemessen von den Fans zu verabschieden oder um ein gutes Gefühl nach einer Spielzeit, in der sich die Mannschaft insbesondere nach einer schwierigen Hinrunde eindrucksvoll stabilisierte. Auch die Abschlussplatzierung spielt eine Rolle. Mit einem Sieg könnte HND noch an Türkiyemspor vorbeiziehen. „Das ist unser Ziel“, sagt Liedcke.

Personell müssen beide Trainer auf wichtige Kräfte verzichten. Bei Türkiyemspor fehlt Anna Fechner verletzt. Aufseiten der Gastgeber steht Elisa Schindler nicht zur Verfügung und hinter Luna Windsperger verletzungsbedingt ein Fragezeichen. Dafür könnten mit Charleen Niesler und Lina Vianden ausgerechnet erstmals zwei weitere Spielerinnen zum Einsatz kommen, die im Winter den Weg von Kreuzberg in die Niederheide fanden. Beide sind nun spielberechtigt und werden zunächst auf der Bank erwartet.

Die Tabellenkonstellation mag dem Duell die ganz große sportliche Bedeutung nehmen. Die Geschichte dahinter tut das nicht. Vieles spricht dafür, dass zum Saisonabschluss noch einmal ordentlich Feuer in einer Partie steckt, die genau deshalb das Spiel der Woche auf rasenperlen.de ist.
Titelbild (Matthias Vogel): Alexandra Almasalme

